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14.09.2011

09:06 Uhr

Kommentar

Italiens Bittgang nach Peking geht nach hinten los

VonFinn Mayer-Kuckuk

Italien bittet China um Geldspritzen, um sich gegen den Griechenlandvirus zu wappnen. Das ist der falsche Weg: Er stärkt Vorbehalte gegen die EU und Pekings Überlegenheitsgefühl. Dabei könnte Peking Rom gar nicht retten.

Silvio Berlusconi schaut sich in der Schuldennot nach finanzieller Unterstützung aus China um. Keine gute Strategie, sagt unser Kommentator Finn Mayer-Kuckuk. Reuters

Silvio Berlusconi schaut sich in der Schuldennot nach finanzieller Unterstützung aus China um. Keine gute Strategie, sagt unser Kommentator Finn Mayer-Kuckuk.

Italienische Beamte haben es ausgeplaudert: Italien bittet China um Geld. Bettelei in Ostasien hilft verschuldeten Euro-Ländern beim Umgang mit der Finanzmisere allerdings wenig. Roms Sondierungen in Peking zeugen vielmehr davon, wie wenig die unter Druck stehenden europäischen Regierungen die Wirkung solcher Bittgänge verstehen.

Italien ist nicht das erste Euro-Land, das auf Investoren aus Asien hofft – Griechenland, Portugal und Spanien gaben sich in Peking die Klinke in die Hand. Berlin und Paris ist das recht – sie hoffen auf Entlastung in der Dauerkrise. Aber aus asiatischer Sicht demonstriert der römische Verzweiflungsakt erneut die Schwäche des Westens. Wenn Länder der Euro-Zone in Fernost um Finanzhilfe nachsuchen, belegt das für Peking die Zersplitterung des Euro-Wirtschaftsraums. Das schwächt das ohnehin schon lädierte Vertrauen in die Fähigkeit der Europäer, ihre Probleme zu lösen – und dürfte mittelfristig die Märkte eher verunsichern als stabilisieren.

Die Europäer sollten ihre Schuldenkrise aus eigener Kraft bewältigen können. Immerhin handelt es sich bei der Euro-Zone um den Verbund einiger der wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt. Umso mehr stößt die Lähmung Europas im zentral organisierten China auf Unverständnis. Peking hat schon öfters Banken oder die überschuldeten Gemeinden mit dreistelligen Milliardenbeträgen gerettet, ohne dass jemand davon Notiz genommen hätte.

Die Bettelei bestärkt die Chinesen zudem in einem aufkommenden Überlegenheitsgefühl. Staatsmedien haben die Nachricht vom Ansinnen Italiens sofort aufgegriffen und genüsslich weiterverbreitet. Wer derzeit mit jungen Chinesen spricht, hört immer wieder Aussagen wie: „Der Westen ist doch am Ende – jetzt kommt unsere Zeit.“ Für die chinesische Seele ist das Balsam nach einem Jahrhundert als Opfer der Kolonialisierung und selbstverschuldeter Armut. Doch Europa beschädigt sich damit das wertvolle Image einer wirtschaftlich starken, zuverlässigen und fortschrittlichen Region.

Selbst wenn die europäischen Regierungen auf eine Linderung ihrer Probleme durch chinesischen Beistand hoffen und Premier Wen Jiabao verbal auch durchaus darauf eingeht – China kann und will die Südländer nicht herauspauken. Sie haben daher nur vergleichsweise geringe Beträge in europäische Staatsanleihen aus den Krisenländern investiert. Selbst wenn das mit Devisen reich gesegnete China genügend Mittel hätte, wollen die Finanzpolitiker in Peking nicht als Retter auftreten. Schließlich steht es mit der Bonität der Schuldner nicht zum Besten.

Finn Mayer-Kuckuk. Handelsblatt-Korrespondent in Peking. Pablo Castagnola

Finn Mayer-Kuckuk. Handelsblatt-Korrespondent in Peking.

Es mag sein, dass ein guter Teil der Rechnung für die Sanierung des Euros an Deutschland hängenbleibt. Europa sollte aber den Stolz aufbringen, seine Schuldenkrise aus eigner Kraft zu überwinden. Dass die Chinesen auch in Staatsanleihen aus dem Euro-Raum investieren, versteht sich von selbst. Wir sollten ihnen jedoch nicht als Bittsteller hinterherlaufen.

Der Autor ist Korrespondent in Peking. Sie erreichen ihn unter: mayer@handelsblatt.com.

Kommentare (6)

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14.09.2011, 09:35 Uhr

Der Kuckuk ist in Asien, der hat gut Reden, die Deutschen sollen zahlen... Er ist ja nicht betroffen!
Der Ausweg ist ein Nord- und ein Süd-Euro. Das hat nur Vorteile für ALLE, da er nicht mehr gleichmacherisch über die unterschiedlichen Volkswirtschaften hinwegfegt. Der Nord- und Süd-Euro verhindert ein weiteres Auseinanderdriften der EU. Wer ALLES will (die Einheitswährung), kriegt zum Schluß NICHTS!

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14.09.2011, 10:05 Uhr

Herr Finn Mayer-Kuckuk, Sie haben gut reden.
Was macht ein Ertrinkender, der seine Hand ausstreckt?
Er greift nach jedem Strohhalm. In dieser Situation hat man keinen Stolz mehr - nur noch die verzweifelte Hoffnung zum Überleben - ein Naturgesetz.

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14.09.2011, 10:20 Uhr

Italien muß seinen Süden industrialisieren. Dabei sollte die Fotovoltaik und eine superschnelle Autostrada del Sole eine wesentliche Rolle spielen aber keine Module aus China.
Bei Tempo 500 wird Italien so kompakt wie Deutschland.

http://www.bps-niedenstein.de/content/view/202/2/

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