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11.03.2012

09:24 Uhr

Konjunktur

Wiederaufbau zieht Japan aus der Rezession

VonMartin Kölling

Die japanische Volkswirtschaft wurde durch die Folgen des Tsunami massiv zurückgeworfen. Doch nun zeigt sich, dass die Milliarden-Hilfsgelder vom Staat in den zerstörten Gebiete auch für neues Wachstum sorgen.

Arbeiter laden auf einem Abladeplatz in Hirono, Japan, einen Sack mit radioaktiv verstrahlter Erde ab. dapd

Arbeiter laden auf einem Abladeplatz in Hirono, Japan, einen Sack mit radioaktiv verstrahlter Erde ab.

TokioDas Jahr 2012 beginnt für Japans Wirtschaft mit einem Paukenschlag. Im Januar verbuchte das Land das größte Leistungsbilanzdefizit seit Beginn der Aufzeichnungen 1985. 437 Milliarden Yen (4,1 Milliarden Yen) flossen unter dem Strich laut der Statistik des Finanzministeriums aus dem Land, über drei Mal mehr als der bisherige Minusrekord. Denn Japan muss derzeit so viel Erdöl und -gas importieren, um mit konventionellen Kraftwerken die abgeschalteten Atomkraftwerke zu ersetzen, dass die Kapitalzuflüsse aus Übersee nicht ausreichen, das Handelsbilanzdefizit zu decken.

In Japan löste die Nachricht allerdings an den Märkten kaum mehr als ein Schulterzucken aus. Der Yen sackte ab, die Aktienkurse stiegen. Denn die Märkte erwarten, dass der Wiederaufbau der Trümmerküste Japan dieses Jahr in die am schnellsten wachsende alte Industrienation verwandeln wird.

Haben die Schäden des Bebens und die Atomkatastrophe, die negativen Auswirkungen sowie der Höhenflug des Yen die Wirtschaft 2011 nach gestern revidierten Daten um 0,7 Prozent schrumpfen lassen, erwarten viele Volkswirte für dieses Jahr Wachstumsraten um zwei Prozent. Der wichtigste Wachstumsmotor ist dabei ein beispielloses Hilfspaket der Regierung für den Nordosten.

Häuser, Straßen, Dämme, Gleise – an der 450 Kilometer langen Küsten muss in vielen Ortschaften, die der Tsunami zerstört hatte, oft die gesamte Infrastruktur wieder aufgebaut werden. Und die notwendigen Investitionen sind so hoch, dass sie auf die gesamte Volkswirtschaft ausstrahlen werden.

Rund 20.900 Milliarden Yen (rund 209 Milliarden Euro) hat die Regierung in drei Nachtragshaushalten und - vorbehaltlich der Zustimmung des Parlaments - dem Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2012, das im April beginnen wird, bereits auf den Weg gebracht. Dies entspricht 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2010.

Kommentare (1)

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SteuerKlasseEins

09.03.2012, 19:53 Uhr

Eins ist sicher: die panische Abschaltung der unbeschädigten AKW in Japan hat der japanischen Wirtschaft sicher nicht geholfen. (Sie war auch nicht sicherheitstechnisch gerechtfertigt und rein grün-ideologisch.) Es wird seitdem massiv Erdgas importiert und verheizt - ähnlich wie hierzulande.

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