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08.12.2013

10:40 Uhr

Konflikt im Ostchinesischen Meer

Südkorea will Luftüberwachung ausdehnen

Neue Spannungen im Ostchinesischen Meer: Nicht nur Japan, auch Südkorea fühlt sich bedroht. Als Antwort auf Chinas Luftraumüberwachungsgürtel dehnt Seoul seine eigene Überwachungszone aus.

Der Kampf um die unbewohnten Inseln im Ostchinesischen Meer schürt den Konflikt zwischen China und Japan. Nun ist auch Südkorea in Alarmbereitschaft. dpa

Der Kampf um die unbewohnten Inseln im Ostchinesischen Meer schürt den Konflikt zwischen China und Japan. Nun ist auch Südkorea in Alarmbereitschaft.

SeoulIm Streit um den Luftraum im Ostchinesischen Meer hat Südkorea erklärt, seinen eigenen Überwachungsgürtel in südlicher Richtung zu erweitern. Die Regelungen für die neue Luftüberwachungszone würden Mitte Dezember in Kraft treten, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul am Sonntag mit. Seoul reagiert damit auf die Schaffung einer chinesischen Überwachungszone über einem strittigen Seegebiet. Der Schritt Pekings von Ende November hatte Gebietsstreitigkeiten in der Region angeheizt und Sorgen vor einer militärischen Eskalation geweckt.

Die betroffenen Staaten wurden nach Angaben der südkoreanischen Regierung vorher von den eigenen Plänen informiert. China hatte auf den Anfang des Monats angekündigten Schritt des Nachbarn zunächst zurückhaltend reagiert. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking hatte am Freitag gesagt, Seouls Maßnahme sollte in Übereinstimmung mit den Völkerrechtsgrundsätzen stehen. Die „Identifikationszone zur Luftverteidigung“ (ADIZ) sei nicht Teil des Hoheitsgebiets. In der neuen chinesischen Militärzone sollen sich künftig ausländische Flugzeuge unter anderem anmelden.

Der lange Streit um die Senkaku/Diaoyu-Inseln

1895

Der Streit um einige unbewohnte Felseninseln im Ostchinesischen Meer hat eine lange Geschichte. Die von den Japanern Senkaku und den Chinesen Diaoyu genannten Inseln standen seit Chinas Niederlage im chinesisch-japanischen Krieg 1895 unter der Kontrolle Tokios. Nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA verwaltet, gingen sie mit der Rückgabe Okinawas wieder an Japan.

1972

Die Senkaku-Inseln gehen an Japan zurück. Da China uralte Ansprüche auf das Territorium geltend macht, sorgt die Inselgruppe bis heute für Streit.

1996

Tokio richtet eine 200-Seemeilen-Wirtschaftszone ein, die die umstrittenen Inseln miteinschließt. Vorausgegangen war ein Streit um vermutete Erdölvorkommen. Die Spannungen verschärfen sich, als japanische Nationalisten auf einer der Inseln einen Leuchtturm errichten. Bei einer Protestaktion stirbt ein chinesischer Aktivist.

1998

Die chinesischen Proteste gehen weiter. Boote der japanischen Küstenwache versenken ein Schiff mit Demonstranten aus Hongkong, China und Taiwan.

2004

Die Japaner nehmen sieben chinesische Aktivisten fest, die per Boot zu den Inseln gefahren waren, um Chinas Territorialansprüche zu unterstreichen. Nach Protesten Pekings kommen sie wieder frei.

2008

Wegen Verletzung seiner Hoheitsgewässer durch zwei chinesische Forschungsschiffe legt Tokio bei der chinesischen Regierung Protest ein. Peking weist den Protest zurück.

2010

Die japanische Küstenwache bringt ein Fischerboot in Nähe der umstrittenen Inseln auf und leitet ein Strafverfahren gegen den Kapitän ein. Nach heftigem Protest aus Peking kommt er wieder frei.

2012

Der Streit um die Inseln droht erneut zu eskalieren: Peking schickt Kriegsschiffe zu dem Archipel, um den chinesischen Anspruch zu untermauern. Zuvor hatte Tokio angekündigt, drei der Inseln zu kaufen, die einem japanischen Geschäftsmann gehören. Damit will die Regierung verhindern, dass die Inseln von japanischen Nationalisten erworben werden. In China kommt es zu japanfeindlichen Protesten.

2013

Die Fronten verhärten sich weiter. Mehrmals überfliegen chinesische Militärmaschinen das Gebiet. Chinesische und japanische Schiffe fordern sich gegenseitig auf, die von ihnen beanspruchten Gewässer zu verlassen.

Die chinesischen Küstenwache schickte am Sonntag nach Berichten der Staatsmeiden drei Patrouillenboote in das strittige Gebiet im Ostchinesischen Meer. Die Schaffung der neuen Überwachungszone durch China wurde insbesondere als Kampfansage an Japan und dessen Schutzmacht USA gewertet. Beim Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in Peking am Mittwoch und Donnerstag hatte die chinesische Führung die Forderung der USA nach Rücknahme des Schritts abgelehnt.

Südkorea hatte China vergeblich zu Anpassungen der neuen Überwachungszone aufgefordert, die den eigenen Überwachungsgürtel überlappt und zudem eine unter Wasser liegenden Felsformation einbezieht, der faktisch von Südkorea kontrolliert wird. Die von den Koreanern Ieodo genannten Felsformation soll jetzt neben anderen abgelegenen Inseln innerhalb der neu gezogenen Grenzen der Überwachungszone liegen. Über dem Riff hatte Südkorea eine Forschungsplattform verankert.

Unterdessen startet Südkoreas Marine zusammen mit britischen und amerikanischen Seestreitkräften ein zweitägiges Manöver. Die Übungen fänden vor der Südküste des Landes statt, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul mit. Das Manöver sei seit langem geplant und zudem nicht verabredet worden, um gegen Chinas neue Überwachungszone zu protestieren, betonte der US-Kommandant Steven Curry von der Pazifikflotte in Hawaii. „Wir haben mit den Südkoreanern immer wieder Übungen“, sagte er der dpa. Es sei allerdings das erste Mal, dass auch Briten daran teilnehmen.

Die Truppen der beiden Bündnispartner USA und Südkorea veranstalten regelmäßig gemeinsame Übungen zu Wasser, zu Land und in der Luft. Die Übungen sollen vor allem dazu dienen, gegen Bedrohungen Nordkoreas gewappnet zu sein.

Von

dpa

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