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12.05.2013

20:52 Uhr

Konflikt in Syrien

Assad-Gegner noch nicht über Konferenz einig

Syriens Opposition hat offenbar noch keine Entscheidung über eine Beteiligung an der von den USA und Russland geplanten Friedenskonferenz getroffen. Assads Gegner wollen sich erst beraten, bevor sie darüber entscheiden.

Mitglieder der Freien Syrischen Armee: Russland und die USA planen eine internationale Konferenz zur politischen Lösung des Konflikts. Reuters

Mitglieder der Freien Syrischen Armee: Russland und die USA planen eine internationale Konferenz zur politischen Lösung des Konflikts.

Beirut/Amman/BerlinDie syrische Opposition hat noch nicht entschieden, ob sie an der von Russland und den USA geplanten internationalen Konferenz zur Zukunft des Bürgerkriegslandes teilnimmt. Es werde zunächst eine interne Konferenz der Opposition geben, sagte am Sonntag der Sprecher der Nationalen Koalition, Sonir Ahmad, der Nachrichtenagentur AFP. Diese solle am 23. Mai im türkischen Istanbul beginnen und drei Tage dauern. Auf dem Treffen der wichtigsten Oppositionsgruppen solle "über unsere Teilnahme" an der geplanten internationalen Konferenz entschieden werden.

Bei der Versammlung werde auch die Wahl eines neuen Anführers der Nationalkoalition erfolgen und über den in der Kritik stehenden Übergangsregierungschef Ghassan Hitto gesprochen. Der 48-jährige Ahmad Tomaa Kheder gilt dabei als aussichtsreichster Nachfolger Hittos.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Vor knapp einer Woche hatten sich US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow auf einen neuen Anlauf zu einer politischen Lösung des Konflikts in Syrien geeinigt. Dafür wollen sie gemeinsam eine internationale Konferenz organisieren, an der laut den Vorstellungen der beiden Länder auch führende Vertreter des syrischen Oppositionsbündnisses teilnehmen sollen. Ursprünglich war diese Konferenz noch für den Mai anvisiert. Dies gilt inzwischen aber - vor allem wegen der Uneinigkeit der syrischen Opposition - als unwahrscheinlich.

Die Erfolgsaussichten der Friedenskonferenz werden skeptisch beurteilt. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere sagte am Sonntag in einem Interview mit der ARD, wenn Amerikaner und Russen diese Konferenz gemeinsam machten, sei das ein "wirklicher Erfolgsschimmer, mehr ist es nicht". Diplomaten in New York erklärten am Wochenende, die Veranstaltung könne im Juni stattfinden.

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