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01.10.2015

09:11 Uhr

Kommentar zu Russlands Eingreifen in Syrien

Fasst euch an die eigene Nase!

VonAndré Ballin

Kremlchef Putin trifft mit seinen Luftangriffen in Syrien weniger die Terrormiliz Islamischer Staat als vielmehr das Selbstwertgefühl der US-Regierung und ihrer Verbündeten. Denn der Westen kann die Krise nicht lösen.

Völlig zerstört: Die Stadt Homs in Syrien (Archivfoto) liegt in Trümmern - weil IS und die Truppen Assads dort kämpfen. Nun greift Putin in den Bürgerkrieg ein. ap

Homs

Völlig zerstört: Die Stadt Homs in Syrien (Archivfoto) liegt in Trümmern - weil IS und die Truppen Assads dort kämpfen. Nun greift Putin in den Bürgerkrieg ein.

Der Westen fühlt sich von Wladimir Putin düpiert. Erneut hat der Kremlchef offenbar ohne größere Absprache gehandelt, als er mit den Luftangriffen nahe Homs in Syrien begann. Getroffen wurde dabei laut Medienberichten weniger die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als vielmehr das Selbstwertgefühl der US-Regierung und ihrer Verbündeten.

Freilich müssen sich die Verantwortlichen in den USA und Europa fragen lassen, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Die Krise in Syrien eskaliert seit vier Jahren immer stärker, woran der Westen nicht unschuldig ist. Zuerst wurde die Opposition, auch die bewaffnete, unterstützt. Auf das Aufkommen des IS reagierten die USA und arabische Staaten mit vereinzelten Luftangriffen gegen die Dschihadisten. Doch zählbare Resultate gibt es nicht. Stattdessen erstarkt die Terrormiliz weiter.

Andre Ballin, Handelsblatt-Korrespondent in Moskau. privat

Andre Ballin

Andre Ballin, Handelsblatt-Korrespondent in Moskau.

Immer deutlicher wird: Der Westen kann die Krise nicht lösen. Wie er zuvor auch andere Krisen in der Region nicht lösen konnte; weder im Irak (wo es vor dem US-Einmarsch zwar einen Diktator, aber keine Krise gab), noch in Afghanistan, noch jüngst in Libyen. Das Eingreifen hat das Chaos eher noch verstärkt.

In Syrien hat man sich daher militärische Zurückhaltung auferlegt, versucht aber weiter am Stuhl des syrischen Machthabers Assad zu sägen. Dass Moskau nach der Erfahrung in Libyen – wo die russische Führung einer Flugverbotszone im Uno-Sicherheitsrat zugestimmt hat, um dann zu erleben, wie die Resolution zur Durchführung von Luftangriffen missbraucht wurde – nun nicht tatenlos zusehen wird, wie ihr Verbündeter in Damaskus vom Thron gestoßen wird, war zu erwarten. Als die massive russische Militärhilfe für Assad nicht ausreichte, folgte nun das direkte Eingreifen als nächster aus Moskauer Sicht logischer Schritt.

Die derzeitige Stärke Putins spiegelt also nur die Schwäche des Westens wider. Allerdings – und darin besteht die Crux für den Kreml – die Frage bleibt, ob Putin die Krise lösen kann. Allein mit Luftangriffen ist dies wohl kaum zu schaffen.

Kommentare (112)

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Herr Ragin Allraun

01.10.2015, 09:21 Uhr

BRAVO - PUTIN !

Ein Mann, ein Wort und kein Schwätzer. Er schafft Fakten und kein dümmliches Geschwafel.

Respekt

Herr Andreas Becker

01.10.2015, 09:25 Uhr

Zwei Fehler in einer kurzen Überschrift sind selbst für dieses Blatt ein Rekord...

Herr Wolfgang Winkler

01.10.2015, 09:27 Uhr

Wenn man die Lage des Westens betrachtet, so gewinnen viele den Eindruck, dass eine unheilige Allianz aus Teilen der Finanzwelt, der Geheimdienste und der Politik das Ruder übernommen haben und jetzt irreversibel gestrandet sind. Die Lösung des Problems liegt daher in der Ohnmacht der USA, die sich in selbst gestellten Fallen verfangen hat. Frau Merkel und Herr Obama haben sozusagen ihre Schiffe auf den gleichen Felsen auftragsgemäß (?) auflaufen lassen (irgendwer muss ja auch z.B. an der "Flüchtlingsflut" verdienen). Im günstigsten Fall kann man sagen, sie haben die Felsen vor lauter Nebel nicht gesehen.

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