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19.02.2013

18:39 Uhr

Konflikt in Korea

Nordkorea droht Süden mit Vernichtung

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea gewinnt an Brisanz. Nun hat ein nordkoreanischer Diplomat ungewöhnlich scharfe Worte gewählt - und droht dem Nachbarn offen mit der „endgültigen Vernichtung“.

Nordkorea droht dem südlichen Nachbarn. dapd

Nordkorea droht dem südlichen Nachbarn.

GenfNordkorea hat dem Süden mit der Zerstörung gedroht und damit Empörung bei einer UN-Abrüstungskonferenz ausgelöst. Der nordkoreanische Diplomat Jon Yong Ryong sagte am Dienstag in Genf, Südkoreas unberechenbares Verhalten werde dessen "endgültige Vernichtung" einläuten. Zum jüngsten Atomtest sagte Jon, sollten sich die USA weiter feindlich verhalten, werden sein Land keine Wahl haben, als "einen zweiten und dritten noch stärkeren Schritt" zu tun. Einzelheiten nannte er nicht. Die Delegierten von Staaten wie Südkorea, den USA und Deutschland kritisierten umgehend Jons Erklärung.

"Wie das Sprichwort sagt, kennt der neugeborene Welpe keine Angst vor dem Tiger", erklärte Jon. "Südkoreas unberechenbares Verhalten wird nur seine endgültige Vernichtung einleiten." Der Atomtest seines Landes sei angesichts einer atomaren Erpressung der USA ein Akt der Selbstverteidigung. "Die Armee und das Volk Nordkoreas sind darauf ausgerichtet und dazu entschlossen, die selbstherrliche Politik mit einer Politik der harten Hand zu kontern und auf Druck und Sanktionen mit uneingeschränkten Gegenmaßnahmen zu reagieren."

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Diplomaten anderer Staaten zeigten sich empört. "Ich habe in meiner 30-jährigen beruflichen Laufbahn noch nie etwas Derartiges gehört", sagte der spanische Vertreter Javier Gil Catalina. Er sprach von einer möglichen Verletzung des internationalen Rechts. Die britische Botschafterin Joanne Adamson sprach von einer völlig unpassenden Wortwahl. Ihre US-Kollegin Laura Kennedy bezeichnete die Bedrohung als verstörend und beleidigend. Weder China - Nordkoreas einziger großer Verbündeter - noch Russland nahmen Stellung. Beide Staaten verfügen über ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat.

Das kommunistisch regierte Nordkorea hatte vor einer Woche einen unterirdischen Atomtest vorgenommen und damit Kritik aus der ganzen Welt auf sich gezogen. Auch der Sicherheitsrat verurteilte den Test. Die Führung in Pjöngjang bereitet offenbar weitere Versuche vor, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus China erfahren hat. Der nächste Atomtest werde mit zehn Kilotonnen TNT eine größere Sprengkraft haben als der von vergangener Woche. Ziel der Drohungen Nordkoreas sei es, die USA zu Gesprächen zu zwingen.

Die EU hatte am Montag aus Protest gegen den Test ihre Sanktionen verschärft und geht dabei über die von den UN verabredeten Beschränkungen hinaus. Die russische Regierung lehnte am Dienstag neue Wirtschaftssanktionen ab, erklärte sich jedoch bereit, Maßnahmen zu unterstützen, die eine Verbreitung von Atomwaffen begrenzen.

Von

rtr

Kommentare (14)

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Ludwig500

19.02.2013, 19:01 Uhr

Ach bitte nicht. Ich habe Wetten laufen, dass die nächste untergehende Wirttschaftsmacht Europa ist. Südkorea passt mir da nicht ins Konzept.

Account gelöscht!

19.02.2013, 19:13 Uhr

Immer diese albernen Drohgebärden und Ankündigungen.

Macht's doch endlich, Schlappschwänze!

Account gelöscht!

19.02.2013, 19:40 Uhr

Das drohen die glaub ich 3 mal pro Tag

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