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27.04.2012

10:23 Uhr

Kommentar

Spanien braucht Zeit

VonJan Mallien

Seit die spanische Regierung ihre Sparziele für dieses Jahr aufgekündigt hat, sind die Märkte verunsichert. Dabei ist ihre Einhaltung gar nicht so wichtig. Viel entscheidender ist die langfristige Perspektive.

Die Spanische Flagge weht über der Plaza de Cibeles in Madrid. dapd

Die Spanische Flagge weht über der Plaza de Cibeles in Madrid.

Die Herabstufung von Spanien durch die Ratingagentur Standard & Poor’s kommt nicht überraschend. Seit Wochen prägt die Sorge um Spanien die internationalen Finanzmärkte. Auslöser für die Verunsicherung war die Ankündigung der spanischen Regierung, dass sie die mit der EU vereinbarten Sparziele für 2012 nicht einhalten kann. Dies werten viele Beobachter als Zeichen für mangelnden Reformwillen Spanien..

Damit aber liegen sie falsch. Spaniens Regierung ist mit ihrer Wirtschaftspolitik grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Sie braucht aber Zeit, bis sich die Effekte ihrer Strategie zeigen.

Das liegt daran, dass Spanien noch immer die Lasten eines beispiellosen Immobilienboom zu tragen hat. Die Immobilienpreise kannten bis zur Lehmann Pleite nur eine Richtung: Nach oben. Die Spanier bauten immer mehr neue Häuser und verschuldeten sich dafür. Das gab der Wirtschaft kräftig Schwung und führte dazu, dass Spanien lange Zeit Musterschüler bei der Einhaltung der Defizitkriterien des Maastrichter-Vertrags war. Dann kam die Finanzkrise und machte alles zunichte. Nach dem Platzen der Immobilienblase ist nun nicht nur der Staat hoch verschuldet sondern auch der Privatsektor. Wenn sich jetzt beide zur gleichen Zeit entschulden wollen, trifft das die Wirtschaft besonders hart.

Handelsblatt: Jan Mallien

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Interner AutorJan Mallien

Jan Mallien ist geldpolitischer Korrespondent in Frankfurt.

Außerdem setzt die spanische Regierung nicht so stark auf kurzfristige Einsparungen, sondern auf langfristige Strukturreformen. Zwar will sie allein in diesem Jahr 27 Milliarden Euro einsparen, doch ob sie das schafft ist unklar. Es ist aber auch nicht entscheidend.

Viel wichtiger ist die bereits verabschiedete Reform des Arbeitsmarktes. Sie sieht niedrigere Abfindungszahlungen bei Kündigungen vor und soll es Unternehmen leichter ermöglichen, von vereinbarten Tariflöhnen abzuweichen. Damit setzt die Regierung beim größten Problem an: Der hohen Arbeitslosigkeit. Bei der Jugendarbeitslosigkeit ist Spanien in Europa mit fast 50 Prozent Spitzenreiter.

Aus Sicht von Experten liegt das vor allem am rigiden Kündigungsschutz. Er sorgt dafür, dass Unternehmen mit Neueinstellungen extrem zögerlich sind. Durch die nun angestoßenen Reformen soll sich das ändern. Bis sich aber die Effekte der Reform zeigen, können viele Jahre vergehen. Auch die inzwischen hoch gelobten Agenda-Reformen in Deutschland führten zunächst zu einer steigenden Arbeitslosigkeit. Auf lange Sicht aber hat Deutschland von ihnen profitiert. Auch Spanien wird von seinen Arbeitsmarktreformen profitieren.

Mit Sparplänen verhält es sich ähnlich wie mit Diätplänen. Der schnellste Weg um seine Pfunde zu verlieren ist einfach: Man isst nichts mehr. Doch lange lässt sich diese Strategie nicht durchhalten. Fängt man wieder an zu essen, droht der so genannte JoJo-Effekt - und das Körpergewicht legt wieder kräftig zu. Deshalb halten es Diätexperten für effektiver, mehr Sport zu treiben. Mit wirtschaftlichen Strukturreformen ist es genauso: Sie wirken langfristiger. Deshalb ist Spanien auf dem richtigen Weg.

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