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26.11.2014

19:50 Uhr

Kommentar zur Ferguson-Jury

Ungerecht – aber rechtens

VonNils Rüdel

In den USA weiten sich die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Auslöser ist der „Freispruch“ für einen weißen Beamten in Ferguson. Gerichtsdokumente zeigen, dass die Jury wohl nicht anders handeln konnte.

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DüsseldorfEs ist ungerecht, dass der weiße US-Polizist Darren Wilson nicht angeklagt wird. Er hat in Ferguson, Missouri, im Dienst den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown mit mehreren Schüssen getötet. Die Umstände des Falls sind umstritten – und hätten in einem Strafprozess weiter untersucht werden müssen. Die Grand Jury hat anders entscheiden und eine Anklage gar nicht erst zugelassen.

Es ist ungerecht. Aber rechtens. So groß und nachvollziehbar die Verzweiflung der Angehörigen Browns und die Wut der schwarzen Bevölkerung in Amerika sind, die sich im Moment landesweit ausbreitet – die Jury hat sich dabei an Recht und Gesetz gehalten. Die Faktenlage ließ den zwölf Bürgern in der Jury gemäß der veröffentlichen Protokolle offenbar keine andere Wahl.

Der Polizist Wilson behauptet, er habe an jenem 9. August um sein Leben fürchten müssen. Er habe Brown und dessen Begleiter ermahnt, nicht mitten auf der Straße zu laufen, und ihn kontrollieren wollen, weil die Beschreibung des Teenagers auf einen Diebstahl kurz zuvor gepasst habe. Daraufhin habe Brown den Polizisten durch das heruntergelassene Fenster des Dienstwagens attackiert.

Der kräftige Teenager habe ihn geschlagen und versucht, seine Waffe zu stehlen. Als Wilson Schüsse abgab, floh Brown, der Polizist hinterher. Auf die Aufforderung stehenzubleiben, habe sich Brown dann umgedreht und bedrohlich auf Wilson zubewegt. Daraufhin habe der Polizist mehrmals gefeuert, bis der Teenager schließlich zusammensackte.

Browns Seite erzählt eine andere Geschichte. Demnach habe Brown Wilson zu keiner Zeit bedroht. Im Gegenteil: Er habe sich sogar ergeben wollen und sei mit erhobenen Händen auf den Polizisten zugegangen. „Nicht schießen“, soll er noch gesagt haben. Wilson, der eigentliche Aggressor, habe dennoch mehrmals geschossen. Später dann sei das ganze Verfahren unfair gewesen, weil der Staatsanwalt befangen sei und Zeugen manipulativ befragt habe.

Kommentare (7)

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Herr Ralf Müller

26.11.2014, 20:32 Uhr

Selbst wenn die Version des Polizisten stimmt, so hätte gegen einen Unbewaffneten ein, höchstens 2 Schüsse gereicht und sich selbst zu verteidigen. Ein normales Verhalten wäre einen Schuss abzugeben und dann Deckung zu suchen. Ein unbewaffneter Schwerverletzter stellt doch keine ernstzunehmende Gefahr mehr dar. Es gab objektiv keinen Grund weiterzuschießen, bis der andere zusammenbricht.

Herr Martin Zuehlke

27.11.2014, 08:20 Uhr

Sehe ich genauso. Unabhängig vom Tathergang (was wurde hier nicht schon wieder gemutmaßt) und ob Brown nun ein Hühne war. Warum zur Hölle hat er 12 mal geschossen?

Herr Peter Petersen

27.11.2014, 09:07 Uhr

Na ja, wir müssen gar nicht in die Ferne schauen, um eklatantes Unrecht zu erfahren. Nach dem lächerlichen Urteil zu dem militanten Polizeieinsatz (Stuttgart 21) bei dem zig Demonstranten durch den unnötigen und überharten Einsatz von Wasserwerfern schwer verletzt wurden, müssen wir nicht auf andere Polizeistaaten zeigen, Deutschland ist halt auch ein Polizeistaat - keine Frage. Demokratie bedeutet bei uns doch nur: Brot und Spiele für die Untertanen - solange diese genau das machen, was wir ihnen vorschreiben -

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