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30.03.2006

17:37 Uhr

Konflikt in der Türkei

Erdogan will religiöse Kräfte stärken

VonGerd Höhler

Im Kampf der islamisch geprägten Regierung mit der säkularen kemalistischen Elite über den Kurs der Türkei stößt Ministerpräsident Tayyip Erdogan auf Widerstand.

ISTANBUL. Zuletzt war sein Plan, einen islamischen Banker an die Spitze der Zentralbank zu berufen, am Einspruch von Präsident Ahmet Necdet Sezer gescheitert. Weitere Konflikte in der Staatsführung stehen bevor: Erdogan werden Ambitionen auf die Nachfolge Sezers nachgesagt. Und auch in den Beziehungen zum Internationalen Währungsfonds und zur EU gibt es neue Spannungen.

Seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren testet der im politischen Islam verwurzelte Erdogan immer wieder, welche Freiräume er den konservativ-religiösen Kräften verschaffen kann. So versuchte er mehrfach, das Kopftuchverbot an den Unis zu kippen, scheiterte damit aber am Widerstand der Militärs. Staatsgründer Kemal Atatürk hatte für eine strikte Trennung von Staat und Religion gesorgt, das Militär gilt bis heute als Garant dieser Staatsordnung.

Mit der Nominierung von Adnan Büyükdeniz zum Nachfolger des Mitte März ausgeschiedenen Zentralbankchefs Süreyya Serdengecti forderte Erdogan das Establishment offen heraus. Doch Staatspräsident Sezer wies den Personalvorschlag kühl ab: Büyükdeniz, wie Erdogan ein strenggläubiger Moslem und bisher Generaldirektor der islamischen Albaraka-Bank, sei für das Amt „ungeeignet“.

Serdengecti hatte als Zentralbankchef die Erholung der Türkei von der schweren Finanzkrise 2001 begleitet. Unter seiner Ägide sank die Inflationsrate binnen drei Jahren von 70 auf acht Prozent. Dass Erdogan ausgerechnet Büyükdeniz für die Nachfolge nominierte, löste in Finanzkreisen Irritation aus. Man fragt, wie die Regierung einem Banker, der die Zinswirtschaft als „unmoralisch“ ablehne, die Leitung der Notenbank anvertrauen könne. Mit diesem Vorschlag habe Erdogan die Glaubwürdigkeit seiner Regierung und das Ansehen der Zentralbank beschädigt, kritisiert Tevfik Aksoy, Türkei-Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank in Istanbul.

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