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19.01.2012

15:06 Uhr

Kommentar

Republikaner zweifeln an der Marktwirtschaft

VonMarkus Ziener

Romney präsentiert sich als erfolgreicher Unternehmer. Doch in Zeiten von Finanzkrise und Occupy Wall Street kommt das bei vielen nicht gut an. Auch nicht bei der Rechten, die mit Romney und dem freien Markt abrechnet.

Mitt Romney, republikanischer Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur, muss sich gegen Attacken aus dem gesamten politischen Spektrum wehren. Reuters

Mitt Romney, republikanischer Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur, muss sich gegen Attacken aus dem gesamten politischen Spektrum wehren.

WashingtonAmerika, das Land des schier grenzenlosen Optimismus, steht vor der nächsten Sinnkrise. Nach der Bail-out-Krise und der Tea-Party-Krise werden die USA nun von der Moralkrise erschüttert. Das Bizarre ist: Ausgerechnet ein konservativer Politiker stürzt das Land in eine Debatte darüber, ob es im Kapitalismus Grenzen geben soll oder ob doch eigentlich alles erlaubt ist. Oder anders gesagt: Ob ein ehemaliger Private-Equity-Manager wie Mitt Romney über den richtigen moralischen Kompass verfügt, Präsident der USA zu werden.

Und mindestens genauso merkwürdig ist, dass die Kritik an Romney nicht von links, sondern von rechts kommt. Es sind Politiker wie Newt Gingrich, der selbst nach der Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat strebt, die Romneys Integrität infrage stellen. Der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Gingrich, nennt Romney einen Plünderer, der sich auf dem Rücken von Arbeitnehmern bereichert habe. Und der texanische Gouverneur Rick Perry, der am Donnerstag seine Kampagne abbrach, sprach zuvor gar von „Geier-Kapitalismus“, den Romney als Chef der Firma Bain Capital betrieben habe.

Richtig ist, dass Mitt Romney als Manager von Bain Capital zwischen 1984 und 1999 ein Privatvermögen angehäuft hat, das heute auf rund eine Viertelmilliarde Dollar veranschlagt wird. Bain Capital investierte in Firmen, erhöhte deren Rentabilität und verkaufte sie wieder mit hohem Profit. Dabei wurden zum Teil Tausende von Arbeitnehmern entlassen, zahlreiche Unternehmen gingen pleite, und Romneys Firma nutzte weidlich niedrige Steuersätze aus.

Aber: Viele andere Unternehmen waren nach der Restrukturierung stärker als zuvor – und stellten auch wieder Mitarbeiter ein. Mitt Romney nennt dieses Verfahren kreative Zerstörung. Und er sagt, dass dies ein Wesenselement des Kapitalismus sei. Eine Methode, die das System am Ende besser, weil wettbewerbsfähiger mache.

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Das mag sein. Aber richtig ist auch: Die sozialen Kosten dieses Verfahrens sind hoch. So hoch, dass sie selbst im Mutterland des Kapitalismus zu dessen Diskreditierung mit beigetragen haben. Wo immer Romney auftritt, sieht er sich deshalb mit Vertretern der Occupy-Bewegung konfrontiert. Die rufen ihm zu, sie seien die 99 Prozent. Er, Romney, dagegen gehöre zu jenem einem Prozent der amerikanischen Bevölkerung, das nach Berechnungen des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz 40 Prozent des Vermögens in den USA kontrolliert.

Kommentare (2)

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19.01.2012, 15:29 Uhr

In der heißen Phase steht der Frontrunner im Feuer und behält kein gutes Haar. Danke für dieses schöne Sprachbild!

Account gelöscht!

19.01.2012, 16:27 Uhr

So wie es jetzt steht-läuft es auf Obama gegen Romney.Ich denke am Ende wird Obama gewinnen aber ganz knapp mit 2 oder 3 Bundestatten,wie Bush gegen Kerry in 2004.Es kann aber noch enger werden wie beim Al Gore und Bush in 2000.

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