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14.04.2013

10:29 Uhr

Konflikt mit Südkorea

Nordkorea will nicht mit sich reden lassen

China und die USA fordern Nordkorea zur Zurückhaltung und Verhandlungen auf. Auch Südkorea sucht das Gespräch über die Sonderwirtschaftszone Kaesong. Doch Kim Jong Un winkt ab.

Kim Jong Un treibt den Konflikt mit dem Nachbarn Südkorea weiter voran. dpa

Kim Jong Un treibt den Konflikt mit dem Nachbarn Südkorea weiter voran.

PekingNordkorea hat das Angebot Südkoreas zu Gesprächen über die Zukunft der gemeinsamen Sonderwirtschaftszone Kaesong zurückgewiesen. Das Gesprächsangebot sei eine "leere" und "bedeutungslose" politische Geste, sagte ein Sprecher des nordkoreanischen Komitees für die friedliche Wiedervereinigung Koreas am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Damit wolle der Süden seine wahre Absicht verschleiern, in den Norden einmarschieren zu wollen.

Der Beamte nannte zudem die gemeinsamen Militärübungen Südkoreas mit den USA sowie die Forderungen nach einem Ende des nordkoreanischen Atomprogramms als Hindernisse für einen Dialog über Kaesong. "Wenn der Süden es ernst meint mit den Gesprächen, sollte er zunächst die konfrontative Haltung aufgeben", sagte der Sprecher.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Im Zuge der aktuell angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte Nordkorea zunächst südkoreanischen Arbeitern die Einreise in die gemeinsam von beiden Staaten betriebene Sonderwirtschaftszone, die in Nordkorea liegt, untersagt. Anschließend zog Pjöngjang seine eigenen 53.000 Arbeiter aus dem Industriekomplex ab und kündigte die vorübergehende Schließung der Anlage an. Seoul forderte Pjöngjang am Donnerstag auf, an den Verhandlungstisch zu kommen. Seit der Einrichtung der Sonderwirtschaftszone 2004 überstand der Komplex bislang beinahe jede Krise zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten.

Gleichzeitig haben Washington und Peking beschlossen, im Nordkorea-Konflikt enger zusammenarbeiten. Beide Seiten einigten sich auf unmittelbare Gespräche über die nächsten gemeinsamen Schritte. Hochrangige Vertreter der USA, darunter auch der amerikanische Generalstabschef, werden nach Angaben von US-Außenminister John Kerry bald für weitere Diskussionen nach China reisen. „Wir sagen zu Kim Jong Un und den Menschen in Nordkorea, dass sie die offensichtliche Wahl haben, uns zu folgen und eine Verhandlungslösung zu finden“, sagte Kerry nach einem Abendessen mit dem höchsten chinesischen Außenpolitiker, Staatsrat Yang Jiechi, am Samstag.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Kommentare (4)

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Gast

14.04.2013, 10:51 Uhr

Der einzige mit dem der lupenreine Demokrat reden möchte ist US Präsident Obama.

ole

14.04.2013, 13:38 Uhr

"sagte Li Keqiang offensichtlich mit Blick auf Nordkorea"? aha sind sie sich da ganz sicher?

pool

14.04.2013, 19:07 Uhr

Das Handelblatt kapriziert sich auf Wunschvorstellungen. China ruft zu nuklearer Abrüstung auf, könnte gut heissen, die USA sollten nuklear abrüsten, zumal die KP sicher weiss, welche Ansichten der Westen über Nordkoreas hegt: keine Atomwaffen.
Die chinesischen Staatsmedien haben die USA scharf für ihre Haltung zum Korea-Konflikt kritisert (gab's sogar in deutscher Übersetzung). Und Chinas Aussenminister Wang Yi hat beim Treffen mit US-Aussenminister John Kerry lediglich zur nuklearen Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel aufgerufen, nicht auf der nordkoreanischen. Yi forderte Denuklearisierung, Frieden und Dialog. „Während die Vereinigten Staaten Nordkorea eine rücksichtlose Provokation und das Ignorieren internationaler Wünsche vorwerfen, facht Washington selbst die Flammen an“, schrieb Xinhua.

Mein Reden. Oder?

Xi nannte Nordkorea oder Kim Jong-un nirgendwo explizit.

Ich denke, das wird noch ein böses Erwachen geben. China ist eine Blackbox, da sollte man weniger interpretieren und mehr nachdenken.
China will nicht mit sich reden lassen. - So wird ein Schuh draus.






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