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08.11.2011

12:33 Uhr

Kommentar

USA und Israel drohen Iran - aber bombardieren nicht

VonJosef Joffe

Hinter den Spekulationen um einen Iran-Angriff stecken gezielte Drohgebärden von Israel und Amerika. Die Verbündeten wissen um die hohen Risiken eines Kriegs. Eher dürften sie schärfere Sanktionen im Blick haben.

Angst vor Irans Atomprogramm

Video: Angst vor Irans Atomprogramm

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Alle Jahre wieder lärmen die Medien: „Krieg in Sicht.“ Gemeint ist ein Angriff Israels und/oder Amerikas auf die iranischen Anlagen zur Atomrüstung. Was ist dann neu am jüngsten Alarm?

Erstens der Bericht der Atomenergiebehörde IAEA in dieser Woche, der vorsichtig die Existenz eines Bombenprogramms bestätigt, im krassen Gegensatz zum berüchtigten Report der US-Dienste (NIE) vor genau drei Jahren. CIA und Co. hatten damals behauptet, Iran hätte den Bombenbau 2003 gestoppt. Die Uno-Behörde glaubt, dass Iran zügig an den Komponenten arbeitet, etwa an konventionellen Sprengstoffen, die die Kettenreaktion auslösen, an hochpräzisen Zündern für diese Explosion und am Sprengkopf-Design. Was man außer Uran so braucht.

Irans umstrittene Atomanlagen

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird schwach angereichertes Uran produziert. Es wird für die Stromgewinnung, aber in hoch angereicherter Form auch für Atomwaffen benötigt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran auf 80 Prozent und mehr angereichert werden.

Ghom

2009 gab Teheran die Existenz einer weiteren, lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu, die noch nicht in Betrieb ist. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe der Schiiten-Hochburg Ghom bietet Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Buschehr

Nach der islamischen Revolution von 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Projekt zurück. Später stiegen die Russen in Buschehr ein. In den beiden Atomreaktoren im Südwesten des Landes wurden im Oktober 2010 die ersten aus Russland gelieferten Brennelemente geladen - 35 Jahre nach Baubeginn. Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Kernforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird südlich von Teheran hergestellt.

Arak

Den USA ist seit 2002 die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes bekannt. Hier fällt Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Zweite Nachricht: Die israelische Luftwaffe (IAF) hat gerade über Sardinien ein Manöver mit der italienischen beendet für das Auftanken über eine große Distanz. Das Terrain, so die Einflüsterer, gleiche dem iranischen

Drittens berichtet der britische „Guardian“, die britischen Streitkräfte bereiteten sich auf einen US-geführten Angriff vor, um auf See und in der Luft zu helfen.

Viertens hat Israels Heimatschutz letzte Woche überraschend eine Alarmübung in Tel Aviv durchgezogen, die einen Raketenangriff simulierte.

Fünftens meldet ein hochgestellter US-Militar, anonym versteht sich, dass Washington „absolut besorgt“ über einen möglichen israelischen Angriff sei. Auf Englisch nennt man das „am Gitter rütteln“, auf Deutsch Säbelrasseln. Die Wirklichkeit aber ist so neu nicht. Ganz knapp lautet sie: Israel will, kann aber nicht; Amerika kann, will aber nicht.

Wenn da nicht Meldung Nummer sechs wäre, wonach die Regierung Obama laut „Newsweek“ 55 Bomben vom Typ „Bunkerbrecher“ an Israel geliefert habe. Diese Betonknacker hatte Bush 2007 noch verweigert. Mächtig genug, um 30 Meter Erde oder sechs Meter Beton zu durchschlagen, sind sie handlich genug für die taktischen Flugzeuge der IAF, die F-15 und F-16. Die letzten zehn Kilometer fliegt das Zwei-Tonnen-Ding allein, der Pilot kann der dichten Flugabwehr am Ziel entgehen.

Kommentare (2)

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HeinzGeyer

08.11.2011, 13:40 Uhr

Doch schon fast amuesant wie sich zwei Atommaechte auffuehrten wenn ihr Monopol in Gefahr ist, und noch dazu hat eine Macht voellig unnoetig von Atombomben Gebrauch gemacht statt sich einem fairen Kampf zu stellen.

Account gelöscht!

08.11.2011, 14:26 Uhr

Kritisch wird es, wenn Religionsführer Chamenei befiehlt, was er bisher peinlichst vermieden hat: Her mit der Bombe, jetzt!
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Und genau darum geht es ,
fundamentalistisch / fanatische Religionsführer , wie berechenbar sind diese ?

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