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13.08.2014

12:03 Uhr

Konvoi in die Ukraine

Showdown an ukrainisch-russischer Grenze

Rollende Zeitbombe: Ein Konvoi aus Russland nähert sich der ukrainischen Grenze. Enthält er Kartoffeln oder Kalschnikows? Russland sagt, es seien Hilfsgüter. Die Ukraine zweifelt daran. Kann der Grenzübertritt gutgehen?

Trotz Einreiseverbot

280 russische Lkw Richtung Ukraine gestartet

Trotz Einreiseverbot: 280 russische Lkw Richtung Ukraine gestartet

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Kiew/MoskauEin Lastwagenkonvoi aus Russland mit Hilfslieferungen ist trotz Kritik des Westens weiter auf dem Weg ins Krisengebiet in der Ostukraine. Mittlerweile hätten die 262 Lkw ihr Nachtlager in Woronesch verlassen und fahren Richtung Grenze, meldete die Staatsagentur Ria Nowosti. Nach Fernsehberichten müssen die Lastwagen, die laut russischen Angaben mit Hilfsgütern für die Zivilbevölkerung in der umkämpften Ostukraine beladen sind, bis zur Grenze 500 Kilometer zurücklegen. Sie würden am Abend am Kontrollpunkt Schebekino-Pletnewka erwartet, hieß es in den Berichten.

Der Grenzposten liegt zwischen der südrussischen Region Belgorod und dem nordostukrainischen Charkiw, das von Regierungstruppen kontrolliert wird. „Der Weg ist weit, es ist ein bisschen hart, aber wie könnten wir unseren slawischen Brüdern nicht zu Hilfe kommen“, sagte einer der Lastwagenfahrer dem staatlichen Sender Rossija. In der russischen Presse wurde der Start des Konvois am Mittwoch enthusiastisch begleitet. „Drei Kilometer Hilfe“, titelte die amtliche Zeitung „Rossijskaja Gaseta“.

In der grenznahen Stadt Belgorod sollen die Güter an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz übergeben werden. Streit gibt es um die Details. Die ukrainische Regierung will den russischen Konvoi nicht ins Land lassen. Innenminister Arsen Awakow schrieb am Mittwoch auf Facebook, die Fahrzeuge dürften nicht in die Region Charkiw einfahren. Die Entsendung des Konvois bezeichnete Awakow als Provokation eines zynischen Aggressors. Auch Ministerpräsident Arseni Jazenjuk warf Russland „grenzenlosen Zynismus“ vor. „Zuerst schicken sie Panzer, Grad-Raketen und Banditen, die auf Ukrainer schießen, und dann schicken sie Wasser und Salz“, sagte er bei einer Kabinettssitzung.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Die Ukraine verlangte zuletzt ein Umpacken der rund 2000 Tonnen Hilfsgüter auf „neutrale“ Fahrzeuge. Die prowestliche Führung befürchtet, dass der Kreml unter dem Deckmantel einer Hilfsaktion Waffen für prorussische Separatisten einschmuggeln könnte.

Russland kritisierte dies als „Hinhaltetaktik“. Die Zeit dränge für die Hilfe, die an diesem Donnerstag in der Großstadt Lugansk ankommen soll. Insgesamt entsandte Russland 2000 Tonnen Hilfsmittel, darunter Medikamente, Lebensmittel und Stromgeneratoren. Die Ukraine hatte am Montag zugestimmt, dass Hilfslieferungen unter der Leitung des Roten Kreuzes in die Ostukraine gebracht werden sollen.

Kommentare (16)

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Herr Thomas Albers

13.08.2014, 11:23 Uhr

"Kann der Grenzübertritt gutgehen?"

Das läuft doch im Moment ganz gut - das ist auch ein wichtiges Zeichen: Man kann sich irgendwie auf dem Verhandlungstisch einigen.

Herr Andreas Maehler

13.08.2014, 11:26 Uhr

dieses pöse pöse putin.
Nun schickt er auch noch hunderte lastwagen mit atombomben beladen nach ukra-ihn

Dieser pöse pöse der...

Ich glaube nur die liebevolle erika und rolliwolfi könne da nur helfen............... das es dem Michel an den pobo geht

;-)

Herr S. Meyer

13.08.2014, 11:41 Uhr

Eine naive Frage:

kann man auf dem Weg zurück die unschuldigen Leute in diesen LKWs rausholen? Oder muss man das auch abstimmen?

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