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25.03.2012

15:27 Uhr

Konzert in Kirche

Punk-Aktivistinnen in Russland droht Haft

Wie hart darf ein Staat Künstlerinnen bestrafen, die in einer Kirche den Altar stürmen und regierungskritische Phrasen grölen? In Russland versteht die orthodoxe Kirche keinen Spaß - es drohen bis zu sieben Jahren Haft.

Mitgliedern der russischen Gruppe „Pussy Riot“ droht eine Haftstrafe. dapd

Mitgliedern der russischen Gruppe „Pussy Riot“ droht eine Haftstrafe.

MoskauAn drei jungen Frauen will Russland offenbar ein Exempel statuieren. Mit Handschellen und in Käfige eingesperrt - wie Schwerverbrecher führt die Justiz die Mütter den Medien vor. Ihr Vergehen: Sie sollen im Heiligtum der einflussreichen orthodoxen Kirche ein schrilles Lied gegen den künftigen Präsidenten Wladimir Putin gesungen haben.

Wegen Rowdytums drohen ihnen nun bis zu sieben Jahre Haft. Eine Verurteilung wird nach Ansicht von Experten immer wahrscheinlicher: Kirchenoberhaupt Kirill kritisiert in seiner ersten Stellungnahme die mutmaßlichen Mitglieder der Punk-Band „Pussy Riot“ mit harschen Worten.

„Der Teufel lacht über uns alle“, sagt Patriarch Kirill. Einflussreiche Kirchenvertreter sprechen im Zusammenhang mit der Performance sogar von „Extremismus“ - dann wäre sogar eine noch härtere Strafe möglich. Der Text des „Punk-Gebets“ habe Hass gegen die Kirche geschürt, meint Synodenmitglied Wsewolod Tschaplin. „Heilige Mutter, gesegnete Jungfrau, vertreibe Putin“, heißt es in dem Text, den fünf mit Strickmützen maskierte Frauen auf dem Altar der Christi-Erlöser-Kathedrale in Moskau gesungen hatten.

Allein der Auftritt war eine klare Provokation. Hinzu kam der Zeitpunkt kurz vor der Präsidentenwahl, bei der Putin sich zum dritten Mal in den Kreml wählen ließ. Nach der Aktion stellt sich im größten Land der Erde die Frage nach der Position der orthodoxen Kirche. Patriarch Kirill zeigt offen Unterstützung für Putin - der Ex-Geheimdienstchef gewährt der Kirche im Gegenzug viele Freiheiten. Gerade auf diese enge Verbindung wollte „Pussy Riot“ mit dem bizarren Konzert hinweisen.

Der Vorfall zeige, dass die Kluft zwischen Gesellschaft und Kirche wachse, sagt Xenia Lutschenko vom orthodoxen Internetblog PravMir. Beobachter hegen den Verdacht, dass die Justiz absichtlich hart gegen die jungen Frauen durchgreift, um der Kirche zu schmeicheln, und Forderungen ignoriert, die Untersuchungshaft zumindest in einen Hausarrest umzuwandeln. Vor allem weltoffene Russen sind empört: Die Frauen würden mit Mördern und Vergewaltigern auf eine Stufe gestellt.

Kommentare (3)

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25.03.2012, 15:36 Uhr

Da befindet sich die orthodoxe Kirche ja in bester Gesellschaft. In Thailand drohen dem der seine Majestät beleidigt bis zu 15 Jahren Haft.

John

25.03.2012, 18:05 Uhr

Rußland, Diktatoren, herzlose, machtgeile und korrupte Politiker, unfähige Bürokratie. Oligarchen die ihren Reichtum zusammengestohlen haben. Korrupte und brutale Polizei.
Was kann man da anderes erwarten. Toleranz gibt bei den Mächtigen nicht. Die Kirche reiht sich natlos ein.
Kennen die überhaupt das Wort Vergebung.

Pora

27.03.2012, 09:16 Uhr

Handelsblatt sollte sich besser auf "Occupy Bewegung" konzentrieren als auf iwelche anarchistisch-nigilistischen grüpchen in Russland,die mit Kunst überhaupt nichts zu tun haben!Und diese noch zu politischen Mertyrern zu stilisieren ist lachhaft.

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