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06.09.2011

11:09 Uhr

Kommentar

Schweizerische Nationalbank wirft ihre Fesseln ab

VonNorbert Häring

Mit der Kopplung des Franken an den Euro macht die Schweizer Notenbank einen drastischen Schritt. Aber er ist gerechtfertig - und wird auch funktionieren.

Schweizer Franken-Scheine. Imago

Schweizer Franken-Scheine.

FrankfurtDer  Leidensdruck für die Schweizer Wirtschaft ist so groß geworden, dass die Notenbanker ihre Fesseln abwerfen, die sie sich mit Rücksicht auf eine fehlgeleitete öffentliche Meinung bisher auferlegt hatten. Die Schweizerische Nationalbank hat angekündigt, keinen Wechselkurs zum Euro von weniger als 1,20 Franken je Euro mehr zu tolerieren. Um das durchzusetzen, will sie in unbegrenzter Höhe Euro kaufen.

Bankvolkswirte werden wahrscheinlich wieder sagen, das könne nicht funktionieren. Sie hatten sich mit Begeisterung auf das Scheitern der zögerlichen Devisenmarktinterventionen von 2010 gestürzt und behauptet, das hätte der Notenbank hohe Verluste eingebracht.

Das ist Unsinn. Verluste hat die Notenbank eingefahren, weil der Franken so stark aufgewertet hat und die in Fremdwährung gehaltenen Devisenreserven abgewertet haben. Das hat erst einmal nichts mit den Interventionen zu tun. Es gibt jedoch nichts, was die Notenbank zwingen würde, so zögerlich zu bleiben wie beim letzten Mal. Sie kann die Franken selber drucken, in ungegrenzter Menge, mit denen sie Wertpapiere kauft, die in Euro denominiert sind. Sie bekommt damit umsonst Wertpapiere, die Zinsen abwerfen, wenn auch bescheidene. Wenn diese Wertpapiere dann später einmal an Wert verlieren sollten, wird nur ihr Gewinn aus dem Drucken zusätzlicher Franken kleiner.

Norbert Häring ist Redakteur beim Handelsblatt in Frankfurt. Pablo Castagnola

Norbert Häring ist Redakteur beim Handelsblatt in Frankfurt.

Wenn man etwas umsonst bekommt, ist es schwer, damit einen Verlust zu machen. Wer das behauptet, versteht die Bilanz einer Notenbank nicht richtig. Wenn dann noch der Franken abwertet, weil die Notenbank all denen, die ihr Geld in der Schweiz anlegen wollen, so viel frisches Schweizer Geld gibt wie sie wollen, dann ist nicht nur der Schweizer Wirtschaft viel geholfen, sondern auch die Währungsreserven der Notenbank werden wertvoller. Dann verschwinden die Verluste der Notenbank ebenso schnell wieder wie sie gekommen sind.

Die Finanzmärkte verstehen das. Sie wissen, dass eine entschlossene Notenbank den Wechselkurs der eigenen Währung so weit nach unten drücken kann, wie sie will. Deshalb hat schon die Ankündigung der Notenbank gereicht, den Franken um fast neun Prozent zu schwächen und unter das erklärte Kursziel zu drücken.

Kommentare (8)

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joly

06.09.2011, 12:07 Uhr

Klasse, toll... und was passiert dann mit den Billionen Franken, wenn die Ausländer diese wieder an die Schweiz zurückgeben?

VIELSPASSmitEUROBONDS

06.09.2011, 12:08 Uhr

Wann wirft die EUROZONE (EZB) ihre Fesseln (Griechenland) ab?
oder zieht sie sich die Schlinge nur weiter enger um den eigenen Hals (EUROBONDS)?

taubenichts

06.09.2011, 12:30 Uhr

Gratuliere Herr Häring - damit beschreiben Sie ja quasi das finanzpolitsche perpetuum mobile.
Einfach unbegrenzt Geld drucken, damit europäische Staatsanleihen kaufen, den Wechselkurs schön stabil halten und sich auch noch an den regelmäßigen Zinszahlungen erfreuen!
Das Ende vom Lied wird aber ein anderes, gänzlich in Moll komponiertes sein:
Die Schweiz begeht damit nämlich den gleichen tödlichen Fehler wie die Geldvermehrer in Frankfurt (EZB) und Washington - sie inflationiert ihren einstmals so stolzen Franken auf unverantwortliche Weise.
Dann kommen die Tage, an denen Dollar und Euro über den Jordan gehen und schwupps... übrig bleiben Billionen an wertlosen Staatsanleihen, ein zur Weichwährung verkommener Schweizer Franken und ein MASSIV reduziertes Volksvermögen unserer eidgenössischen Nachbarn!

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