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09.10.2014

19:40 Uhr

Konflikt im Irak, Syrien und der Türkei

Wie IS den Krieg vor unsere Haustür trägt

VonDésirée Linde

Straßenschlachten in Hamburg, Stuttgart und Bremen: Der Kampf um die syrische Stadt Kobane sorgt für gewaltsame Zusammenstöße zwischen Kurden und Salafisten. Der Krieg ist in Deutschland angekommen – wie unbequem.

Gewaltsame Proteste auf deutschen Straßen: Die zuerst friedlichen Demonstrationen, hier in Hamburg, arteten nach Provokationen aus. dpa

Gewaltsame Proteste auf deutschen Straßen: Die zuerst friedlichen Demonstrationen, hier in Hamburg, arteten nach Provokationen aus.

DüsseldorfDreieinhalbtausend Kilometer reichen nicht mehr aus, um den Krieg von Deutschland fern zu halten. Die Bilder aus der syrischen Grenzstadt Kobane gehen um die Welt. Sie zeigen Häuserkampf, Rauchsäulen und bis an die Zähne bewaffnete Kämpfer.

Sie zeigen einen heißen, unerbittlich geführten Krieg, der plötzlich auch Bilder auf deutschem Boden produziert: Wasserwerfer gegen Schlagstöcke. Polizei gegen Kurden. Kurden gegen Salafisten. Salafisten gegen die Polizei. Die Szenen spielen sich vor unserer Haustür ab: In Hamburg und Bielefeld, in Celle und Stuttgart, Bremen, Oldenburg und Göttingen demonstrieren Kurden seit Tagen für Solidarität mit den Menschen in der syrischen Grenzstadt Kobane, die vom Islamischen Staat (IS) besiegt zu werden droht.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Die zuerst friedlichen Kundgebungen hierzulande entwickelten sich vielerorts zu blutigen Straßenschlachten zwischen Kurden und gewaltbereiten Muslimen. Aus Athen, Brüssel und Ankara kommen ähnliche Bilder. Die Medien zeigen die Bilder und titeln unter anderem „Mit Dönerspießen und Macheten“ (Focus Online), die Hamburger Ausgabe der „Bild“ schreibt von einem „Kleinkrieg“ zwischen Kurden und Salafisten. Mit dieser Wortwahl suggerieren die Blätter, der Konflikt habe nichts mit uns zu tun.

Deutschland wird widerwillig zum Nebenkriegsschauplatz der krisenbelasteten Weltpolitik. Auf deutschen Straßen findet sich zwar kein direktes Abbild des Konflikts in Nahost um Macht, Machtteilung, politischer Teilhabe und Widerstand gegen die Mörderbanden des IS. Es zeigt mehr die Entgrenzung eines Krieges, von dem die Deutschen nicht mehr sagen können, es sei nicht ihrer. Auch, wenn das der ein oder andere Politiker noch versucht: Es sei „leider nicht das erste Mal, dass Konflikte, deren Ursachen in anderen Staaten oder in unterschiedlicher religiöser Prägung liegen, mit Gewalt auf unseren Straßen und Plätzen ausgetragen werden“, sagte etwa Wolfgang Bosbach (CDU) der „Passauer Neuen Presse“.

Kommentare (29)

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Herr walter danielis

09.10.2014, 20:11 Uhr

Wir haben das Problem weil unsere Politiker sich diese fanatischen Volksgruppen alle ins Land geholt haben. Die Mehrzahl der Medien, Kirchen, Gewerkschaften haben das unterstützt. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat es nicht gewollt, muß es jedoch aushalten. Was wird passieren, wenn unser Staat nicht mehr in der Lage ist den Hartz vier Scheck an diese Neudeutschen auszuzahlen.

Frau Lisa Walter

09.10.2014, 20:23 Uhr

Mir macht Angst, wie wenig Aufmerksamkeit den Welteroberungsfantasien einer Ideologie geschenkt wird. Europa hat sich unbemerkt verändert. Inzwischen kann einem schon eine harmlose Analyse oder Karikatur in Lebensgefahr bringen. Der in Deutschland lebende Ägypter Hamed Abdel-Samed ist einer derjenigen, die wegen Äußerungen zur religösen Ideologie in der Öffentlichkeit nun unter Personenschutz leben müssen. Dabei hat er lediglich die Wirkmechanismen und die historischen Wurzeln der vielleicht aktuell weltweit gefährlichsten Faschismusform beschrieben.

Herr Horst Meiller

09.10.2014, 20:24 Uhr

Fragen Sie doch mal die Parteien, die uns das eingebrockt haben! Wer hat sich denn besonders nach 1998 Unmengen neuer Wähler ins Land geholt, ihnen einen Paß und gleich einen Wahlschein in die Hand gedrückt?

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