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06.10.2013

16:27 Uhr

Konjunkturerholung

Starke Exporte helfen Österreich

VonHans-Peter Siebenhaar

Österreich muss sparen. Sonst läuft das Haushaltsdefizit aus dem Ruder, warnen die beiden wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes. Die neue Regierung wird sich mit Wahlgeschenken zurückhalten müssen.

Der Prater in Wien: Österreich muss sich bei seinen Staatsausgaben zurückhalten . dpa

Der Prater in Wien: Österreich muss sich bei seinen Staatsausgaben zurückhalten .

WienNoch ist in Österreich politisch nicht ausgemacht, ob es zu einer Neuauflage der Großen Koalition von SPÖ und ÖVP unter Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) kommen wird. Die Hausaufgaben der Wirtschaftsinstitute für die neue Regierung liegen aber auf dem Tisch. Die beiden führenden Wirtschaftsinstitute des Landes, das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS), empfehlen der künftigen Wiener Regierung einen strikten Sparkurs, um auf dem Pfad des Schuldenabbaus zu bleiben, eine Senkung der Steuerbelastung und eine Verringerung der international hohen Staatsquote.

„Es ist wichtig, dass die Regierung zusätzliche Sparanstrengungen unternimmt“, sagte IHS-Chef Christian Keuschnigg in Wien. Die Wirtschaftsforscher sind zuversichtlich für die politische Entwicklung des Landes. Sie prognostizieren für nächstes Jahr ein staatliches Defizit von 1,6 bis 1,7 Prozent.

Reichsten Euro-Länder nach Nettovermögen

Nettohaushaltsvermögen

Als Haushaltsvermögen gelten alle privaten Besitztümer der Menschen innerhalb eines Haushalts - also Sparbücher, Konten aber auch Lebensversicherungen und vor allem Immobilienvermögen. Die EZB-Studie zeigt nun erstmals, wie das Haushaltsvermögen in den Euro-Staaten aufgeteilt ist. Die Daten stammen aus den Jahren 2008 bis 2010. Nicht einbezogen sind die Euro-Länder Irland und Estland, da die Erhebung der Daten bereits begann, als die beiden Staaten den Euro noch gar nicht eingeführt hatten.

Platz 15: Slowakei

Mit einem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen von nur 79.700 Euro ist die Slowakei das traurige Schlusslicht innerhalb der erhobenen Euro-Länder. Damit hat das kleine Land, das zwischen Polen und Ungarn liegt, in dem zwar 1,4 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone liegen, nur 0,5 Prozent des Vermögens.

Platz 14: Griechenland

Der reiche Grieche ist ein Mythos. Der Großteil der griechischen Haushalte ist arm: Mit nur 147.800 Euro Nettovermögen liegen die griechischen Haushalte weit unter dem Durchschnitt in der Euro-Zone von 230.800 Euro. Obwohl Griechenland drei Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone stellt, besitzen die Menschen dort nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 13: Slowenien

In Slowenien liegt das durchschnittliche Nettohaushaltvermögen bei 148.700 Euro und damit nur wenige tausend Euro höher als das der Griechen. Doch Slowenien ist ein kleines Land: Die 0,6 Prozent der Haushalte halten 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 12: Portugal

Auch im Krisenland Portugal besitzen die Menschen nicht viel, im Durchschnitt 152.900 Euro je Haushalt. Damit besitzen die portugiesischen Haushalte, die 2,8 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone darstellen, nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 11: Finnland

161.500 Euro besitzen die finnischen Haushalte im Durchschnitt, damit reicht es im Vergleich unter den Euro-Ländern für Platz Elf. Die Finnen halten mit 1,8 Prozent der europäischen Haushalte 1,3 Prozent des Vermögens.

Platz 10: Niederlande

Auch unsere holländischen Nachbarn liegen unter dem EU-Durchschnitt. 170.200 Euro beträgt dort das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen. Damit haben die Niederländer zwar 5,3 Prozent der Haushalte in der Euro-Zone, aber nur 4,0 Prozent des Vermögens.

Platz 9: Deutschland

Für Deutschland, stärkste wirtschaftliche Kraft innerhalb der Euro-Zone, reicht es im Vergleich der Haushaltsvermögen nur für Platz Neun: Durchschnittlich 195.200 Euro besitzen die deutschen Haushalte - und liegen damit unter dem Euro-Zonen-Durchschnitt von 230.800 Euro. 28,7 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Deutschland, aber trotzdem nur 24,3 Prozent des Vermögens.

Platz 8: Frankreich

Frankreich steht besser da als Deutschland. Durchschnittlich 233.400 Euro beträgt dort das Nettovermögen der Haushalte und liegt damit leicht über dem Mittelwert der Euro-Zone. 20,2 Prozent der Haushalte halten 20,3 Prozent des Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 7: Österreich

265.000 Euro besitzen österreichische Haushalte im Durchschnitt an Vermögen. Damit haben die Österreicher anteilig mehr Vermögen als Haushalte der Euro-Zone: 2,7 Prozent der Haushalte besitzen 3,1 Prozent des Vermögens.

Platz 6: Italien

Auch das Krisenland Italien liegt deutlich über dem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen der Euro-Zone: 275.200 Euro an Vermögen haben die italienischen Haushalte im Durchschnitt angehäuft. Damit machen sie zwa rnur 17,2 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone aus, halten aber 20,6 Prozent des Vermögens.

Platz 5: Spanien

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit besitzen auch die spanischen Haushalte noch viel Vermögen, durchschittlich 291.400 Euro. Die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2008. Damals besaßen die spanischen 12,3 Prozent der Haushalte innerhalb der Euro-Zone rund 15,6 Prozent des Vermögens.

Platz 4: Belgien

In Belgien liegt das Nettohaushaltseinkommen durchschnittlich bei 338.600 Euro - und damit weit über dem der Nachbarländer Niederlande oder Deutschland. 3,4 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Belgien, dort sammelt sich aber 5,0 Prozent des Vermögens.

Platz 3: Malta

Die bevölkerungsärmsten Euro-Länder haben die reichsten Haushalte. Mit 366.000 Euro Durchschnittsvermögen liegen die Haushalte auf der kleinen Mittelmeerinsel auf Platz drei. 0,1 Prozent der Haushalte der Euro-Zone sind auf der Insel zu finden - aber auch 0,2 Prozent des Vermögens.

Platz 2: Zypern

670.900 Euro Vermögen besitzen die Haushalte in Zypern im Durchschnitt - fast das dreifache des Mittelwerts der Euro-Zone, der bei 230.800 Euro liegt. Damit häuft sich bei den 0,2 Prozent der Haushalte der Euro-Zone rund 0,6 Prozent des Vermögenbesitzes.

Platz 1: Luxemburg

Die Luxemburger sind jedoch noch fast 40.000 Euro reicher als die Zyprioten: 710.100 Euro Vermögen besitzen die luxemburgischen Haushalte - und damit 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb Euro-Zone, auch wenn sich nur 0,1 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone in Luxemburg befinden. Das Großherzogtum hat damit unbestritten das höchste Nettohaushaltsvermögen.

Für die Alpenrepublik sehen die Experten erste Zeichen für eine nachhaltige Konjunkturerholung. Für dieses Jahr erwarten die Institute ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen 0,4 bis 0,5 Prozent. Im nächsten Jahr soll es bereits bei 1,7 bis 1,8 Prozent liegen.

Der Motor der positiven Entwicklung ist die Exportwirtschaft. „Der Außenhandel rettet die Konjunktur“, sagte IHS-Chef Christian Keuschnigg. Der Wirtschaftsprofessor erwartet, dass die österreichischen Warenexporte 2014 um 6,8 Prozent steigen werden. Ein Problem bleibe aber weiter die schwache Binnennachfrage. Das spiegelt auch die Kreditnachfrage. Das Volumen der Direktkredite in Österreich stagniert seit 2012. Erst im nächsten Jahr wird ein Anstieg erwartet.

Das in Österreich viel diskutierte Thema Inflation stellt mittlerweile kein Problem mehr da. „Die Inflation ist nicht mehr dramatisch“, sagt Wifo-Chef Karl Aiginger. Die Wirtschaftsforscher prognostizieren ein weiteres Absinken der Inflationsrate. In diesem Jahr soll die Preise noch um 2,1 Prozent steigen. 2014 sinke die Inflationsrat aber auf unter zwei Prozent.

Die Arbeitslosenquote des Alpenlandes wird im EU-Vergleich weiter auf einem niedrigen Niveau verharren. Die Institute erwarten für 2013 und 2014 eine Quote der Beschäftigungslosen von 7,6 Prozent.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.10.2013, 20:14 Uhr

"Österreich muss sparen. Sonst läuft das Haushaltsdefizit aus dem Ruder, warnen die beiden wichtigsten "

Den selben Mist erzählt man den Deutschen auch, während zeitgleich darüber nachgedacht wird dass alle Welt am besten in D Sozialhilfe, LEistungen usw usw bekommt bis nichts mehr geht. Ein Blick nach Berlin oder Wien reicht doch um zu sehen dass hier etwas gewaltig nicht mehr stimmt...

Achja und Exporte? Was bringen uns denn all die Exporte wenn man den Importländern die Kohle vorher zuschicken muss damit Sie zukünftig ihre Rechnungen bezahlen können?

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