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04.01.2011

11:55 Uhr

Konjunkturhilfen

Schmierstoff für die Weltwirtschaft

VonDirk Heilmann

Dank staatlicher Konjunkturhilfen laufen die vier Zylinder des globalen Wachstumsmotors – die USA, Japan, die EU und die BRIC-Staaten – wieder leidlich rund. Vor allem die Industrienationen müssen 2011 aber beweisen, dass sie auch aus eigener Kraft wachsen können. Den Schwellenländern hingegen droht eine Überhitzung.

Händler an der New Yorker Börse: Ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung geht auf das Konto der USA Quelle: dpa

Händler an der New Yorker Börse: Ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung geht auf das Konto der USA

DÜSSELDORF. Wäre die Weltwirtschaft ein Auto, dann hätte sie einen Vierzylindermotor. Die vier Zylinder sind die USA, die Europäische Union, Japan und die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Im Krisenjahr 2009 waren drei Zylinder ausgefallen, und nur mit Hilfe der BRIC-Staaten schleppte sich die Weltwirtschaft in die Reparaturwerkstatt. 2010 funktionierten alle vier Zylinder leidlich, vor allem dank reichlicher Zugabe von Schmierstoff in Form staatlicher Konjunkturhilfen. Doch allmählich geht den Staaten dieser Schmierstoff aus, und die Weltwirtschaft muss zeigen, dass sie wieder aus eigener Kraft vorankommt. Ob das gelingt, ist die große Frage des Jahres 2011.

Die größte Wirtschaftsmacht als einzelnes Land sind nach wie vor die USA mit einem Anteil von gut einem Viertel an der globalen Wirtschaftsleistung. Sie werden 2011 nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ihr aktuelles Tempo in etwa beibehalten und um gut zwei Prozent wachsen. Die Ängste vor einem Rückfall in die Rezession, die den Sommer und Herbst über groß waren, sind in den Hintergrund getreten. Das liegt vor allem daran, dass die US-Notenbank Fed noch einmal 600 Milliarden Dollar in die Wirtschaft pumpt und die Regierung Steuererleichterungen mit einem Volumen von 850 Milliarden Dollar verlängert hat. Solcherart geschmiert, könnte der Wachstumsmotor USA nach jüngsten Schätzungen von Ökonomen durchaus auch drei Prozent Plus schaffen.

Einen Wirtschaftsblock ähnlicher Größe bildet die Europäische Union. Hier dürfte Deutschland 2011 die ungewohnte Rolle des Zugpferds behalten. Auch hier sind die Prognosen zuletzt von den zwei Prozent des IWF in Richtung drei Prozent gestiegen. Aber im Gegensatz zu den USA schafft Deutschland das, obwohl der Staat sich aus der Konjunkturförderung zurückzieht und spart. In der EU gibt es aber auch die wohl einzigen Staaten, die 2011 mit einem Minus abschließen dürften, allen voran Griechenland. Ihre Etatsanierung würgt die Konjunktur ab, und das zieht auch die EU insgesamt auf eine magere Wachstumsrate herunter.

Ein Totalausfall droht Japan zu werden, das immer noch einen Anteil von knapp zehn Prozent an der globalen Wirtschaftsleistung hat. Hier ist die Gefahr eines Rückfalls in die Rezession noch deutlich größer als in den USA. Kräftige Konjunkturstützen der Regierung und der Notenbank haben die seit langem antriebsschwache Wirtschaft des Landes auf eine Wachstumsrate von rund drei Prozent getrieben, doch 2011 droht ein Absturz auf rund ein Prozent.

Als stabilisierende Kraft haben sich die großen Schwellenländer der BRIC-Gruppe erwiesen. Ihr Anteil an der Weltwirtschaft liegt nun bald bei einem Fünftel. Vor allem China hat mit einer Wachstumsrate von rund zehn Prozent Kurs gehalten, wenn auch nur mit massiver Staatsintervention. Nun muss Peking die Wirtschaft abkühlen – eine heikle Aufgabe. Bremst der Staat zu sehr, hätte das negative Folgen für die ganze Welt. Die Prognosen gehen aber von anhaltender Dynamik in den BRIC-Staaten aus.

Das größte Risiko ist wohl, dass sich die Euro-Schuldenkrise weiter zuspitzt und womöglich die Währungsunion platzen lässt. Das hätte unabsehbare Folgen für das Wachstum in der EU – und das Potenzial, neue Schockwellen durch das globale Finanzsystem zu senden. Dem Automobil Weltwirtschaft drohte dann der Kolbenfresser.

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