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29.01.2005

15:56 Uhr

Konferenz in Phuket

Indonesien entscheidet sich für deutsches Frühwarnsystem

Fünf Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe in Asien hat sich Indonesien für das deutsche Tsunami-Frühwarnsystem entschieden.

HB PHUKET/POTSDAM. „Wir sind zuversichtlich, bald einen entsprechenden Vertrag mit Indonesien unterschreiben zu können“, sagte der stellvertretende Sprecher des Bundesforschungsministeriums, Peter Ziegler, der dpa und bestätigte damit einen ZDF-Bericht. Bereits von Oktober an solle ein deutsches Forschungsschiff Meeresbojen vor den Küsten Indonesiens auslegen. Diese könnten Wellenbewegungen per Funktechnik an Rechenzentren übertragen. Das Modell wurde vom Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ) entwickelt und soll insgesamt 45 Millionen Euro kosten. Nach jüngsten Schätzungen riss der Tsunami am 26. Dezember insgesamt etwa 280 000 Menschen in den Tod.

Ziegler rechnet damit, dass Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) auf einer Konferenz in Jakarta vom 14. bis 18. März einen Vertrag mit Indonesien unterzeichnet wird. Dies sei ein großer Erfolg für das GFZ. Das deutsche Tsunami-Frühwarnsystem sei flexibel und dezentral, außerdem könne es wegen seiner modularen Bauweise mit anderen Technologien zusammenarbeiten. Bereits auf der UN-Konferenz zur Katastrophenvorsorge im japanischen Kobe, die am 22. Januar endete, hätten alle Teilnehmer die Vorteile des deutschen Systems anerkannt.

Keine neuen Schäden bei Nachbeben der Stärke 5,7

Auf der von der Flutwelle verwüsteten thailändischen Urlauberinsel Phuket begann am Samstag unterdessen eine weitere Konferenz zur Planung eines Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean. Vertreter von rund 40 Staaten lehnten den Vorschlag Thailands ab, in dem Land ein Hauptquartier für das geplante System zu errichten. Von diesem Zentrum aus sollte nach der Vorstellung Thailands ein Netzwerk von Messstationen in der gesamten Region koordiniert werden. Bei der Eröffnung der zweitägigen Konferenz hatte der thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra zehn Millionen Dollar als Startkapital zur Einrichtung eines solchen Hauptquartiers zugesagt. Die Teilnehmer der Konferenz sahen den thailändischen Vorschlag als schwer zu verwirklichen an und plädierten stattdessen für eine Überwachung durch die Vereinten Nationen.

Von einem Nachbeben der Stärke 5,7 wurde am Samstag die indonesische Provinzhauptstadt Banda Aceh erschüttert. Neue Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet aus der Region im Norden der Insel Sumatra, die von dem Tsunami am schwersten betroffen ist, wie die Behörden mitteilten. Das Epizentrum des Bebens lag im Indischen Ozean vor der Nordwestküste Banda Acehs. Nach einem Bericht der „Berliner Morgenpost“ (Sonntagausgabe) gibt es in der Stadt mittlerweile eine Überversorgung an internationaler Hilfe. Von den 2500 aufgeschlagenen Lazarettbetten beispielsweise seien nur knapp die Hälfte belegt, sagte Joachim Müller, Leiter des Führungs- und Lagezentrums im Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin.

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