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03.07.2014

10:18 Uhr

Konflikt im Nahen Osten

Mord an Palästinenser facht Gewalt neu an

„Tod den Arabern“ brüllen rechte Israelis auf der Straße, im Gaza-Streifen protestieren die Massen: „Israel wird den Preis bezahlen“. Von beiden Seiten gibt es zudem Bombardements, die den Konflikt weiter verschärfen.

Ein Palästinenser mit einem Molotov-Cocktail während eines Zusammenstoßes mit der israelischen Grenzpolizei. ap

Ein Palästinenser mit einem Molotov-Cocktail während eines Zusammenstoßes mit der israelischen Grenzpolizei.

JerusalemDie Ermordung dreier heranwachsender Israelis und eines Palästinenserjungen droht den fragilen Nahost-Friedensprozess vollends zu beerdigen: Demonstranten beider Lager randalierten am Mittwoch in Jerusalem und fachten die gegenseitigen Rachegelüste zusätzlich an. Israels Streitkräfte flogen dutzende Luftangriffe auf den Gazastreifen, wo am Abend eine Massendemonstration stattfand. Die UNO warnte eindringlich vor weiterem Blutvergießen.

Am Mittwochmorgen war der 16-jährige Mohammed Abu Chdeir an einer Straßenbahnhaltestelle in Ost-Jerusalem in ein Auto gezwungen worden, laut Augenzeugen von drei Israelis. Einige Stunden später wurde seine übel zugerichtete Leiche im Westteil der Stadt an einem Waldrand entdeckt. Das Verbrechen ereignete sich einen Tag nach der Beerdigung von drei jüdischen Religionsschülern, die ihrerseits im Westjordanland verschleppt und ermordet worden waren.

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Nach der Ermordung von drei Talmudschülern ist ein palästinensischer Junge offenbar von rechtsgerichteten Israelis getötet worden. Israels Premier Netanjahu schließt eine erneute Besetzung des Gazastreifens nicht aus.

In Jerusalem kam es daraufhin zu Ausschreitungen rechter Israelis, die Autofahrer aus ihren Wagen zerrten und „Tod den Arabern“ brüllten. Im Verlauf des Mittwochs und bis in die Nacht hinein lieferten sich dann hunderte vermummte Palästinenser Straßenschlachten mit der Polizei.

Sicherheitskräfte wurden mit Steinen und Brandsätzen beworfen - und schlugen ihrerseits mit Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschossen zurück. Nach Angaben von Rettungskräften wurden mindestens 65 Menschen verletzt, drei davon durch scharfe Munition. Die Straßen waren übersät mit brennenden Trümmern und Behelfsbarrikaden, es gab dutzende Festnahmen.

In der Nacht zum Donnerstag flog Israels Luftwaffe dann dutzende Angriffe auf Ziele im Gazastreifen und in Gaza-Stadt, bei denen nach Angaben palästinensischer Rettungs- und Sicherheitskräfte neun Palästinenser verletzt wurden.

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