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19.07.2011

10:41 Uhr

Kommentar

Schluss mit den taktischen Spielchen der Politik

Oft genug hat Bundeskanzlerin Merkel Probleme erfolgreich ausgesessen. Doch ihre Unentschlossenheit in der Frage einer Umschuldung Griechenlands ist ein gefährlicher Sprengsatz für die Märkte.

Florian Kolf, stellv. Chefredakteur Handelsblatt Online Quelle: Pablo Castagnola

Florian Kolf, stellv. Chefredakteur Handelsblatt Online

Griechenland taumelt dem Abgrund entgegen, die europäische Schuldenkrise verschärft sich von Tag zu Tag, doch die Öffentlichkeit steht vor einer verwirrenden Kakophonie der Vorschläge. Sie reichen von der kompletten Ablehnung eines Schuldenerlasses bis zu radikalen Schuldenschnitten, von weiteren milliardenschweren Rettungspaketen bis zu einem Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone.

Was fehlt, ist politische Führung. Wie sehr ausgerechnet die deutsche Regierung in dieser zentralen Frage laviert, zeigte das jüngste Fernseh-Interview von Angela Merkel. Auf die Frage nach einer Umschuldung Griechenlands sagte sie ausweichend: „Ich arbeite nicht darauf hin.“ Daraus machte die eine Hälfte der Tageszeitungen am nächsten Tag die Zeile: „Merkel schließt Umschuldung nicht mehr grundsätzlich aus“ und die andere Hälfte titelte: „Merkel widerspricht Forderung nach Umschuldung.“

Dabei geht es bei einer Umschuldung Griechenlands gar nicht mehr um die Frage des ob, sondern nur noch um das wie. Dass Griechenland niemals in der Lage sein wird, seine horrenden Schulden zu bezahlen, ist unter Ökonomen weitgehend unstrittig. Zweistellige Renditen für Staatsanleihen sprechen eine klare Sprache. Dass Privatisierung von Staatsbetrieben und eisernes Sparen die Griechen wieder in die Lage versetzen könnte, ihren Schuldendienst ohne fremde Hilfe zu leisten, ist ein Wunschtraum, der durch verantwortungslose Äußerungen von Politikern am Leben gehalten wird.

Mit Folgen: Eine Mehrheit der Bevölkerung verschließt die Augen vor den Notwendigkeiten. Nach einer aktuellen Emnid-Umfrage sprechen sich 60 Prozent der Befragten gegen eine Teilentschuldung Griechenlands aus.

Kommentare (6)

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Moika

19.07.2011, 11:46 Uhr

Klartext vom Feinsten! Ein ausgezeichneter Kommentar, Herr Kolf, indem alles Wichtige zur Sache benannt ist. Hätte glatt von mir sein können...

blabla

19.07.2011, 11:51 Uhr

Zitat:"Dann ist das historische Projekt Währungsunion insgesamt in Gefahr." besser: historische Fehlkonstrukt.
Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Wer's nicht glaubt, sollte die Zahlen eines HB-Redakteurs sich ansehen:
https://spreadsheets.google.com/spreadsheet/pub?hl=de&hl=de&key=0AuEtgCUuVBDUdFlwcHN2eFFqcHhHekJDWm1NN200Wmc&single=true&gid=0&output=html

Account gelöscht!

19.07.2011, 13:00 Uhr

Richtig. Madame befindet sich noch im Wiedervereinigungstaumel. Sie regiert mit Ihrem Kabinett die Minderheiten und zeigt nicht den Weg nach vorn. Kohl, selbst Schröder ("Basta") hätte jetzt gesagt, wo es langgeht.

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