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19.06.2015

17:38 Uhr

Kommentar zum Petersburger Wirtschaftsforum

Märchenstunde an der Newa

VonMathias Brüggmann

Sie verbreiten Wunschvorstellungen: In ihren Rede auf dem Peterburger Wirtschaftsforum klammern der russische Präsident Putin und der griechische Premier Tsipras die Realität völlig aus. Doch das stört die beiden nicht.

Besuch in Russland

Tsipras und Putin machen Pipeline-Deal

Besuch in Russland: Tsipras und Putin machen Pipeline-Deal

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Oh, wie schön ist Panama – so hat es der Kinderbuchautor Janosch aufgeschrieben. Streiche Panama und ersetze es durch Russland und Griechenland und schreibe statt Janosch dann Wladimir Putin und Alexis Tsipras. So lässt sich der Auftritt beider Politiker auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum zusammenfassen, als Märchenstunde fernab der Realität.

Für Tsipras etwa spielt Griechenland „die Rolle von Stabilität und Sicherheit“. Ausgerechnet sein Land sei „ein Knoten für Investitionen und Transport, ein Sprungbrett“. Und Präsident Putin spricht über Russland als dem Land von „Freiheit und Berechenbarkeit für Unternehmer“ – obwohl bis zuletzt weitreichende Verstaatlichungen stattgefunden haben sowie Verhaftungen von Unternehmern.

Beide Reden basieren auf weitgehender Realitätsverweigerung. So greift Tsipras, der gleich zu Beginn seiner Rede selbst danach fragt, „warum bin ich hier und nicht bei den Verhandlungen in Brüssel?“, die EU als alleinschuldig an: Die aktuelle Krise sei „nicht das Problem Griechenlands“, vielmehr müsse die EU „zurückfinden auf den Weg der deklarierten Werte: Solidarität, Fairness und soziale Gerechtigkeit“. Sein Land sei „in der Mitte des Taifuns“, so Griechenlands Premier, doch „wir haben keine Angst vor dem Sturm und dem Meer. Wir sind bereit in ein neues Meer zu segeln.“ Das hörte sich schon fast an wie eine Abschiedsrede auf den Euro.

„Die Sparmaßnahmen führen ins Nichts“, lehnte Tsipras erneut ein Einlenken seines Landes ab. „Wir sind nicht imstande, die alten Fehler weiter zu tragen. Wir brauchen eine neue Entscheidung“, verlangte Athens Regierungschef ein Einlenken der EU in der Euro-Grenze. Kompromissuche und das Wahrnehmen der Realität hört sich anders an.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

19.06.2015, 16:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Frau uta hoppisch

19.06.2015, 17:03 Uhr

diese russland hetze in den anderen medien geht mir auf die nuss.aber auch hier sind ebenfalls us zäpfchen am schreiben..märchenstunde sollte mal überdacht werden!

Herr Siegfried Filla

19.06.2015, 17:26 Uhr

Solidarität aus dem Munde von Tsipras ist reine Dialektik. Die EU ist mehr als solidarisch mit Griechenland und hat seit dem ertricksten EURO-Beitritt Griechenlands viel zu viele Zugeständnisse gemacht. Damit machen sich die EU-Kommission einschließlich der beteiligten Regierungschefs zunehmend unglaubwürdig. Griechenland ist eigentlich seit etwa fünf Jahren bankrott und wird künstlich ernährt. Griechenland ist eigenverantwortlich und haftet für die eingegangenen Verpflichtungen. Wenn es diese Verpflichtungen nicht erfüllen kann muß sich Griechenland für zahlungsunfähig erklären und in Eigenverantwortung einen Neuaufbau des Landes einleiten. Insofern wird der Begriff der Solidarität augenscheinlich von Herrn Tsipras benutzt, um von der Eigenverantwortung abzulenken und den europäischen Staaten eine moralische Alleinverantwortung zu unterstellen. Das ist ein Griff in die Trickkiste des Sozialismus aus einem vergangenen Jahrhundert.

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