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01.04.2011

15:31 Uhr

Kommentar

Krise in der Elfenbeinküste könnte ausstrahlen

VonWolfgang Drechsler

Die Situation in der Elfenbeinküste eskaliert. Je länger der Konflikt währt, desto größer ist das Risiko, dass andere Staaten in den Sog geraten. Dies wäre fatal, weil in Afrika etliche andere Wahlen anstehen.

Gewalt in den Straßen von Abidjan. Quelle: dpa

Gewalt in den Straßen von Abidjan.

Während die Welt gebannt auf die Ereignisse in Nordafrika und Japan starrt, hat sich in deren Windschatten die Lage in der Elfenbeinküste dramatisch zugespitzt. Über eine Million Ivorer befinden sich inzwischen auf der Flucht. Mehr als 500 Menschen sind seit den umstrittenen Wahlen Ende November landesweit getötet worden, die meisten durch Anhänger von Laurent Gbagbo, dem früheren Präsidenten, der sich seit seiner Wahlniederlage gegen Herausforderer Alassane Ouattara beharrlich weigert, sein Amt aufzugeben und abzutreten.

Mit dem plötzlichen Vorrücken der Truppen Ouattaras scheint nun alles auf eine gewaltsame Lösung des politischen Patts hinauszulaufen. Bei aller berechtigten Sorge vor einem noch einem noch tieferen Abrutschen des Landes in einen Bürgerkrieg hat diese Wende auch sein Gutes: Je länger der Konflikt währt, desto größer ist das Risiko, dass andere Staaten in seinen Sog geraten. Dies wäre schon deshalb fatal, weil in Afrika in den nächsten 18 Monaten mindestens 20 Wahlen anstehen - die nächste bereits am Wochenende in Nigeria, der zweitgrößten Volkswirtschaft des Kontinents.

Angesichts des Widerwillens der Afrikanischen Union, mit Nachdruck gegen Wahlverlierer vorzugehen, die sich weiter an die Macht klammern, war es überfällig, ein klares Zeichen zu setzen. Denn bislang musste ein Staatschef in Afrika keine Wahl gewinnen, um im Amt zu bleiben: Es reichte schon, nach der Auszählung der Stimmen für Chaos zu sorgen, gewaltbereite Anhänger auf den (siegreichen) Gegner zu hetzen und den Konkurrenten um das Präsidentenamt des Betrugs zu bezichtigen. So geschah es nach der Wahlfarce in Kenia und Simbabwe – und so plante es Gbagbo offenbar auch in der Elfenbeinküste.

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