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14.01.2009

16:31 Uhr

Konjunktur

Deutschland fällt hinter China zurück

China hat Deutschland als drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt abgelöst. Doch sind die wirtschaftlichen Aussichten alles andere als rosig. Angesichts der Weltwirtschaftskrise schwanken die Vorhersagen für China in diesem Jahr zwischen fünf und acht Prozent Wachstum.

Mit den neuen Zahlen hat sich China nach Berechnungen von Experten zwar hinter die USA und Japan auf Platz drei geschoben. Foto: dpa Quelle: dpa

Mit den neuen Zahlen hat sich China nach Berechnungen von Experten zwar hinter die USA und Japan auf Platz drei geschoben. Foto: dpa

HB PEKING. Das Statistikamt in Peking korrigierte am Mittwoch das Wachstum für 2007 nachträglich von 11,9 auf 13 Prozent nach oben. Das ist der größte Anstieg seit 1993. Der neu kalkulierte Umfang des Bruttoinlandsproduktes wurde mit 25,73 Billionen Yuan (derzeit 2,8 Billionen Euro) und damit um 3,1 Prozent oder 777,6 Mrd. Yuan höher als bisher angenommen angegeben. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt erreichte auch 2008 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nominal knapp 2,49 Billionen Euro.

Mit den neuen Zahlen hat sich China nach Berechnungen von Experten zwar hinter die USA und Japan auf Platz drei geschoben, doch sind die wirtschaftlichen Aussichten alles andere als rosig. Angesichts der Weltwirtschaftskrise schwanken die Vorhersagen für China in diesem Jahr zwischen fünf und acht Prozent Wachstum. Das chinesische Statistikamt wollte sich zu Chinas neuer Position in der Welt zunächst nicht äußern. Erst müssten die nächste Woche erwarteten Wachstumszahlen für 2008 und die Wechselkursberechnungen abgewartet werden. „Bislang haben wir noch keine Schlussfolgerungen gezogen“, sagte ein Sprecher.

Die Weltbank in Peking bestätigte gleichwohl grundsätzlich die Kalkulation, dass China 2007 an Deutschland vorbeigezogen sein dürfte. „Soweit ich das einschätzen kann, ist die Herangehensweise der Berechnung im wesentlichen korrekt, aber wir müssten die Zahlen noch zusätzlich prüfen“, sagte Weltbank-Ökonom Ardo Hanssen. Experten gehen davon aus, dass durch den jetzt höheren Basiswert für 2007 auch mit einem noch geringeren Wachstum 2008 gerechnet werden muss. Bisher waren acht bis neun Prozent vorhergesagt worden. Die Exporte waren zum Jahresende aber stark eingebrochen. Die geringere wirtschaftliche Aktivität zeigt sich auch in einem deutlichen Rückgang des Energieverbrauchs in China, auf den die Betreiber des Stromnetzes, China State Grid, am Mittwoch hinwiesen.

Der Experte Stephen Green von der Standard Chartered Bank in Shanghai folgerte nicht nur aus den neuen Daten der Statistiker, dass China bereits Deutschland auf Platz drei überholt haben dürfte. „Da inoffizielle wirtschaftliche Aktivitäten in China größer sind als in Deutschland, ist das wahrscheinlich schon vor längerer Zeit geschehen“, sagte Green. Die Größe des Bruttoinlandsprodukt sei am Ende allerdings „kein Wettrennen“, da der Wohlstand eines Landes eher am Pro-Kopf-Einkommen gemessen werde, sagte Green. Hier lag Deutschland 2007 auf Platz 23, während China nur auf Rang 132 kam.

Die bereits zweite Korrektur der Daten für 2007 durch das Statistikamt zeigt nach Ansicht von Professor Yuan Gangming von der Peking Universität, dass die Statistiker möglicherweise die Überhitzung der chinesischen Wirtschaft verdecken wollten. „Jetzt können sie uns die Wahrheit sagen“, sagte Yuan Gangming. Auch nach seiner Einschätzung lässt sich heute sagen, dass China mit dem höheren Bruttoinlandsprodukt an Deutschland vorbeigezogen ist.

Die chinesische Regierung beschloss unterdessen hat am Mittwoch ein Konjunkturpaket, mit dem sie die erlahmende Auto-Nachfrage wieder ankurbeln will. So wird bis zum Jahresende die Steuer für den Kauf von Neuwagen unter 1,6 Liter Hubraum auf fünf Prozent halbiert. Außerdem sollen Bauern, die von ihren dreirädrigen Fahrzeugen auf Kleinwagen umsteigen wollen, Zuschüsse in einer Gesamthöhe von fünf Mrd. Yuan (rund 550 Mio. Euro) erhalten.

Außerdem will der Staat in den nächsten drei Jahren die Entwicklung neuer Technologien in der Autoindustrie und alternativer Antriebe mit zehn Mrd. Yuan (1,1 Mrd. Euro) fördern. Außerdem wurden Maßnahmen zu einem Umbau der Stahlindustrie, zur Energieeinsparung und Anreize für den Privatkonsum angekündigt, ohne Einzelheiten zu nennen.

Die Regierung hatte im November ein Konjunkturpaket in Höhe von vier Billionen Yuan (440 Mrd. Euro) angekündigt, mit dem sie die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise auf China abmildern will.

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