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29.09.2013

16:16 Uhr

Konkurrenz für Hongkong

Die große Freiheit in Shanghai

VonFinn Mayer-Kuckuk

China experimentiert mit freien Märkten. Der Kurs der Währung soll sich bewegen, und sogar das Internet will die chinesische Regierung in der Freihandelszone von Shanghai öffnen.

ShanghaiDie chinesische Regierung beginnt eine neue Runde von Experimenten mit freien Märkten. Am Sonntag hat in Shanghai ein ehrgeiziges Projekt begonnen, mit dem das Schwellenland sich mehr denn je gegenüber der Welt öffnet: Die Einrichtung einer Freihandelszone, in der zahlreiche Regulierungen außer Kraft gesetzt sind.

„Die Initiativen betreffen Schlüsselbereiche der Wirtschaft“, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ganz unterschiedliche Sektoren wie Finanzen, Handel und Industrie können in der 29 Quadratkilometer großen Sonderzone auf neue Freiheiten hoffen.

Die Regierung unter Premier Li Keqiang will Chinas Wirtschaft fundamental umgestalten. Statt Schwerindustrie, Bau und Billigproduktion sollen künftig Kreativität und Dienstleistungen sowie der freie Markt eine größere Rollen spielen. Die Freihandelszone in Shanghai ist das erste sichtbare Großprojekt für das neue Konzept.

Was sich China in diesem Jahr wirtschaftlich vornimmt

Wachstum

Die Wirtschaft soll in diesem Jahr um 7,5 Prozent wachsen. Das wäre ein Tick weniger als im vergangenen Jahr, in dem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 7,8 Prozent so langsam anzog wie seit 13 Jahren nicht mehr. "Das Wachstumsziel von rund 7,5 Prozent ist notwendig und angemessen", heißt es. "Und wir müssen hart arbeiten, um es zu erreichen." Zu schaffen macht dem Exportweltmeister die Flaute auf seinen wichtigsten Märkten Europa und USA. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen für 2013 mit einem BIP-Zuwachs von 8,1 Prozent und sind damit etwas optimistischer als die Regierung.

Investitionen

Um unabhängiger vom Ausland zu werden, will der Staat mehr investieren und auch Unternehmen dazu ermutigen. "Die Rolle der Investitionen für das Wirtschaftswachstum darf nicht unterschätzt werden." Um vor allem privaten Investoren das Geldausgeben zu erleichtern, sollen sie einen leichteren Marktzugang erhalten. Dazu sollen die Kontrollen weiter gelockert werden.

Inflation

Die Entwicklung der Preise beobachtet die Partei- und Staatsführung mit Argusaugen, weil eine starke Teuerung Unruhe in der Bevölkerung schürt. "Es gibt vergleichsweise großen Inflationsdruck in diesem Jahr", warnt sie. Davon betroffen seien Nahrungsmittel ebenso wie Arbeit und Dienstleistungen. Da große Länder ihre lockere Geldpolitik fortsetzen oder sogar ausdehnen wollen, bestehe die Gefahr einer importierten Inflation.

Handel

Der Handel soll mit acht Prozent in diesem Jahr schneller wachsen als die Wirtschaft insgesamt. "Wir sollten sowohl die Exporte stabil halten als auch die Importe ausbauen", heißt es. Preis- und Kostenvorteile sollen nicht mehr dominieren, sondern wettbewerbsfähige Produkte die Kunden überzeugen. Außerdem sollen die Unternehmen aktiver im Ausland werden.

Währungspolitik

Die Rolle der heimischen Währung Yuan soll gestärkt werden, indem schrittweise "marktorientierte Reformen" der Wechselkurs- und Geldpolitik umgesetzt werden. "Wir werden den Einsatz des Yuan in länderüberschreitenden Handelsgeschäften ausdehnen." Von einer raschen Freigabe des Wechselkurses, der an den Dollar gekoppelt ist und nur leicht schwanken darf, ist aber nicht die Rede. Vor allem die USA halten den Yuan für massiv unterbewertet und werfen China vor, sich so Vorteilte im internationalen Wettbewerb zu verschaffen.

Immobilien

"Wir werden Spekulationen und spekulative Nachfrage eindämmen", verspricht die Führung in Peking. Gleichzeitig soll es mehr günstigen Wohnraum geben - etwa 4,7 Millionen Einheiten sollen neu entstehen, der Bau von weiteren 6,3 Millionen in Angriff genommen werden.

Korruption

Dieses Problem soll stärker angegangen werden. "Wir wollen Korruption hart bekämpfen, die politische Integrität stärken und Institutionen bilden, die die übermäßige Konzentration von Macht und den Mangel an Machtkontrolle beenden", wird versprochen.

Energieverbrauch

Auch hier will China vorankommen. Sowohl der Energieverbrauch als auch der Kohlendioxidausstoß im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sollen um mehr als 3,7 Prozent gesenkt werden. Die größten Energieverbraucher sollen über ein Online-System überwacht werden.

„Sie ist eine der größten Herausforderungen für Premier Li“, sagt Ökonom Jian Chang von Barclays Capital. „Die Freihandelszone wird mehrere seiner wichtigsten Reformvorhaben beschleunigen.“ Zollfreier Warenumsatz soll das Gebiet zu einem der wichtigsten Warenumschlagplätze in Ostasien machen. Doch die Pläne gehen viel weiter.

Auch der Handel mit Chinas kontrollierter Währung, dem Yuan, soll in der Zone deutlich vereinfacht werden. Sogar die Internetzensur könnte dort aufgehoben werden, berichtet die Zeitung „South China Morning Post“. Damit hätte erstmals ein Teil Chinas freien Zugang zu Facebook, Wikipedia und Twitter.

Ökonomen erwarten von all diesen Lockerungen eine enorme Freisetzung von wirtschaftlicher Energie. Vor allem die Finanzwirtschaft sieht in Shanghai neue Möglichkeiten. „Der Kapitalmarkt wird dort voraussichtlich schrittweise freigegeben werden“, sagt Analystin May Yan von Barclays Capital. „Ausländische Banken werden dort wohl vereinfachte Regulierungen vorfinden.“

Kommentare (1)

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29.09.2013, 23:20 Uhr

O-Ton Oliver Stock
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Ich möchte es Ihnen möglichst leicht machen, Ihre Meinung hier niederzuschreiben, denn wir bei Handelsblatt Online sehen uns als Plattform für Diskussionen.
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Wirklich?

Und deshalb sind wohl bei den Artikeln "Rechtsruck in Österreich", "Rechtsruck als Weckruf" und "Unsere rechten Nachbarn" die Komnmentarfunktionen abgeschaltet worden.

Selten so gelacht.

Offensichtlich werden unliebsame Kommentare befürchtet - und schon ist Schluß mit der "Plattform für Diskussionen".

...

Ich verstehe ja, daß Sie nicht von den Schergen des BRD-Regimes ins Gefängnis geworfen werden wollen wie der Journalist Axel Möller, der wegen der Veröffentlichung verbotener Meinungen und Leserkommentare zu 30 Monaten verurteilt wurde.

Aber dann sollten Sie die Einschränkungen unter der Sie in der BRD arbeiten müssen auch wenigsten offen zugeben.

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