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10.06.2012

09:12 Uhr

Kommentar

Minimale Blamage für Spanien

VonAnne Grüttner

Spanien schlüpft zur Sanierung maroder Banken als viertes Land unter den Euro-Rettungsschirm - ohne, dass es weh tut. Dadurch wird das Land vermutlich für eine Zeit eine Normalisierung der Marktbedingungen sehen.

Spanien schlüpft unter den Euro-Rettungsschirm. dpa

Spanien schlüpft unter den Euro-Rettungsschirm.

MadridSpanien hat sich dem Druck der Europartner gebeugt und bekommt Finanzhilfen für seinen Bankensektor vom europäischen Rettungsschirm. Madrid, das wurde bis zum letzten Moment an den Äußerungen der Regierungsmitglieder deutlich, hätte es vorgezogen weiter abzuwarten, zumal die Spanier unter normalen Marktumständen durchaus in der Lage gewesen wären, die Sanierungskosten für ihre Banken selbst zu tragen.

Doch insbesondere die deutsche Regierung wollte offensichtlich den Brandherd auf der iberischen Halbinsel schnell löschen, um die Auswirkungen der Griechenland-Wahlen nächste Woche und die danach voraussichtlich anstehende extreme Belastungsprobe für den europäischen Währungsraum zu minimisieren.

Für Spanien wurde aufgrund der besonderen Umstände des Landes, das eine deutlich niedrigere Schuldenquote hat als etwa Deutschland und sich bereits einen harten Reform- und Sparkurs auferlegt hat, eine gesichtswahrende Lösung gefunden. Die Hilfen gehen an den staatlichen spanischen Rettungsfonds FROB und von dort, gegen strenge Auflagen, an bedürftige Banken. Das mindert die Blamage für den spanischen Premier Mariano Rajoy, der sich seit seinem Amtsantritt vor rund einem halben Jahr als Musterschüler Brüssels hervorzutun suchte.

Zweifellos ist die Finanzhilfe aber auch eine Erleichterung für die spanische Regierung, die inmitten einer schweren Rezession enorme Spar- und Restrukturierungsleistungen erbringen muss. Das Land wird vermutlich für eine Zeit eine Normalisierung der Marktbedingungen sehen, zumindest eine gründliche Bankensanierung kann es nun zu geringeren Kosten finanzieren und hat zudem die Hoffnung, dass die Banken nach der Generalüberholung endlich wieder imstande sind, dem klammen Mittelstand mit Krediten zur Seite zu stehen.

Die Euroländer indes haben sich einmal mehr dem Druck der Märkte gebeugt und die Geburtsfehler der Währungsunion erneut mit einem provisorischen Pflaster, statt mit einer nachhaltigen Therapie zu heilen versucht. Allen dürfte klar sein, dass es damit nicht getan ist. Die Spekulation der Finanzmärkte gegen den Euro richtet sich immer gegen das jeweils schwächste Glied der Kette. Nachdem Spanien nun aus der vordersten Schusslinie entfernt wurde, dürfte sich der Druck als nächstes auf Italien konzentrieren. Das Problem aber ist weder Spanien noch Italien, sondern die Unfähigkeit der Euro-Mitglieder, die gemeinsame Währung endlich durch eine gemeinsame Fiskalpolitik auf ein stabiles Fundament zu stellen.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

10.06.2012, 09:38 Uhr

Kommt uns irgendwie alles bekannt vor....

azaziel

10.06.2012, 10:12 Uhr

Die Eurolaender haben sich nicht dem Druck der Maerkte gebeugt sondern dem politischen Druck franzoesicher Banken, die noch immer stark in Spanien engagiert sind. Déjà vu!

Die “Spekulation der Finanzmaerkte” richtet sich nicht gegen irgendwen, sondern die Zinsen sind immer dort am hoechsten, wo das Ausfallrisiko am hoechsten ist, ganz neutral und ohne jede boese Absicht.

Und schon wieder der staendig nachgebetete Unsinn, dass eine gemeinsame Waehrung eine gemeinsame Fiskalpolitik brauche. Braucht sie nicht!

Eine gemeinsame Fiskalpolitik wird es nicht geben, weil die Vorstellungen Frankreichs und Deutschlands unvereinbar sind, es sei denn alle Europaeer unterwerfen sich franzoesischen Vorstellungen vom schuldenfinanzierten Wachstum. Und wenn man sich den Vorstellungen deutscher Sparpoltik beugte, dann nur um Eurobonds zu bekommen. An die Vertraege wird sich kaum ein Staat halten, so wie sich niemand um das Bail-Out Verbot oder um das Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB geschert hat. Déjà vu!

Stinksauer

10.06.2012, 10:17 Uhr

Ich habe bereits die ersten Stimmen vernommen, dass wieder "nur" die Banken gerettet werden. Offenbar bin ich einer der letzten Mohikaner, die ihr Erspartes nicht unter dem Kopfkissen horten, sondern bei einer Bank.

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