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11.09.2013

11:23 Uhr

Kommentar

Obama, der Getriebene

Man kann die neueste Wendung im Syrien-Konflikt auch anders erzählen. US-Außenminister Kerry hat sich einfach verplappert. Und mit einer unbedachten Äußerung dafür gesorgt, dass es wohl keinen US-Militärschlag gibt.

Demonstranten vor dem Weißen Haus während Obamas Ansprache: Heft aus der Hand gegeben. dpa

Demonstranten vor dem Weißen Haus während Obamas Ansprache: Heft aus der Hand gegeben.

Außenminister John Kerry gilt in den USA als unberechenbar. So hat er beispielsweise den Putschisten in Ägypten für die Wiederherstellung der Demokratie gedankt. Und vor einiger Zeit den bevorstehenden Militärschlag in Syrien als „unglaublich klein“ bezeichnet – und damit die Drohung ohne Not abgeschwächt. „Loose Cannon“ werden derartige Politiker in den USA bezeichnet. Als verlorene Bordkanone, die unkontrolliert über das Schiffsdeck rollt.

Doch mit seiner neuesten Wortsalve gelang Kerry endlich ein Treffer. Die eigentlich unerfüllbar erscheinende Forderung, Syrien soll alle Chemiewaffen an die Staatengemeinschaft übergeben, wurde akzeptiert. Syriens Schutzmacht Russland griff die Forderung auf, das Regime von Baschar al-Assad war plötzlich gesprächsbereit. Kaum zu glauben, wie eine unbedachte Äußerung möglicherweise einen Angriff verhindern kann.

Jürgen Röder Pablo Castagnola

Jürgen Röder

Und US-Präsident Barack Obama? Er hat offenbar in dem Giftgas-Dilemma nicht mehr das Heft in der Hand. Eigentlich wollte er die kriegsmüde Bevölkerung bei seinem Interview-Marathon am Montagabend und seiner Ansprache an die Nation von einem Militärschlag überzeugen. Nun redet er über seine Präferenz für diplomatische Lösungen. Obama ist ein Getriebener. Getrieben von einem unberechenbaren Außenminister und der Eigendynamik, die dessen Worte entfaltet haben.

Kommentare (8)

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Steuerschaetzer

11.09.2013, 12:24 Uhr

"Obama ist ein Getriebener. Getrieben von einem unberechenbaren Außenminister und der Eigendynamik, die dessen Worte entfaltet haben." So der Artikel:

Stimmt nicht! Obama ist getrieben von seiner eigenen leichtfertigen Äüßerung über "die rote Linie", die von Syrien übertreten sein sollte. Damit hat er ohne Not Alternativen wie diese diplomatische Initiative aus der Hand gegeben. Die Frage ist nur, war er so unbedacht oder wollte er den Krieg wie W. Bush? Will er als W.Bush-Obama in die Geschichte eingehen?

Account gelöscht!

11.09.2013, 12:32 Uhr

Man kann nur den Kopf schütteln über solche naiven Kommentare, die sich nicht mit der Realität auseinandersetzen wollen, sondern einfach die Vorgaben aus Washington für bare Münze nehmen und wie selbstverständlich davon ausgehen daß:

1. die USA prinzipiell die Guten sind und ein Recht auf Weltpolizistenrolle haben (obwohl sie eher einer Räuberbande gleichen), dh. nach Belieben jeden zum Schurken erklären und zusammenschlagen dürfen. Und zugleich auch die Weltrichter- und Henkerrolle beanspruchen, denn die Weltgemeinschaft in Form der UNO zu fragen ist absolut unnötig!

2. Wenn die USA etwas sagt (Assad hat Giftgas versprühen lassen) dann stimmt es und Beweise sind völlig unnötig, um mit den Bomben loszulegen. Daß die Hinweise sich mehren, daß es die andere Seite, die "Rebellen" waren, wird geflissentlich ignoriert, genauso wie die Frage nach dem "cui bono" dieser Vorfälle (das ist nicht der erste seiner Art)

3. Daß Al-Kaida plötzlich die Guten sind, für die man die Luftwaffe spielen muß. Deren dokumentierte Massaker in Syrien werden ignoiert.

4. daß es sich um einen "Bürgerkrieg" handele und nicht um einen verdeckten Angriffskrieg mit hauptsächlich "islamistischen" Söldnern, die teilweise aus aller Welt herangekarrt wurden (unter anderen die "Schlachtenbummler" aus Libyen) - und die von ausländischen Mächten kontrolliert und finanziert werden. Insbesondere die Saudis haben dies gestanden! Auch WENN DIE SYSTEMPRESSE DAS VERSCHWEIGT!!!!

Solange wir solche Kommentare zu lesen bekommen und solange die Systempresse sich als Propaganda-Instrument sieht und sich nicht bemüßigt fühlt, die Wahrheit zu schreiben, SOLANGE WERDEN DIESE GREUEL IN ALLER WELT WEITERGEHEN!

Die wahren Schuldigen der Massaker, Giftgas und Konventionell, sitzen in Washington, Riad und Katar!

Und um Menschenrechte, Demokratie,.... und geht es diesen Leute nicht! Das sind nur Sprechblasen - das moralische Mäntelchen - für diese Politiker und JOURNALISTEN - um die wahren Ziele damit zu verdecken

Account gelöscht!

11.09.2013, 12:36 Uhr

Die USA und ihre verbündeteten Feudalherren in Saudiarabien und Katar (Musterdemokraten und Menschenrechtsfans) WOLLEN KRIEG und damit das Assad-Regime durch von ihnen finanzierte Al-Kaida-Islamisten verdrängen.

Al-Kaida!!!! - welche Ironie: "either you are with us (gegen Al-Kaida), or you are against us!" -> Obama ist against US!

Was will die USA mit Syrien

1. ein Regime beseitigen, das der letzte Verbündete Rußlands im Mittelmeer bzw. der Gesamtregion ist. General Wesley Clark hat die Angriffspläne der USA in Bezug auf 7 arabische Staaten schon 2007 ins Netz gebracht. Stichwort "Arabischer Frühling".

2. Gas: im östlichen Mittelmeer gibt es rießige Gasfelder, Israel fördert schon. Wichtiger aber ist das superrießige Gasfeld, das vor Katar (und Iran) gefunden wurde (Katar ist ein Verbündeter der USA, dort ist die US-Flotte im Golf stationiert) und das bringt Katar und Saudiarabien ins Spiel: Gaspipeline durch Syrien, dann via Türkei nach EUropa. Das ist wohl auch ein Hauptgrund, warum die Türkei hier so kriegsgeil ist.

3. Letztendlich betrifft all das die Kontrolle der Gasversorgung Europas. Mit dem billigen Gas aus Katar (und Mittelmeer) bekommt Gazprom nicht nur Konkurrenz in Europa, sondern wird sogar über den Preis verdrängt und die russische Wirtschaft, die sehr von den Gaslieferungen abhängt, ruiniert.

4. Im ganz großen Plan, geht es darum Rußland und China, die letzten großen Gegner, "einzukreisen" und in die Knie zu zwingen. Rußland, indem man es - siehe oben - wirtschaftlich ruiniert, China, indem man es von den Rohstoffen abschneidet (das war genau die gleiche Methode, die im 2. Weltkrieg zu Pearl Harbour geführt hat): die Anglo-Eliten (oder internationale Geldmafia), vielleicht mittlerweile auch nur die US-Geldelite, will die Weltherrschaft erreichen. Deshalb gibt die USA auch ca. genauso viel Geld fürs Militär aus, wie der Rest der Welt zusammen (und zwar der Rest der Welt, einschließlich ihrer Verbündeten): das ist nicht defensiv gedacht!

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