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11.01.2005

08:22 Uhr

Kontinent fühlt sich vom Westen übergangen

Afrika sieht sich auf der Schattenseite

VonWolfgang Drechsler

Die ungeahnt große internationale Spendenbereitschaft nach dem katastrophalen Seebeben im Indischen Ozean wird von vielen afrikanischen Staaten inzwischen mit einer gehörigen Portion Misstrauen verfolgt.

KAPSTADT. Sie sehen die Gefahr, dass die betroffenen asiatischen Länder so viel Geld binden, dass vor allem für die viel größeren, aber weniger spektakulären Krisenherde südlich der Sahara weit geringere Hilfsmittel als zuvor bereitstehen – trotz neuer Initiativen wie der der britischen Regierung, die zu einem „Marshall-Plan“ für den Kontinent aufrief. Beobachter fürchten, dass dadurch afrikanische Regionen erneut ins Chaos stürzen könnten, die, wie etwa Liberia, Sierra Leone oder das vom Tsunami ebenfalls betroffene Somalia, nach langen Bürgerkriegen gerade versuchen, neue staatliche Strukturen zu errichten.

Eine andere Krisenregion in Afrika ist der südliche Sudan. Nach 21 Jahren Bürgerkrieg haben am Sonntag das islamistische Regime in Khartum und die Rebellen im Süden einen Friedensvertrag geschlossen. Damit könnte ein Krieg zu Ende gehen, in dem rund zwei Millionen Menschen getötet und weitere vier Millionen zu Flüchtlingen gemacht worden sind.

Doch Friedensschlüsse in Afrika zeichnen sich nach Einschätzung des britischen „Economist“ zumeist durch die makabre Eigenart aus, dass der eigentliche Konflikt weiterschwelt. Dass die Waffen wie jetzt im Sudan schweigen sollen, ist denn weniger einer inneren Einsicht der Kriegsgegner geschuldet als dem äußeren Druck der USA. Dass der verordnete keinen wahren Frieden beschert, liegt aber auch daran, dass der Vertrag den brutalen Vertreibungskrieg des Regimes im Westen des Landes ausklammert. In Darfur sind in den vergangenen zwei Jahren vermutlich rund 100 000 Menschen getötet und zwei Millionen vertrieben worden. Trotz des Friedensabkommens, so meldet die Uno, gehen in dieser Region die Kämpfe weiter.

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