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18.11.2011

11:08 Uhr

Kommentar

Warum sich Briten und Deutsche nicht verstehen

VonMatthias Thibaut

Auch wenn die Briten nicht in der Euro-Zone sind, steht für das Land mit der Eurokrise viel auf dem Spiel. Aber auch Deutschland könnte bei einer wachsenden Distanzierung Großbritanniens vom Kontinent verlieren.

David Cameron (r.) fordert, dass sich die 17 Euro-Zonen-Länder enger zusammenschließen dpa

David Cameron (r.) fordert, dass sich die 17 Euro-Zonen-Länder enger zusammenschließen

LondonSo weit man zurückdenken kann, wollten Engländer verhindern, dass auf dem Kontinent ein Machtblock gegen sie entsteht. Genau das fürchten sie nun mit der Konsolidierung der Euro-Zone im Zeichen der Krise. Die Debatte zwischen Briten und Deutschen, aber auch zwischen Briten und Frankreich wird hitziger.

In britischen Ohren klangen die Worte von Volker Kauder wie ein Wehrmachtsbefehl. "Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen - nicht in der Sprache, aber in der Akzeptanz der Instrumente, für die Angela Merkel so lange und dann erfolgreich gekämpft hat," hatte der Unionsfraktionschef beim CDU-Parteitag gewettert. Zuvor hatte schon Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit seinem „Mund halten“-Zitat in Richtung Cameron die Richtung gewiesen.

Der Eindruck in London: Europa wird jetzt in Berlin gemacht, es wird monolithischer und die britische Politik wechselnder Allianzen damit schwerer. Sarkozy klammert sich an die Bundeskanzlerin, um noch Einfluss vorzutäuschen. Merkel spielt mit, um den Eindruck deutscher Dominanz abzuschwächen.

Der britische Premier fordert, dass sich die 17 Euro-Zonen-Länder enger zusammenschließen, um das Schlimmste zu verhüten. Gleichzeitig fürchtet er nichts mehr als den neuen Block, der Europa endgültig in „ins“ und „outs“ spaltet. Großbritannien könnte die Wortführerschaft bei den „outs“ übernehmen, aber die Dynamik wird sich zugunsten der Euro-Zone verändern. Auch die EU-Kommission als Schutzpatron des Binnenmarkts wird Einfluss verlieren.

Der Streit über die Finanztransaktionssteuer führt den Briten die drohende Ohnmacht vor. Sollte Cameron ein Veto einlegen, wollen die 17 allein handeln, ohne Rücksicht auf die Vormachtstellung der City, der Briten wichtigstes Gut. Kauder beschwört europäische Solidarität, Briten sehen eine „Kugel ins Herz Londons“ und das Interesse der Euro-Zone, ihre Kassen zu füllen.

Britische Europaskeptiker fordern ein Austrittsreferendum, auch Labour ist in die skeptische Mitte der Nation gerückt und spricht von Neugewichtung der Kompetenzen, nicht einmal die Liberaldemokraten wagen noch, vom Euro-Beitritt zu sprechen. Europa droht nicht in zwei Blöcke unterschiedlicher Geschwindigkeiten zu zerfallen, „es geht in ganz unterschiedliche Richtungen“, warnt Ex-EU-Kommissar Peter Mandelson.

Kommentare (17)

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18.11.2011, 12:07 Uhr

als Brite der immerhin über vierzig Jahren in Deutschland gelebt hat, bin ich auf Einman sher, aber sehr, nachdenklich geworden. Wenn die Aussage von Kauder aus einer anderent Richtung gekommen wäre, hätte ich gedacht 'sie wissen es nicht besser' Kauder ist immerhin ein Representant einer Verantwortungsvollen Partei und als solche, hat einen Fehler begangen. David Cameron ist mit Sicherheit derjenige, der die Sorgen und Ängste einigen Ländern zum Ausdruck vortragen möchte. Deutschland hat Geld und davon reichlich. Sei vorsichtig, Geld ist nicht das Alpha und Omega hat aber die Eigenschaft, den Charakter zu verderben. In Verbindung mit dem heimischen Terromismus und vorallem mit seinen Würzeln, werden einige Leute sehr hellhörig.

Gudrun

18.11.2011, 12:29 Uhr

Merkel ist nicht Deutschland und die Deutschen sind nicht Merkel! Wir bedauern hier nur, dass das englische Establishment den Sozialstaat so heruntergefahren hat und wollen das hier nicht haben. Wer seine Identität in einem elitären Unrechtsstaat erfahren hat, wie Merkel, kann normalerweise die Kanzlerrolle nicht spielen. Ich sehe mit bedauern, wie sie eine Abzockpolitik ohne Hirn und Verstand vertritt und sich nun für die "Vereinigten Staaten von Europa" einsetzt. So was wollen die allerwenigsten Europäer - warum sollen wir unsere Wurzeln aufgeben und zu einer trüben grauen Soße zusammengerührt werden? Am Ende führen die Vereinigten Staaten von Europa noch Kriege. Ich möchte so was nicht! Die Währungsunion sollte aufgelöst werden, auch, damit dieses weltweite Elend endlich aufhört!

Pierre

18.11.2011, 12:46 Uhr

Deutsch ist meine erste Fremdsprache gewesen. Als ein Judendlicher habe ich mehrere Aufenthalte in Berlin, im Schwartzwald oder in Bayern verbracht. Ich kann leider Deutschland nicht mehr verstehen. Ich bin kein Britter, aber ein Franzose. Liebe deutsche Freude, lesen Sie bitte die Zeitungen in Frankreich, in den Vereinigten Staaten oder selbst in Asien. Sie sind alle der Meinung, dass Deutschland Solidaritat annehmen muss. Die EU ist dank dieses Gemeinschaftgeistes hergestellt worden. Ohne es werden die 20er und 30er Jahren zuruckkommen.

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