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01.04.2013

13:06 Uhr

Konflikt mit Nordkorea

Südkorea droht mit „starker Vergeltung“

Südkorea droht dem kommunistischen Norden mit einer massiven militärischen Reaktion. Die Präsidentin erklärte in Seoul, sie werde auf Provokationen eine entschlossene Antwort geben - ohne politische Abwägungen.

Südkoreanische Soldaten bei einer Übung nahe der Grenze zu Nordkorea. ap

Südkoreanische Soldaten bei einer Übung nahe der Grenze zu Nordkorea.

SeoulSüdkorea hat dem Norden im Falle eines Angriffs mit einem massiven und raschen militärischen Gegenschlag gedroht. Wenn es eine Provokation gegen Südkorea gebe, werde darauf entschlossen geantwortet - ohne politische Abwägungen, sagte Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye am Montag bei einem Treffen mit dem Verteidigungsminister. Die Präsidentin reagierte damit auf die sich seit Wochen verschärfende Kriegsrhetorik der Führung in Pjöngjang. Die USA schickten am Sonntag Tarnkappenbomber in die Region, die an gemeinsamen Militärmanövern mit Südkorea teilnehmen sollen.

Nach Kritik an der als zu zögerlich empfundenen Reaktion auf den Beschuss einer südkoreanischen Insel 2010 hat die Regierung in Seoul bereits in der Vergangenheit die militärische Einsatzplanung geändert. Örtliche Einheiten dürfen jetzt umgehend auf Angriffe reagieren, ohne auf eine Genehmigung der Regierung warten zu müssen. Auch hat Südkorea damit gedroht, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un direkt zu treffen und Symbole der Macht der Kim-Dynastie zu zerstören. Dies war im Norden auf besondere Empörung gestoßen.

Nordkoreas Drohungen in jüngster Zeit

23. Dezember 2010

„Die revolutionären Streitkräfte der Volksrepublik (Nordkorea) werden vollständig vorbereitet sein, nötigenfalls zu jeder Zeit einen Heiligen Krieg der Gerechtigkeit im koreanischen Stil auf der Basis der atomaren Abschreckung zu starten.“ (Minister der Streitkräfte, Kim Yong Chun)

23. März 2011

„Unserer Truppen sind bereit, jederzeit auf die Festen der psychologischen Kriegsführung zu zielen und zu schießen und in reale Kampfaktionen überzugehen, wenn wir das wollen.“ (Warnung eines Befehlshabers der Streitkräfte gegen anti-nordkoreanische Flugblattaktionen aus Südkorea)

23. April 2012

„Sie (die Truppen) werden die rattenähnliche Gruppe und die Stützpunkte der Provokationen in drei bis vier Minuten in Asche legen.“ (Nordkoreas Streitkräfte drohen mit „Spezialaktionen“ gegen die südkoreanische Hauptstadt Seoul.)

05. März 2013

„Wenn die Übungen nach dem 11. März in ihre Hauptphase treten, wird der Waffenstillstandsvertrag, der nur dem Namen nach bestanden hat, beendet sein.“ (Reaktion der Streitkräfte auf südkoreanisch-amerikanische Militärübungen)

07. März 2013

„Weil die USA einen Atomkrieg entfachen wollen, werden wir unser Recht auf einen nuklearen Präventivschlag gegen das Hauptquartier der Aggressoren wahrnehmen.“ (Ein Sprecher des Außenministeriums)

27. März 2013

„In der Situation, in der jeden Moment ein Krieg ausbrechen kann, ist die Nord-Süd-Kommunikation nicht mehr nötig.“ (Delegationsleiter für die Militärgespräche mit Südkorea kündigt Kappung der militärischen Telefonleitung zum Süden an.)

29. März 2013

„Es ist angesichts der bestehenden Lage an der Zeit, eine Rechnung mit den US-Imperialisten zu begleichen.“ (Machthaber Kim Jong Un laut Staatsmedien)

30. März 2013

Nordkorea erklärt Südkorea den Krieg. „Von diesem Moment an werden die Nord-Süd-Beziehungen in einen Kriegszustand versetzt und alle Angelegenheiten zwischen beiden werden gemäß den Vorschriften für Kriegszeiten erledigt.“ (Regierungserklärung)

Die kommunistische Regierung in Pjöngjang hat Südkorea und dessen Verbündeten USA in den vergangenen Tagen wiederholt mit einem Angriff gedroht. Am Samstag erklärte Nordkorea den Kriegszustand mit dem Süden. Die beiden Länder befinden seit dem Krieg 1950 bis 1953 formell ohnehin im Kriegszustand. Sie unterzeichneten zwar ein Waffenstillstandsabkommen, nicht aber einen Friedensvertrag.

Inmitten der angespannten Lage schickten die USA am Sonntag Kampfjets zu einem gemeinsamen Manöver mit dem Verbündeten nach Südkorea. Die Kampfflugzeuge vom Typ F-22 Raptor, die vom Radar nicht erfasst werden können, seien auf dem Luftwaffenstützpunkt Osan stationiert worden, teilte das US-Militär mit. Nordkorea werde mit seinen Drohungen und Provokationen nichts erreichen. Das Land werde sich nur weiter isolieren und die internationalen Bemühungen um Stabilität und Frieden in der Region untergraben, erklärte das US-Militär. Wie viele F-22 von ihrem Stützpunkt Kadena in Japan nach Südkorea flogen, teilte das US-Militär nicht mit.

Ansonsten waren Südkorea und die USA bemüht, die Erklärungen des Nordens herunterzuspielen. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium verlautete, es gebe bei den Streitkräften des Nordens keine Aktivitäten, die auf einen baldigen Angriff hindeuteten. Eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA erklärte, man nehme die Drohungen aus Pjöngjang ernst und stehe mit Südkorea in engem Kontakt. Allerdings habe die nordkoreanische Führung schon öfter eine derartige Kriegsrhetorik verwendet. Papst Franziskus rief in seiner ersten Osteransprache auf, den Konflikt diplomatisch zu lösen.

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Die Spannungen verstärkten sich, seit Machthaber Kim im Februar neue Atomtests anordnete. Durch die Tests verstieß Nordkorea gegen internationale Vereinbarungen. Der UN-Sicherheitsrat verschärfte daraufhin seine Sanktionen gegen das Land.

Von

rtr

Kommentare (6)

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MIGBewunderer

01.04.2013, 11:36 Uhr

Die F-22 ist nicht einsatzfähig, das berichtete schon vor Wochen das Pentagon...
Selbst die alte MIG-21 kann es mit der unausgereiften F-22 aufnehmen!
Leere Drohungen also...

Account gelöscht!

01.04.2013, 12:29 Uhr

Würde sich eine kriegerische Auseinandersetzung positiv auf die Stahlaktien auswirken? (natürlich hoffe ich, dass es nicht soweit kommt)

Hermosa

01.04.2013, 14:05 Uhr

@ Ede

Ihre Gier ist wohl unersättlich?

Krieg....egal?

Hauptsache Ihre Stahlaktien steigen?!

Welcome to the greedy world!

Shame on you!

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