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11.09.2015

17:34 Uhr

Konflikt mit Kurden

Türkei greift PKK-Stellungen im Irak an

Der Konflikt in der Türkei eskaliert. Mehr als 20 türkische Kampfjets greifen die PKK im Nordirak an. Zugleich wächst die Sorge über die Lage der mehr als 100.000 Bewohner der abgeriegelten Stadt Cizre.

Während die türkische Luftwaffe Angriffe gegen die PKK fliegt, bleibt di Stadt Cizre komplett abgeriegelt. Reuters

Sorgen um humanitäre Lage in Cizre

Während die türkische Luftwaffe Angriffe gegen die PKK fliegt, bleibt di Stadt Cizre komplett abgeriegelt.

Istanbul/ErbilDie türkische Luftwaffe hat erneut massive Angriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Untergrundorganisation Kurdische Arbeiterpartei (PKK) im Nordirak geflogen. Nach ersten Erkenntnissen seien bei den Luftschlägen in der Nacht zu Freitag mindestens 60 „Terroristen“ getötet worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Sicherheitskreise.

21 Kampfjets hätten 64 Ziele angegriffen. Dabei sei auch das bislang größte Munitionslager der PKK vernichtet worden. Die PKK-nahe Nachrichtenagentur Firat bestätigte, dass es in der Nacht zu Luftangriffen im Nordirak gekommen sei, machte aber keine Angaben zu Opfern.

Das türkische Verfassungsgericht lehnte am Freitag einen Antrag ab, eine Ausgangssperre in der kurdischen Stadt Cizre in der Südosttürkei aufzuheben. Die Behörden hatten das Ausgehverbot in der abgeriegelten Stadt mit ihren mehr als 100.000 Einwohnern nach Zusammenstößen mit der PKK am 4. September verhängt.

Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Nils Muižnieks, zeigte sich am Freitag besorgt über die Lage in Cizre und über die eskalierende Gewalt in der Türkei. Muižnieks forderte, unabhängigen Beobachtern sofortigen Zutritt nach Cizre zu gewähren.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangte freien Zugang der Bewohner zu Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Die Bewohner dürften ihre Häuser nicht verlassen. Sicherheitskräfte ließen niemanden in die Stadt hinein oder aus Cizre heraus. Das Mobilfunknetz sei abgeschaltet. Sicherheitskräfte blockierten am Freitag weiterhin einen Marsch der pro-kurdischen Partei HDP nach Cizre.

Grünen-Chef Cem Özdemir sprech sich angesichts der Gewalt in der Türkei dagegen aus, im November das Treffen der G20-Staats- und Regierungschefs im türkischen Küstenort Antalya abzuhalten. „Wir müssen auf Präsident Erdogan einwirken“, sagte Özdemir der Zeitung „Die Welt“. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie der G20-Gipfel im November in Antalya angesichts der Bilder von Cizre stattfinden soll.“

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Im Juli war die Waffenruhe zwischen der PKK und der türkischen Regierung gescheitert. Inzwischen kommt es vor allem im Südosten des Landes täglich zu tödlichen Anschlägen und Gefechten; die Luftwaffe fliegt Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak. Unklar ist, wie unter diesen Umständen die für den 1. November geplante Neuwahl des türkischen Parlaments stattfinden sollen.

Der Präsident der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak, Massud Barsani, rief die Türkei und die PKK zu einem sofortigen Ende der Gewalt und zu neuen Verhandlungen auf. Die jetzigen Kämpfe führten nur zu Blutvergießen und einem Anstieg der Opferzahlen. Barsani bemühte sich generell um gute Beziehungen zur Türkei. Er hatte die PKK in der Vergangenheit aufgerufen, den Irak zu verlassen, um nicht das Leben von Zivilisten zu gefährden.

Von

dpa

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