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14.07.2012

18:33 Uhr

Konflikt in Syrien

UN-Beobachter inspizieren blutigen Schauplatz

Die UN-Beobachter sind im syrischen Ort Tremseh angekommen – dem Schauplatz des mutmaßlichen Massakers mit bis zu 250 Toten. Die internationale Kritik an Assad wird immer schärfer: Erdogan spricht von einem „Völkermord“.

Tausenden Syrer haben gestern gegen das Massaker in Tremseh protestiert. AFP

Tausenden Syrer haben gestern gegen das Massaker in Tremseh protestiert.

Damaskus/BeirutNach dem verheerenden Blutbad im syrischen Tremseh wollten UN-Beobachter das Dorf am Samstag inspizieren. Das berichtete der Nachrichtensender Al-Dschasira. Indessen geht nach Angaben von Aktivisten die Offensive des syrischen Regimes gegen Aufständische weiter. Neue Berichte über Transporte von Chemiewaffen in Rebellenhochburgen alarmieren Beobachter.

Nach UN-Angaben hatte sich ein Beobachterteam am Vorabend bereits bis auf sechs Kilometer dem Ort genähert. Das Massaker in Tremseh, bei dem nach Angaben von Aktivisten am Donnerstag bis zu 250 Menschen getötet worden waren, hatte weltweit Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über ein Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft angeheizt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte, sollte die internationale Staatengemeinschaft jetzt nicht handeln, käme dies einer „Lizenz für weitere Massaker“ gleich.

Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat drastische Worte gewählt und das mutmaßliche Massaker als versuchten "Völkermord" bezeichnet. Das syrische Volk werde dafür sorgen, dass die Regierung für Massaker wie die mutmaßliche Tötung von Dutzenden Menschen in dem syrischen Bauerndorf bezahle, sagte Erdogan am Samstag. Derartige Gewalttaten seien "die Spuren eines Regimes, das vor dem Ende steht."

Auf Bildern und in Videos im Internet waren UN-Fahrzeuge nahe Tremseh zu sehen, die von Menschen umringt wurden. Sie zeigten den Beobachtern blutgetränkte Kleidung und Überreste von Granaten. „Das sind russische Waffen“, rief ein wütender Mann. Russland ist der wichtigste Verbündete und Waffenlieferant des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad. Die Veto-Macht blockiert im UN-Sicherheitsrat alle Resolutionen, die ein schärferes Vorgehen gegen Damaskus ermöglichen würden.

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„Die Beobachter können nach Tremseh kommen, aber sie werden hier niemanden mehr finden“, sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur dpa. Alle Überlebenden seien in Panik aus dem Ort mit einst 7000 Einwohnern geflohen.

Bei einer Explosion in dem vorwiegend christlichen Ort Mahradeh kamen nach Angaben des oppositionellen Syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte vom Samstag mindestens vier Menschen ums Leben. Unter den Toten seien zwei Frauen und ein 13 Jahre alter Junge, das andere Opfer sei ein Mitglied der Sicherheitskräfte gewesen. Der Sprengsatz detonierte den Angaben zufolge vor einem Gebäude des Militärgeheimdienstes. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen sei explodiert.

Mahradeh gehört zur gleichen Region wie das sunnitische Dorf Tremseh in der Unruheprovinz Hama. Wenn die Angaben der syrischen Regimegegner stimmen, ist das Massaker von Tremseh das schlimmste seit Beginn des Aufstandes gegen das Assad-Regime im März 2011.

Kommentare (4)

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Thomas-Melber-Stuttgart

14.07.2012, 17:10 Uhr

Wozu braucht es einen Ortstermin zur Faktenfeststellung? Frau Clinton weiß doch schon alles und hat eindeutige Beweise! Einfach 'mal im State Department nachfragen.

Freiheit

14.07.2012, 22:56 Uhr

An Stelle von Herrn Erdogan würde ich das Wort "Völkermord" besser nicht in den Mund nehmen. Schließlich leugnet er beharrlich die eigenen Massaker an den Armeniern.

zwischendenzeilen

14.07.2012, 23:16 Uhr

"Make a fake and go"....
"...nach Angaben des oppositionellen Syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte..."
Warum ist es so still um die Abschüsse der türkischen Jagdflieger? ...fehlen noch die unerirdischen Chemielabore usw. ....

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