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20.07.2011

08:43 Uhr

Kommentar

Wenn der Euro-Zone nur noch Plan C bleibt

VonFrank Wiebe

Nachdem der erste Plan für die Rettung Griechenlands nicht funktioniert hat, ist nun Plan B an der Reihe. Doch der birgt enorme wirtschaftliche Risiken. Wenn auch er nicht ans Laufen kommt, bleibt nur noch die bisher politisch undenkbare Auflösung der Währungsunion.

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Kolumnist. Quelle: Pablo Castagnola

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Kolumnist.

Plan A – Griechenland mit zusätzlichen Krediten retten und auf bessere Zeiten hoffen – ist schon gescheitert. Jetzt steuern wir auf Plan B zu. Er sieht ungefähr so aus: Die Euro-Zone dehnt ihre Haftung weit aus, Griechenland wird vorübergehend zahlungsunfähig und bekommt einen Teil seiner Schulden erlassen. Fast alle Vorschläge, die zurzeit an die Öffentlichkeit kommen – von der SPD bis zur Allianz –, gehen in diese Richtung. Ob die Haftung der Euro-Zone in Form von Euro-Bonds, Garantien für griechische Papiere, einer Art Versicherung oder einfach zusätzlichen Krediten ausfällt: die ökonomische Wirkung ist weitgehend identisch.

Ob ein Schuldenschnitt direkt oder über Umtausch- oder Rückkaufangebote läuft, ist ebenfalls zweitrangig. Entscheidend ist die Logik hinter diesen Konzepten: Die starken Euro-Länder übernehmen im Wesentlichen die Schuldenlast – aber dafür muss diese Last zunächst abgesenkt werden.

Es fragt sich aber, ob Plan B tatsächlich ans Laufen kommt. Wenn nicht, bleibt nur noch Plan C: die Auflösung der Währungsunion. Hin und wieder wird schon davon gesprochen, Griechenland aus der Euro-Zone zu „entlassen“, das heißt also, das Land hinauszudrängen, weil nur unter dieser Bedingung in den starken Ländern Hilfen noch politisch durchzusetzen sind. Aber wahrscheinlich würden unter dem Druck der Märkte bald andere Staaten ebenfalls wegbrechen, bis schließlich vom Euro nicht mehr viel übrig bliebe: Das wäre Plan C – wenn es dann überhaupt noch eine Art Plan gibt.

Noch gilt zwar eine Auflösung der Währungsunion als politisch undenkbar und ökonomisch höchst gefährlich. Nur: Beides trifft für alle Varianten von Plan B ebenfalls zu.

Die wirtschaftlichen Risiken sind bei Plan B enorm: Ein Schuldenschnitt in Griechenland dürfte sehr schnell dazu führen, dass andere Länder bis hin zu Italien sich nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren können. Wenn darauf weitere Schuldenschnitte folgen, braucht die Euro-Zone einen gigantischen Rettungsschirm, um die europäischen Banken aufzufangen und die Staaten zu finanzieren, die nicht mehr an den Kapitalmarkt können. Wird dieses Szenario entscheidend bedrohlicher, wenn es mit der Wiedereinführung von nationalen Währungen kombiniert wird? Ich glaube nicht.

Politisch gesehen, dürfte es in den starken Ländern wenig Unterstützung für Plan B geben, wenn sich erst herumgesprochen hat, wie viel zusätzlichen Einsatz an Mitteln er verlangt. Und vor allem: Welcher Abgeordnete kann mit gutem Gewissen das Geld der Steuerzahler auf unabsehbare Zeit verpfänden? Und das innerhalb einer Euro-Zone ohne funktionierende politische Führung?

Bei Plan C gäbe es dagegen zumindest die Hoffnung, dass die Euro-Zone irgendwann so weit entflochten ist, dass wieder jedes Land für sich selbst verantwortlich ist. Allein schon wegen dieser Hoffnung kann der Weg von B nach C kürzer sein, als viele vermuten.

Kommentare (12)

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Ondoron

20.07.2011, 11:26 Uhr

Plan C ist der beste! Endlich dieses wohlstandvernichtende, ideologisch verbrämte Währungsexperiment beenden. Endlich eine Situation herbeiführen, die Sicherheit verspricht.
Der Preis dafür sollte nicht verschwiegen werden: Eine Währungsreform auch in Deutschland mit dem Verlust des größten Teils des Vermögens der Bevölkerung.

bommel

20.07.2011, 11:44 Uhr

naja. plan c ist wohl etwas weit hergeholt und wird so nicht eintreten. die risiken, die bestehn wirklich auch mit den anderen plänen. nur im moment sind die doch eher planlos oder? irgendwann knalts heftigst, dann hilft auch keine währungsreform mehr.

Hanschen

20.07.2011, 12:00 Uhr

Vielen Dank, Herr Wiebe, Sie reihen sich ein in die Phalanx der - jedenfalls bisher - wenigen Autoren, welche den Mut haben, die wahrscheinlich beste Lösung (Plan C) anzusprechen.
Immerhin ein gutes Zeichen, andere werden Ihnen folgen.

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