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15.05.2011

13:46 Uhr

Kopfloser Währungsfonds

Strauss-Kahn stürzt den IWF in eine schwere Krise

Die Sex-Affäre um Dominique Strauss-Kahn trifft den Internationalen Währungsfonds zur Unzeit. In der europäischen Schuldenkrise ist er der Hoffnungsträger. Doch nun droht der IWF seine Handlungsfähigkeit zu verlieren.

Einen Nachfolger für Strauss-Kahn zu finden, könnte schwierig werden. Quelle: ap

Einen Nachfolger für Strauss-Kahn zu finden, könnte schwierig werden.

BerlinFür Bundeskanzlerin Angela Merkel platzte am Sonntag ein spannender Termin: Sie wollte in Berlin mit Dominique Strauss-Kahn, dem Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), über Gefahren für das globale Finanzsystem, über die Schuldenkrisen in Griechenland, Portugal und Irland sprechen. Doch Herr Strauss-Kahn kam nicht: Er erlebt seine eigene Krise. Der Franzose hat Ärger mit der New Yorker Polizei, weil er in einem Hotel angeblich ein Zimmermädchen sexuell belästigte.

Damit steht nicht nur Strauss-Kahns Karriere - er galt als aussichtsreichster Konkurrent von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei den Wahlen im kommenden Jahr - in den Sternen. Unvermittelt gerät auch der IWF, der weltweit wichtigste Krisenhelfer, zu Unzeiten in Turbulenzen.

Es trifft den IWF mitten im Kampf gegen existenzielle Gefahren im Euro-Raum, mitten in den Aufräumarbeiten nach den Erschütterungen im globalen Finanzsystem in den letzten Jahren und mitten in einem dramatischen Wandel in der Weltwirtschaft, der auch den internationalen Institutionen radikale Reformen abverlangt. Nun steht der IWF plötzlich kopflos da, denn gerade einmal ein paar Tage vor dem angeblichen Fehltritt Strauss-Kahns hatte dessen Vize, der Amerikaner John Lipsky, seinen Rückzug angekündigt. Damit entsteht eine international höchst unangenehme Unwucht, die weit über das Personalpolitische hinausgeht.

Warum der IWF so wichtig ist

Was ist der IWF?

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

Wer sind die Mitglieder im IWF?

Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

Welche Aufgabe hat der IWF?

Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

Wer leitet den IWF?

An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

Wenn es einen Gewinner der Finanzkrise von 2008 gab, die die globale Finanzwelt in ihren Grundfesten erschütterte, dann war das der Internationale Währungsfonds. Unmittelbar zuvor waren die mit harten Auflagen verbundenen Kredithilfen des IWF kaum noch gefragt. Der Fonds taumelte der Bedeutungslosigkeit entgegen. Doch mit der Krise kam die Wende: Plötzlich war die ehrwürdige Institution mit ihren 187 Mitgliedsländern und Nothelfer-Erfahrungen der zentrale Dreh- und Angelpunkt für alles, was mit Krisenlösung zu tun hat.

So wurden die Hilfsmittel des Fonds schnell einmal um ein paar Hundert Milliarden Dollar aufgestockt. Doch der IWF wurde nicht nur als zentraler Krisenhelfer wiedergeboren. Seine Funktion als Wächter der weltweiten Finanzstabilität wurde ausgebaut. Und mehr noch: der IWF wurde mit der Erarbeitung von Strategien betraut, wie die Finanzkrise überwunden und wie ihrer Wiederholung vorgebeugt werden kann.

Kommentare (9)

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Isotop

15.05.2011, 14:32 Uhr

Sollte es im Teaser nicht besser "Handlungsfähigkeit" heissen?

gerhard

15.05.2011, 15:10 Uhr

"Der IWF wurde wichtigster Ratgeber einer verunsicherten Politik für alles, was mit Krisen zusammenhängt. Beim IWF laufen auch die Bemühungen für eine massiv engere weltwirtschaftliche Koordination zusammen, die die Weltwirtschaft letztlich stabiler machen soll.", heißt es hier!

Also die massiven Bemühungen laufen danach noch- stabiler scheint aber etwas anderes zu sein! An den Rettungsschirmen wurde es ja auch ohne Hotel Affären schon längst bemerkt.

Account gelöscht!

15.05.2011, 15:43 Uhr

"Doch nun droht der IWF seine Handlungsunfähigkeit zu verlieren."

...das muss ein "Freud'scher Verschreiber" sein.

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