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20.06.2011

18:38 Uhr

Konjunktur

US-Ökonom warnt vor Politik des lockeren Geldes

ExklusivUS-Ökonom Raghuram Rajan warnt vor ultraniedrigen Zinsen. Er verlangt, dass sich Politik und Wirtschaft um effektiverer Wege bemühen, um einen Weg aus der schwachen Konjunktur zu finden.

Raghuram Rajan. Quelle: Reuters

Raghuram Rajan.

Weil die Konjunktur in den USA sich abzuschwächen droht, rechnet Raghuram Rajan, Professor an der University of Chicago, mit dem baldigen Ruf nach Maßnahmen der Zentralbank, die Geldmenge zu erhöhen. Der US-Ökonom warnt im morgigen Handelsblatt eindringlich davor, die Zinsen ultraniedrig zu halten oder gar die Notenpresse anzuwerfen.

Niedrig gehaltene Zinsen, so Rajan, bestraften die Sparer und subventionierten diejenigen, die das Geld ausgeben. Keine Regierung käme aber doch auf den Gedanken, Konjunkturimpulse zu erhoffen, wenn sie den Preis für Realgüter nach unten drückte – „jeder Gewinn für die Verbraucher ist ein Verlust für die Produzenten, und sofern der Marktpreis fair ist, würde dieser Verlust den Gewinn in der Regel überwiegen. Warum also sollte das bei Ersparnissen anders sein?“

Auch das Argument, dass die Kapitalkosten gesenkt werden müssten, lässt Rajan nicht gelten – liegen die Zinsen doch derzeit auf einem historisch niedrigen Niveau. Hohe Subventionen würden die Unternehmen sicher dazu bringen, mehr zu investieren: „Aber sollten wir uns nicht fragen, ob es einen effektiveren Weg gibt, um die Probleme zu lösen, die sie davon abhalten?“, fragt der Ökonom.

Kritisch setzt sich Rajan mit dem Gedanken auseinander, niedrige Zinsen brächten die Konsumenten dazu, ihr Geld auszugeben, statt es zu horten: Wenn traditionelle Sparer wie Unternehmen und junge Familien nicht bereit oder in der Lage sind, das billige Geld zu nutzen, könnte sich dies sogar negativ auf die Gesamtausgaben auswirken, weil bestimmte Sparer wie etwa Ruheständler niedrigere Finanzerträge erzielen und daher ihre Ausgaben einschränken.

Die „normalen“ Gefahren der Inflation und der falschen Anreize kämen noch hinzu, schreibt Rajan und kommt zu dem Schluss: „Die USA müssen eine Menge tun, um ein nachhaltiges Wachstum herbeizuführen, etwa die Qualität ihrer Arbeitnehmer und Infrastruktur verbessern. Eine lockere Geldpolitik aber gehört nicht dazu.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.06.2011, 19:08 Uhr

Blitzmerker!

Jeder Depp, der 1 und 1 zusammenzählen kann, weiss, dass das nicht gut ist!

Aber es gibt keinen Ausweg mehr, bis zum finalen Ende

no.7

20.06.2011, 21:31 Uhr

Naja,gerade diese lockere geldpolitik wurde aber die letzten jahre gemacht und wurde bis zum heutigen Tag zum Exzess getrieben. Also wie stellt er sich den umstieg auf eine normale geldpolitik vor. Schraubt doch mal die zinsen hoch, dann könnt ihr den kollektiven Bankrott ausrufen. Wenn es dabei bleibt, daß die Gelddruckmaßnahmen auslaufen, wird die wallstreet einen erheblichen einbruch erleiden. Das ganze irrsinns-system des wachstumswahns ist doch überdreht bis über alle grenzen. wie soll ein total-crash vermieden werden, insbesondere wo jetzt schon das wachstum kraftlos abbricht. Das sind fragen, für die Rajan keinerlei antwort hat. Für sich genommen sind seine aussagen natürlich richtig: es ist völlig falsch und kurzsichtig, wie die USA zur Zeit wirtschaften. konsumgier, billiges geld und bequemlichkeitswahn allein reichen eben auf dauer nicht aus, um wachstum zu bekommen.

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