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31.03.2013

17:19 Uhr

Konfrontationskurs

Nordkorea will Atomwaffenarsenal aufstocken

Nordkorea denkt nicht daran, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben. Der Besitz von Kernwaffen soll in ein Gesetz gegossen werden. Eine neue Strategie soll die Atomrüstung und die Wirtschaftsentwicklung vorantreiben.

Eine Militärübung in Nordkorea. dpa

Eine Militärübung in Nordkorea.

SeoulNordkorea steuert weiter auf Konfrontationskurs gegen die USA und den Rest der Welt. Der kommunistische Staat will sein Arsenal an Atomwaffen vergrößern und parallel dazu auch seine marode Wirtschaft auf Vordermann bringen.

Einen Tag nach der Erklärung des „Kriegszustands“ mit Südkorea bekräftigte das Regime in Pjöngjang am Sonntag, seine Atomwaffen seien nicht verhandelbar - auch nicht gegen „Milliarden von Dollars“. Zudem wolle das verarmte Land eine „selbstständige Atomenergieindustrie“ und einen Leichtwasserreaktor bauen, um die Probleme bei der Stromversorgung zu mildern, hieß es in den Staatsmedien.

Nordkorea: Außer Kontrolle

Nordkorea

Außer Kontrolle

Die Krise auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich zu. 60 Jahre nach Ende des Korea-Kriegs ruft der Norden erneut den Kriegszustand aus. Der russische Außenminister befürchtet: Die Situation könnte entgleisen.

Das Zentralkomitee der herrschenden Arbeiterpartei habe nach der Weisung von Machthaber Kim Jong Un beschlossen, dass der Besitz von Atomwaffen „durch Gesetz festgeschrieben“ werden solle, hieß es ohne weitere Erläuterung. Der kommunistische Staat bezeichnet sich bereits in seiner Verfassung als Atommacht.

„Die Atomstreitmacht der Volksrepublik stellt das Leben der Nation dar“, wurde Kim Jong Un am Sonntag zitiert. Das Atomwaffenarsenal solle qualitativ und quantitativ erweitert und niemals aufgegeben werden, „solange die Imperialisten und Nukleardrohungen auf der Welt existieren“.

Nordkoreas Drohungen in jüngster Zeit

23. Dezember 2010

„Die revolutionären Streitkräfte der Volksrepublik (Nordkorea) werden vollständig vorbereitet sein, nötigenfalls zu jeder Zeit einen Heiligen Krieg der Gerechtigkeit im koreanischen Stil auf der Basis der atomaren Abschreckung zu starten.“ (Minister der Streitkräfte, Kim Yong Chun)

23. März 2011

„Unserer Truppen sind bereit, jederzeit auf die Festen der psychologischen Kriegsführung zu zielen und zu schießen und in reale Kampfaktionen überzugehen, wenn wir das wollen.“ (Warnung eines Befehlshabers der Streitkräfte gegen anti-nordkoreanische Flugblattaktionen aus Südkorea)

23. April 2012

„Sie (die Truppen) werden die rattenähnliche Gruppe und die Stützpunkte der Provokationen in drei bis vier Minuten in Asche legen.“ (Nordkoreas Streitkräfte drohen mit „Spezialaktionen“ gegen die südkoreanische Hauptstadt Seoul.)

05. März 2013

„Wenn die Übungen nach dem 11. März in ihre Hauptphase treten, wird der Waffenstillstandsvertrag, der nur dem Namen nach bestanden hat, beendet sein.“ (Reaktion der Streitkräfte auf südkoreanisch-amerikanische Militärübungen)

07. März 2013

„Weil die USA einen Atomkrieg entfachen wollen, werden wir unser Recht auf einen nuklearen Präventivschlag gegen das Hauptquartier der Aggressoren wahrnehmen.“ (Ein Sprecher des Außenministeriums)

27. März 2013

„In der Situation, in der jeden Moment ein Krieg ausbrechen kann, ist die Nord-Süd-Kommunikation nicht mehr nötig.“ (Delegationsleiter für die Militärgespräche mit Südkorea kündigt Kappung der militärischen Telefonleitung zum Süden an.)

29. März 2013

„Es ist angesichts der bestehenden Lage an der Zeit, eine Rechnung mit den US-Imperialisten zu begleichen.“ (Machthaber Kim Jong Un laut Staatsmedien)

30. März 2013

Nordkorea erklärt Südkorea den Krieg. „Von diesem Moment an werden die Nord-Süd-Beziehungen in einen Kriegszustand versetzt und alle Angelegenheiten zwischen beiden werden gemäß den Vorschriften für Kriegszeiten erledigt.“ (Regierungserklärung)

Zudem bekräftigte Kim demnach, die Entwicklung der Weltraumtechnologie, darunter auch Kommunikationssatelliten, zu beschleunigen. Das Zentralkomitee habe eine neue strategische Linie verabschiedet, „um den Aufbau der Wirtschaft und der Atomstreitmacht gleichzeitig zu betreiben“.

Papst Franziskus verlangte in seiner Osterbotschaft Weltfrieden und einen neuen Geist der Versöhnung und der Harmonie mit der Schöpfung. Ausdrücklich geißelte er auch den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel, wo Nordkorea mit Kriegsrhetorik die Welt herausfordert.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich nach einem umstrittenen Raketenstart in Nordkorea im Dezember und dem dritten Atomtest des Landes im Februar deutlich verschärft. Der UN-Sicherheitsrat hatte die Sanktionen gegen Pjöngjang ausgeweitet.

Als Antwort auf die Sanktionsbeschlüsse und angesichts südkoreanisch-amerikanischer Militärübungen hatte Nordkorea zuletzt fast täglich neue Kriegsdrohungen gegen die USA und Südkorea ausgestoßen. Am Samstag hatte das Regime erklärt, dass alle Angelegenheiten zwischen beiden koreanischen Staaten ab sofort „nach den Vorschriften für Kriegszeiten“ behandelt würden.

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Am Freitag hatte Nordkoreas Machthaber nach Berichten der staatlichen Medien per Befehl die strategischen Raketen des Landes für mögliche Angriffe in Bereitschaftsstellung versetzt. Der Befehl wurde als Reaktion auf Übungsflüge zweier Tarnkappenbomber der US-Luftwaffe über Südkorea verstanden.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Icke79

31.03.2013, 17:48 Uhr

Wenn man im Studium nur Comics studiert, dann kommt halt sowas bei raus....

WFriedrich

31.03.2013, 17:55 Uhr

Die Befreiung der Bevölkerung in Nordkorea ist längst überfällig. Die katastrophale Lage der Menschen müsste eigentlich die gesamte Welt provozieren. Ich bedaure, dass dem Spuk dort kein schnelles Ende bereitet wird, weil sich in der Region zahlreiche Interessen Dritter kreuzen: Südkorea müsste nach der Befreiung des Nordens mit gigantischen finanziellen Lasten rechnen und seinen Wohlstand auf unabsehbar lange Zeit teilen; Russland und China befürchten wohl das Heranrücken von USA-Stützpunkten; asiatische Volkswirtschaften sind am Heranwachen eines neuen konkurrierenden Wirtschaftsgiganten nicht interessiert. In dieser Gemengelage gedeiht die nordkoreanische Despotie in erschreckendem Ausmaß. (...)
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wenkar

31.03.2013, 18:09 Uhr

Bei dem Thema Atomrüstung Iran gibt es eine Deadline, die nicht überschritten werden darf. Nordkorea kann trotz massiver direkter Drohungen, ja sogar Kriegserklärungen, sein Atompotential ständig erweitern?!

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