Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.08.2014

13:33 Uhr

„Konkurrenz der Krisen“

Irak reduziert Spendenbereitschaft für Syrien

Weinende Mütter, hungernde Kinder – die Bilder von Krisenherden dieser Welt gleichen sich, die Ursachen sind andere. Helfer wissen: Für Opfer von Naturkatastrophen wird mehr gespendet als für Bürgerkriegsflüchtlinge.

Ein Flüchtlingslager an der türkisch-irakischen Grenze: Die derzeitigen Krisen im Irak und im Gazastreifen überschatten andere Krisenherde der Welt. dpa

Ein Flüchtlingslager an der türkisch-irakischen Grenze: Die derzeitigen Krisen im Irak und im Gazastreifen überschatten andere Krisenherde der Welt.

BerlinDurch die akuten Krisen im Irak und im Gazastreifen ist die Spendenbereitschaft der Deutschen für die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge stark gesunken. „Wir beobachten aktuell so etwas wie eine Konkurrenz der Krisen, die nicht nur uns betrifft, sondern auch andere Hilfsorganisationen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von World Vision in Deutschland, Christoph Waffenschmidt, am Dienstag in Berlin.

„Wie wir erfahren haben, plant auch die Bundesregierung, ihre Mittel für die Syrien-Hilfe 2015 zu kürzen – das darf nicht geschehen“, sagte Waffenschmidt bei der Vorstellung der Jahresbilanz der christlichen Hilfsorganisation. Die überwiegende Mehrheit der 1,4 Millionen syrischen Flüchtlingskinder im Libanon, in Jordanien und der Türkei besuche derzeit keine Schule.

„Da wächst eine verlorene Generation heran“, warnt die Organisation. Ähnlich gering wie im Falle Syriens sei das Spendenaufkommen derzeit auch für Hilfsprojekte im Südsudan. In dem Staat, der erst vor drei Jahren unabhängig geworden war, drohe schon im September eine große Hungersnot. „Bisher konnten wir für unsere Projekte im Südsudan nur gut 150.000 Euro sammeln“, erklärte der Vorstandsvorsitzende.

Dschihadisten: Verbände fordern Freilassung von 130 verschleppten Schülern

Dschihadisten

Verbände fordern Freilassung von 130 verschleppten Schülern

Freiheit für die Kinder: Dafür setzen sich die Unicef und HRW ein und fordern Dschihadisten zu Freilassung der über 100 Schülern auf. Sie wurden vor einem Monat in Syrien verschleppt. Einige von ihnen konnten fliehen.

Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist laut World Vision bei Naturkatastrophen sehr groß. Wenn Menschen durch bewaffnete Konflikte in Not gerieten, seien die Spender dagegen eher zögerlich. „Sie sind verunsichert, weil sie oft nicht genau wissen, wer in einem Konflikt die Schuldigen sind“, erklärte Waffenschmidt.

Seine Organisation habe nach dem verheerenden Taifun Haiyan auf den Philippinen binnen zwei Monaten genauso viel Spenden gesammelt wie innerhalb von zwei Jahren für die Opfer des Syrien-Konfliktes gespendet worden sei.

Dieses Spenderverhalten ist nach Angaben von World Vision auch der Grund dafür, dass die Einnahmen der Organisation im vergangenen Jahr als es weniger Naturkatastrophen gab als 2012 – von 82,3 auf 80,5 Millionen Euro sanken. Für 2014 wird mit 85 Millionen Euro gerechnet.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×