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28.11.2014

14:44 Uhr

Kommentar zu Ferguson

Der Strippenzieher der Gewalt

VonAxel Postinett

Arrogant, überheblich, machtbewusst: Verblüffende Protokolle kratzen an der Glaubwürdigkeit des Chefermittlers in Ferguson. Robert McCulloch hat nichts getan, um die Situation zu beruhigen. Im Gegenteil.

Eine Demonstrantin in Ferguson: Die Gewalt ist auf die Straße zurückgekehrt. dpa

Eine Demonstrantin in Ferguson: Die Gewalt ist auf die Straße zurückgekehrt.

Los AngelesRobert McCulloch hat sich Zeit gelassen, Amerika ins Chaos zu stürzen. Gute drei Monate – so lange brauchte der Chefermittler des Counties St. Louis um die Ergebnisse einer Untersuchung zu präsentieren, die keine war. McCulloch hat eigentlich ein Geheimtribunal abgehalten im Fall Michael Brown, an dessen Ende ein Freispruch stand. Statt dessen hätte er die Grand Jury nur entscheiden lassen müssen, ob ein Gerichtsverfahren, und zwar öffentlich, überhaupt eröffnet werden sollte.

Alleine die Unklarheiten und Ungereimtheiten, die aus den jetzt veröffentlichten Protokollen hervorgehen, hätten ein solches Verfahren zwingend notwendig gemacht. Statt dessen wird „kein hinreichender Verdacht“ gesehen in einem Fall, in dem ein unbewaffneter farbiger Mann mit zwölf Schüssen aus größerer Entfernung von einem weißen Polizisten erschossen wurde.

McCulloch hat nichts getan, um die Situation zu beruhigen. Im Gegenteil. Mit aller Macht hat sich der Distriktanwalt gegen die Einsetzung eines Sonderermittlers in diesem brisanten Fall gewandt. Das hätte mit Sicherheit viel Spannung und Gewaltpotenzial abgebaut. Aber es hätte auch bedeutet, dass der Sohn aus einer Polizistenfamilie seinen Einfluss auf den Verlauf verloren hätte. Der Ausgang der Juryentscheidung wäre ungewisser denn je gewesen.

Er hat dem beschuldigten Polizisten, ungewöhnlich genug, stundenlang Zeit gegeben, seine Sicht darzustellen. Dafür sind das Gerichtsverfahren da und das Kreuzverhör, das ihm jetzt erspart bleiben wird.
Doch die Theaterinszenierung ist noch nicht zu Ende. McCulloch hat nicht etwa am helllichten Tag die Entscheidung verkündet, von der er wusste, dass sie die Nation aufwühlen wird wie in den 80ern der Fall Rodney King in Los Angeles.

Am Montagmittag gab es erste Hinweise, dass die Entscheidung kommen wird. Gefolgt von zahllosen Aufrufen von allen Seiten, Ruhe zu bewahren. Doch da kreisten schon die Nachrichtenhubschrauber der TV-Sender wie Geier über der Stadt.

Welchen Kanal man wählte: Überall bemühten sich aufgeregte Moderatoren Gänsehaut-Stimmung bei ihren Quotenbringern zu erzeugen: Es wird Live-Berichterstattung geben, also bleiben Sie dran! Es wurde Nachmittag und nichts geschah. Die Live-Kameras zeigten versprengte Grüppchen, nur vor dem Rathaus in Ferguson hatte sich eine größere Gruppe versammelt.

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Es musste acht Uhr abends werden, bevor ein arrogant und überheblich wirkender Chefermittler von seinem Podium herab die Mitteilung überbrachte: Es wird keine Anklage geben. Er nahm sich noch die Zeit, Social Media für die Stimmungsmache zu beschuldigen und die Medien insgesamt. Nicht nur Rechtsexperten auf großen Sendern wie CNN oder MSNBC zeigten sich irritiert über den Auftritt und das merkwürdige Verfahren.

Kommentare (2)

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Herr mathias müller

28.11.2014, 15:24 Uhr

Wie ich bereits schrieb:

Herr Obama wird am Nasenring vorgeführt, und unter einem
schwarzem Präsidenten - APARTHEID praktiziert.

Herr Pom Muc

28.11.2014, 16:13 Uhr

Die Strippenzieher der Gewalt sind solche verlogenen Journalisten die schreiben dass Brown mit 12 Schüssen erschossen wurde.

Diese Volksverhetzer die Lügnern wie dem kriminellen Begleiter Browns einem Millionenpublikum präsentieren selbst Monate nachdem bewiesen ist dass er lügt.


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