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19.04.2011

10:31 Uhr

Kommentar

S&P-Warnung ist ein Weckruf zur rechten Zeit

VonTorsten Riecke

Erstmals seit 70 Jahren steht die Kreditwürdigkeit der USA auf dem Spiel. Spätestens jetzt müsste klar sein, dass sich ein Abbau der enormen Schulden nicht länger aufschieben lässt.

Barack Obama. Quelle: Reuters

Barack Obama.

Nichts, was die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) über die Finanzmisere der USA konstatiert hat, ist wirklich neu. Und doch hat der Weckruf der Kreditwächter die gesamte Finanzwelt aufgeschreckt. Erstmals seit 70 Jahren steht die Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft der Welt auf dem Spiel. Das reicht, um Aktien- und Devisenkurse in die Knie gehen zu lassen.

Ein Absturz des Dollars, Anleger, die aus US-Staatsanleihen fliehen und stark steigende Zinsen - das ist das Schreckensszenario, vor dem sich die Finanzwelt fürchtet. Noch ist es jedoch nicht so weit. Im Gegenteil. Die Warnung von S&P könnte durchaus ein heilsamer Schock sein.

Spätestens jetzt müsste jedem Kongressabgeordneten in den USA klar sein, dass sich ein Abbau der enormen Schulden nicht länger aufschieben lässt. Weder durch weitere Konjunkturhilfen noch durch taktische Spielchen, um den politischen Gegner alt aussehen zu lassen. Demokraten und Republikaner versuchen sich zwar mit Sparzielen gegenseitig zu übertreffen - aber nur verbal. Beiden Seiten fehlt bislang die Ernsthaftigkeit, die Haushaltssanierung wirklich anzugehen. Der Kampf um das Weiße Haus im kommenden Jahr wirft seine Schatten voraus und verhinderte bislang eine überparteiliche Kraftanstrengung.

Torsten Riecke ist stellvertretender Leiter des Ressorts Meinung und Analyse beim Handelsblatt. Quelle: Pablo Castagnola

Torsten Riecke ist stellvertretender Leiter des Ressorts Meinung und Analyse beim Handelsblatt.

Dabei gibt es bereits einen Plan. Die Sparvorschläge der von Präsident Obama eingesetzten Haushaltskommission (Bowles-Simpson) liegen seit Ende vergangenen Jahres auf dem Tisch. Sie basieren auf einem glaubwürdigen Fahrplan, um die Schuldenquote der USA von derzeit etwa 70 Prozent wieder auf unter 40 Prozent zu drücken.

Um das zu erreichen, bleibt fast kein Teil der amerikanischen Gesellschaft ungeschoren. Sozialausgaben und Subventionen müssen reduziert, Steuervergünstigungen gestrichen werden. Die Abgaben auch auf Benzin müssen steigen. Die Gesundheitskosten müssen runter, das Rentenalter muss rauf. Diese Rosskur ähnelt durchaus den harten Sparrezepten, die man den europäischen Schuldenstaaten verschrieben hat. Und auch das ist kein Zufall.

Schafft Amerika jetzt nicht die Wende, könnte das Land sich in ein paar Jahren am Pranger der Finanzmärkte wiederfinden. Daran hat jedoch niemand ein Interesse. Auch wir nicht, die wir vom Dollar als weltweite Reservewährung und der hohen Liquidität der amerikanischen Kapitalmärkte profitieren. Die Warnung von S&P ist ein Aufruf zum Handeln.

Kommentare (2)

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EckhardStephan

19.04.2011, 11:56 Uhr

Gut gemeint, Herr Ricke. Aber so wird es net funktionieren. Übrigens auch in Europa nicht! Sie und ich wissen genau, diesen ungeheueren Schulden, entstanden durch kriminelle Energien bei der Gewinnmaximierung, des abendländischen Kapitalismus kommen wir mit den praktizierten und ausgedachten Sparprogrammen der tradierten politischen Eliten nicht mehr bei. Zweifeln Sie nicht den Moment daran, dass die wachsenden Unzufriedenheiten von Teilen der Bevölkerung in den betroffenen Ländern einerseits und das Erstarken extremer politischer Strömungen (Stichwort: Front National, Wahre Finnen) andererseits, periphere Phänomene bleiben werden. Ganz abgesehen davon, wie kapitalistische Marktwirtschaft weiterhin funktionieren soll, wenn dem Konsum die Mittel sukzessive entzogen werden. Die "Reichen" werden's mit ihrer Kaufkraft net kompensieren können. Wenn zu dieser derzeitigen politischen Ohnmacht der Eliten noch die Tatsache hinzukommt, dass von den märchenhaften Gewinnen der großen Unternehmungen in den aufstrebenden Märkten den heimischen Belegschaften nur die Brosamen verordnet werden, dann ist es um den tradierten abendländischen Kapitalismus alles andere als gut bestellt.

Account gelöscht!

19.04.2011, 12:01 Uhr

Na meinen lieben Amerikaner,
solangsam kriegt man euch dahin, wo man euch haben will.

Entweder mich ein Stück reicher machen oder den Dollar dem totalen Abschuß preis geben.

Weiter so !!!

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