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20.07.2014

13:59 Uhr

Konflikt mit Israel

Waffenruhe im Gaza-Streifen schnell gebrochen

Leichen in den Straßen, viele Verletzte in den Krankenhäusern: Die Lage im Gaza-Streifen ist nach den israelischen Angriffen dramatisch. Ein humanitärer Waffenstillstand wurde offenbar von der Hamas gebrochen.

Gaza-Streifen

Israel weitet Bodenoffensive aus

Gaza-Streifen: Israel weitet Bodenoffensive in Gaza aus

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Tel Aviv/Gaza-StadtDie Atempause für die Menschen im Gaza-Streifen währte nur kurz: Eine humanitäre Feuerpause zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas zur Bergung der Toten in der Stadt Gaza ist nach einer knappen Stunde zusammengebrochen. Hamas-Kämpfer hätten das Feuer auf israelische Soldaten eröffnet, sagte eine Armeesprecherin. Daraufhin habe das Militär den Beschuss erwidert.

Die Feuerpause war vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) vermittelt worden und sollte am Sonntag von 12.30 MESZ zwei Stunden dauern.

Unterdessen stieg die Zahl der Toten bei israelischen Angriffen auf den Gaza-Stadtteil Sadschaija auf 50. Mindestens 210 weitere Menschen seien in dem Viertel Sadschaija verletzt worden, teilten die Rettungsbehörden mit. Unter den Opfern seien zahlreiche Frauen und Kinder. Die Armee beschoss den Stadtteil nach diesen Angaben am Morgen mit Raketen und Granaten.

Angesichts der vielen Opfer hatte Israel einer zweistündigen Feuerpause in dem Viertel zugestimmt, um die Bergung der Opfer zu ermöglichen. Es war der Angriff mit den meisten Todesopfern seit Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen seit dem 8. Juli.

Streitpunkte zwischen Israel und Hamas

Ende der Feindseligkeiten nicht in Sicht

Sowohl Israel als auch die Palästinenser verlangen ein Ende des Beschusses. Jedoch befeuern sich Hamas und Israel beständig gegenseitig, so dass ein Ende der Gewalt nicht in Sicht ist.

Grenzübergänge

Die Hamas will in Gaza vor allem den Güter- und Personenverkehr über die Grenze wieder in Gang setzen. Israel blockiert die Grenzübergänge im Osten und Norden sowie von der Seeseite, Ägypten führt im Süden ein strenges Grenzregime. Der gescheiterte ägyptische Vorschlag sah vor, Übergänge im Süden zu öffnen, wenn sich die Lage beruhigt habe.

Der Hamas geht es vor allem um den Übergang in Rafah. Es ist der wichtigste Zugang der Menschen von Gaza zur Außenwelt. Ägypten hat dort den Personenverkehr im vergangenen Jahr stark eingeschränkt. Dies hängt mit der engen Verbindung der Hamas zur in Ägypten verfolgten islamistischen Muslimbruderschaft zusammen, der der gestürzte Präsident Mohammed Mursi angehört. Die Hamas will nun vor allem von Ägypten Garantien für den Übergang in Rafah, denn frühere Versprechungen waren nicht eingehalten worden.

Gefangene

Bei der Suche nach drei entführten und letztlich getöteten israelischen Religionsschülern im Westjordanland haben israelische Sicherheitskräfte Hunderte Hamas-Angehörige festgenommen. Dutzende der Männer waren bereits früher in Haft und wurden bei einem Gefangenenaustausch 2011 freigelassen. Israel argumentiert, die nun wieder Festgenommenen hätten gegen ihre Entlassungsbedingungen verstoßen. Die Hamas will sie mit ihrem ununterbrochenen Raketenbeschuss freipressen. Beobachter rechnen nicht damit, dass sich Israel darauf einlassen könnte.

Entmilitarisierung

Israel würde eine Waffenruhe mit der Hamas akzeptieren, wenn sie für eine Entmilitarisierung des Gazastreifens genutzt würde. Raketen und von der Hamas genutzte Tunnel will Israel beseitigen.

Die Hamas hat ihr Raketenarsenal in den vergangenen Jahren erweitert. Inzwischen kann sie auch weiter entfernte Ziele in Israel angreifen. Raketen flogen bereits auf Tel Aviv und bis zur mehr als 160 Kilometer entfernten Stadt Haifa. Für die Hamas kommt eine Entwaffnung nicht infrage.

Aussicht auf eine längere Kampfpause?

Zuletzt hatten sich Hamas und Israel 2012 einen mehrere Tage dauernden bewaffneten Konflikt geliefert. Danach war für mehrere Monate weitgehend Ruhe. Israel hofft, mit seinen massiven Angriffen diesmal die Hamas einzuschüchtern und sie so auf längere Zeit von Raketenbeschuss abzuhalten.


Krankenwagen konnten zunächst nicht in das Gebiet vordringen. Offenbar seien viele Verletzte wegen der Angriffe eingekesselt, sagten Rettungskräfte der Agentur AFP. Es soll hunderte Verletzte geben. Aschraf al-Kidra, der Leiter der örtlichen Rettungsdienste, berichtete von heftigen Angriffen mit Raketen und Granaten auf das Viertel. Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen in hoffnungslos überfüllten Krankenhäusern im Gazastreifen.

Die israelische Offensive in dem blockierten Palästinensergebiet hat die ohnehin schwierige humanitäre Lage weiter verschärft. Palästinensische Ärzte beklagen einen Mangel an Medikamenten und Ausrüstung bei der Behandlung der vielen Opfer.

Israels Armee will in den kommenden Tagen weiter mit Bodentruppen gegen unterirdische Tunnel im Gazastreifen vorgehen. „Wir haben mehr Soldaten in größeren Gebieten im Einsatz“, sagte Militärsprecher Peter Lerner am Sonntag zur Ausweitung der Bodenoffensive.

Bei einem israelischen Luftangriff auf das Haus von Chalil al-Haja, einem führenden Mitglied der radikal-islamischen Hamas, kamen nach palästinensischen Angaben in der Stadt Gaza vier Menschen ums Leben. Nach Angaben der israelischen Armee wurden 70 „Terroristen“ bei den Gefechten getötet. Seit Beginn des Bodeneinsatzes am Donnerstagabend starben laut Militärsprecher Lerner fünf israelische Soldaten.

Der Raketenbeschuss gegen Israel sei etwas schwächer geworden. Die radikal-islamische Hamas verfüge jedoch weiterhin über etwa 5000 Raketen verschiedener Reichweite, sagte Lerner. Bei Israels Suche nach Tunneleingängen im Gazastreifen leiste die Hamas heftigen Widerstand. Es gebe schwere Gefechte mit militanten Palästinensern an verschiedenen Orten. Bislang seien 14 Tunnel mit 36 Zugangspunkten gefunden worden. Sie sollten nach gründlicher Untersuchung mit Sprengstoff zum Einstürzen gebracht werden. „Einige dieser Tunnel sind eigentlich Bunker“, sagte Lerner. Es seien dort auch viele Waffen gelagert worden.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

21.07.2014, 18:52 Uhr

Warum dürfen "Mörder" hier ungestraft für Ihre Morde demonstrieren und erhalten massive Unterstützung von unseren Politikern! Warum weigern sich die Palästienser das Geld der Raketen um Israelis zu ermorden nicht um Ihre Heimat aufzubauen? Warum unterstützt Deutschland die Mörder? Haben wir aus unserer Geschichte nichts gelernt?

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