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08.07.2014

16:22 Uhr

Konflikt in der Ukraine

„Schlimmer als im Zweiten Weltkrieg“

VonHelmut Steuer

Wer es nicht weiß, glaubt nicht, dass in Donezk, im Osten der Ukraine, Krieg herrscht. Und dennoch ist es so. Denn die Separatisten rekrutieren neue Kämpfer. Und bringen Präsident Poroschenko in Bedrängnis.

Noch immer Panzer und Soldaten: Die Straßen von Donezk beherrscht das Militär. dpa

Noch immer Panzer und Soldaten: Die Straßen von Donezk beherrscht das Militär.

StockholmDas Leben in der ostukrainischen Millionenmetropole Donezk scheint auf den ersten Blick ganz normal zu verlaufen: Das ukrainische Fernsehen zeigt Passanten, die ihre Besorgungen machen, Straßenverkehr, der wie immer intensiv ist. Und auch in einigen Straßencafes sitzen wie gewöhnlich Menschen und genießen den Sommertag. Wer es nicht weiß, wird zunächst nicht auf den Gedanken kommen, hier im Zentrum der ostukrainischen Bergbau- und Stahlindustrie herrsche Krieg. Und dennoch ist es so. Und wer genau hinschaut, sieht verbarrikadierte Geschäfte und patrouillierende Militärfahrzeuge mit der schwarz-blau-roten Flagge der nicht anerkannten „Volksrepublik Donezk“.

Nachdem die ukrainische Armee in den vergangenen Tagen mehrere seit Monaten von prorussischen Separatisten besetzte Städte wieder befreien konnte, haben sich die Separatisten, die den Anschluss der Ostukraine an Russland fordern, in die Großstädte Donezk und Luhansk zurückgezogen. Hier, so erklärt einer ihrer Führer, wolle man neue Kämpfer rekrutieren. Das mag ein Grund für die Flucht in die Metropolen sein, ein anderer ist jedoch wahrscheinlicher: Während es die ukrainische Armee in den vergangenen Tagen relativ leicht hatte, die seit mehr als drei Monaten besetzten Städte Kramatorsk und Slawjansk zurückzuerobern, auch weil ein Großteil der Bevölkerung ihre Häuser und Wohnungen verlassen haben und bei Freunden und Verwandten in anderen Landesteilen Unterschlupf fanden, dürfte ein militärischer Einsatz in der 1,1 Millionen Einwohner-Stadt Donezk deutlich schwerer, wenn nicht gar unmöglich sein.

Nato-Präsenz im Osten des Bündnisgebietes

Flotten-Verlegung

Verlegung eines Flottenverbandes zur Minenbekämpfung unter Führung des deutschen Tenders „Elbe“ in die östliche Ostsee nach Riga.

Manöver in Estland

Manöver mit 6000 Soldaten aus westlichen Nato-Staaten in Estland. Szenario: Luft- und Bodenangriffe gegen Estland.

Unterwasser-Manöver

Manöver mit einem Unterwasserfahrzeug zur Rettung eines U-Bootes vor der polnischen Ostseeküste.

Truppenübungen

Kanadische, US-amerikanische und polnische Truppen üben fünf Tage lang Luftlandeeinsätze mit Infanterieunterstützung in Polen. Fallschirmjäger aus den USA und Polen springen in Polen und Lettland aus großen Transportmaschinen ab, Abwurf von schwerer Ladung wird geübt.

Luftüberwachung

Polen übernimmt Leitung der Luftüberwachung in den drei baltischen Staaten. Großbritannien, Dänemark und Frankreich verstärken den Einsatz, Deutschland wird ebenfalls Jagdflugzeuge entsenden. Nato überwacht den Luftraum über Polen und Rumänien mit AWACS-Flugzeugen.

Denn die Separatisten haben sich in dichtbesiedelte Gebiete zurückgezogen, sodass ein Befreiungsschlag mit Waffengewalt nicht durchführbar ist. Der erst vor einem Monat gewählte neue Präsident der Ukraine, der Schoko-Milliadär Petro Poroschenko, hat deshalb zunächst angeordnet, die Rebellen in den Großstädten einzukesseln. Es müsse gewährleistet sein, dass sie keinen Nachschub mehr erhalten können.
Ein Riegel um die Städte hat allerdings auch negative Auswirkungen auf die Versorgungslage der Stadt. Das wiederum kann zu neuen Spannungen zwischen der Zentralregierung in Kiew und der ihr gegenüber weiterhin skeptischen Bevölkerung führen.

Der neugewählte Präsident steckt in einem Dilemma: Ein Großteil der Ukrainer hatte die einseitig von Poroschenko ausgerufene Waffenpause nicht unterstützt und von ihm hartes Durchgreifen gegen die Separatisten gefordert. Der Westen hingegen übt Druck auf die Führung in Kiew aus, den Verhandlungsweg einzuschlagen und eine neue Waffenruhe sowie Gespräche auch mit den Separatisten zu beschließen.
Eine einseitige Waffenruhe wie schon vor zwei Wochen hat Poroschenko allerdings bislang strikt abgelehnt. Die prorussischen Separatisten, die die Ostukraine an Russland angliedern wollen, „erhalten jetzt ihre verdiente Strafe“ für den seit mehr als drei Monaten andauernden Kampf mit der ukrainischen Armee, erklärte er. Verhandlungen mit den „Terroristen“, wie die Rebellen im Kiewer Sprachgebrauch bezeichnet werden, kommt auch für die Regierung in Kiew solange nicht in Frage, wie sie nicht ihre Waffen abgegeben haben.

Kommentare (9)

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Herr peter Spirat

08.07.2014, 17:14 Uhr

Das ist Terror gegen Zivilisten

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In der Nacht hatte die israelische Luftwaffe massive Angriffe im Gazastreifen geflogen. Flugzeuge bombardierten Dutzende Ziele in dem schmalen palästinensischen Küstenstreifen, darunter auch Wohnhäuser von Hamas-Aktivisten.
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Herr Peter Spiegel

08.07.2014, 17:23 Uhr

"Schlimmer als im Zweiten Weltkrieg."
Schreiben Sie doch keinen Unsinn.

Herr Peter Spiegel

08.07.2014, 17:23 Uhr

"Schlimmer als im Zweiten Weltkrieg."
Schreiben Sie doch keinen Unsinn.

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