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10.09.2014

16:44 Uhr

Kontrollbehörde

Syrien soll Chlorgas als Waffe eingesetzt haben

Syrien soll systematisch Chlorgas als Waffe gegen Dörfer im Norden des Landes eingesetzt haben. Davon geht die Kontrollbehörde für Chemiewaffen aus. Es gibt Berichte über neue Gas-Angriffe im August dieses Jahres.

Ohne entsprechenden Schutz enden Angriffe mit Chlorgas oft tödlich. dpa

Ohne entsprechenden Schutz enden Angriffe mit Chlorgas oft tödlich.

Den HaagSyrien hat nach einem Bericht der Kontrollbehörde für Chemiewaffen systematisch Chlorgas als Waffe eingesetzt.

Die Experten der Organisation hätten deutliche Beweise für den „systematischen und wiederholten“ Einsatz des toxischen Gases gegen Dörfer im Norden Syriens zu Beginn des Jahres gesammelt, teilte die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) am Mittwoch in Den Haag mit. Die OPCW hatte die Experten im April beauftragt, Berichte über die Gasangriffe zu überprüfen.

Die Symptome der Opfer und auch die medizinischen Berichte führten zu der Schlussfolgerung, „dass Chlor, entweder pur oder als Mischung“ als Waffe eingesetzt wurde.

Chemische Kampfstoffe

Was sind Chemiewaffen?

Chemische Waffen gehören zu der Kategorie der ABC-Waffen (Atomar, Biologisch, Chemisch). In der Regel sind Chemiewaffen künstlich produzierte Giftstoffe, die fest, flüssig oder gasförmig sein können. Nervengifte wie Sarin und Hautkampfstoffe wie Senfgas werden gezielt zur Tötung oder Verletzung von Menschen eingesetzt. Zumeist werden auch Reizstoffe wie Tränengas dazugezählt.

Chemiewaffenkonvention

Die Chemiewaffenkonvention (CWK) ist ein Übereinkommen von Staaten der Vereinten Nationen, um die Herstellung, Verbreitung und Verwendung chemischer Waffen zu verhindern. Die CWK verbietet den Unterzeichnern, Chemiewaffen herzustellen, zu besitzen und einzusetzen. Reizstoffe wie Tränengas werden allerdings nur geächtet. Die CWK steht in der Tradition des Genfer Protokolls, das bereits 1925 den Einsatz von Giftgas in Kriegen verhindern sollte.

Nicht-Mitglieder der CWK

Israel und Myanmar haben 1993 die Chemiewaffenkonvention zwar unterzeichnet, doch bislang nicht durch ihre Parlamente ratifiziert. Angola, Ägypten, Nordkorea, Südsudan und Syrien haben das Abkommen weder unterschrieben noch ratifiziert.

Die OPCW

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überwacht die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention. Die OPCW wird von den Mitgliedern der Uno finanziert. Der Hauptsitz ist in Den Haag.

Chlorgas fällt nicht unter die von der Konvention verbotenen Chemiewaffen, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden darf. Allerdings ist der Einsatz als Waffe verboten. Syrien hatte sich im vergangen Jahr unter internationalem Druck bereit erklärt, alle seine Chemiewaffen zu vernichten.

Im Mai waren die OPCW-Experten bei dem Versuch, eine der angegriffenen Ortschaften zu besuchen, angegriffen worden. Daher seien Zeugen in einem sicheren Gebiet außerhalb des Landes befragt worden, teilte die OPCW mit. Die Experten hatten Dutzende von Opfern, Ärzten und Augenzeugen der Angriffe vernommen sowie zahlreiches Beweismaterial untersucht.

Nach dem Bericht der OPCW gibt es Berichte über neue Gas-Angriffe vom August.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Eberhard Steinweg

10.09.2014, 19:21 Uhr

Der Einsatz von Chlorgas ist sehr komliziert, und man braucht grosse Mengen davon. Schon die stabile Windsituation begrenzt dn Einsatz. Womit man Chlor mischen sollte, bedarf der Erklaerung.

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