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21.12.2015

10:58 Uhr

Konjunktur

Kaufkraft der Deutschen steigt

Die Deutschen verdienen 2015 deutlich mehr. Die Löhne stiegen wohl so stark wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Doch es liegt nicht nur an ihrem Verdienst, dass die Deutschen in diesem Jahr mehr Geld in der Tasche haben.

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WiesbadenDie Kaufkraft der Beschäftigten in Deutschland wird 2015 so stark steigen wie seit Jahren nicht. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres lagen die Reallöhne um durchschnittlich 2,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraumes, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen – wovon auszugehen ist –, dürfte der bisherige Rekord aus dem vergangenen Jahr übertroffen werden.

Bedingt durch die niedrige Inflation und eine gute Lohnentwicklung lag der sogenannte Reallohnindex des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2014 bei 1,7 Prozent. Nach der Wiedervereinigung hatte der Index einzig 1992 mit 4,9 Prozent höher gelegen – allerdings sind die Werte nicht eins zu eins vergleichbar, da die Statistiker seit 2007 eine andere Messmethode verwenden.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Die Löhne stiegen laut Statistik in den ersten neun Monaten dieses Jahres kräftig: um durchschnittlich 2,8 Prozent. Die Verbraucherpreise dagegen kletterten nur minimal um 0,2 Prozent nach oben. Real blieb somit ein Plus von 2,6 Prozent in der Tasche – durch genaues Rechnen und Rundungen kommen die Statistiker auf 2,5 Prozent.

Besonders kräftig wuchsen laut Statistik die Bruttolöhne bei Beschäftigten mit eher unterdurchschnittlichen Gehältern: Bei ungelernten Arbeitnehmern stieg der Bruttolohn im dritten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Schnitt um 3,9 Prozent – über alle Beschäftigungsklassen hinweg stieg der Bruttolohn dagegen nur um 2,6 Prozent. In welchem Maße der gesetzliche Mindestlohn für diese Entwicklung verantwortlich ist, lässt sich laut Statistischem Bundesamt aber nicht genau beziffern.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst eines Vollzeitbeschäftigten ohne Sonderzahlungen lag laut Statistik im dritten Quartal dieses Jahr bei 3.624 Euro. Es gibt aber große Unterschiede je nach Branche: Während Beschäftigte in der Energieversorgung monatlich 4.867 Euro brutto verdienten, lag der Durchschnittsverdienst in der Gastronomie bei 2.178 Euro.

Mit dem Nominallohnindex erfasst das Statistische Bundesamt die Veränderungen der Bruttomonatsverdienste von Arbeitnehmern. Der Reallohnindex stellt die Veränderung der Verdienste der Inflation gegenüber und liefert somit Erkenntnisse über die tatsächliche Kaufkraft der Beschäftigten.

Von

afp

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