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14.03.2013

07:33 Uhr

Korea-Konflikt

Machthaber schwören ihre Truppen auf Krieg ein

Nach Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un hat nun auch Südkoreas Ministerpräsident Chung Hong Won die eigene Truppen besucht. Seine Botschaft: „Ihr seid die Festung, die das Leben und den Besitz der Bevölkerung schützt.“

Derzeit finden auf beiden Seiten der Grenze Militärübungen statt – hier trainieren Soldaten aus Nordkorea. dpa

Derzeit finden auf beiden Seiten der Grenze Militärübungen statt – hier trainieren Soldaten aus Nordkorea.

SeoulNordkoreas Machthaber Kim Jong Un und der südkoreanische Ministerpräsident Chung Hong Won haben ihre jeweiligen Truppen an der Seegrenze im Gelben Meer auf einen möglichen Krieg eingeschworen. Kim besuchte am Donnerstag im Rahmen eines Militärmanövers eine Artillerieeinheit, die mit scharfer Munition übte, wie die amtliche Nachrichtenagentur KCNA meldete. „Ein moderner Krieg ist ein Krieg mit Artillerie“, sagte Kim demnach. Er hatte in dieser Woche die südkoreanische Insel Baengnyeong als erstes Ziel im Falle eines bewaffneten Konflikts genannt.

Chung begab sich seinerseits auf die Insel Yeonpyeong an der Grenze und mahnte die Soldaten, sich für einen möglichen Angriff aus Nordkorea bereit zu halten. Die Insel war 2010 von der nordkoreanischen Armee angegriffen worden. Dabei wurden vier Menschen getötet, darunter zwei Zivilisten. „Ihr seid die Festung, die das Leben und den Besitz der Bevölkerung schützt“, sagte der Regierungschef bei seinem Besuch am Donnerstag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap.

Nordkoreas Säbelrasseln in den vergangenen Jahrzehnten

Januar 1951:

Auftakt eines verbalen Feldzuges: Ein halbes Jahr nach Nordkoreas Invasion des Südens bezeichnet Staatsgründer Kim Il Sung die südkoreanischen Soldaten und die US-Truppen als Invasoren. Er schwört, die Feinde des Nordens zu vernichten.

Januar 1952:

Kim Il Sung bezeichnet die US-Truppen als Nazis und verspricht, der Krieg werde sie in ein Massengrab bringen.

Mai 1972:

In einem Interview mit der „New York Times“ sagt Kim Il Sung, sein Land bereite sich fortwährend auf einen Krieg vor. „Diese Angelegenheit verschleiern wir nicht“, sagt er.

März 1993:

Aus Protest gegen ein gemeinsames Manöver der USA und Südkoreas erklärt Nordkorea einen „halben Kriegszustand“. Der Streit über sein Atomprogramm steckt in einer Sackgasse und die Regierung in Pjöngjang droht mit einem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.

1994:

Ein nordkoreanischer Unterhändler droht, Seoul in ein „Meer aus Feuer“ zu tauchen. Aus Angst vor einem Krieg stürmen die Südkoreaner die Supermärkte und decken sich in Hamsterkäufen mit Fertignudeln, Wasser- und Gasvorräten ein.

September 1996:

Nordkoreanische Agenten dringen mit einem U-Boot in südkoreanische Gewässer ein und werden gefangen oder getötet. Der Norden kündigt „hundertfache und tausendfache Vergeltung“ an.

Januar 2002:

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea zusammen mit dem Iran und dem Irak zur „Achse des Bösen“. Pjöngjang reagiert, die Äußerungen seien „kurz vor einer Kriegserklärung“. Das Außenministerium zeigt Zähne und verspricht, niemals die „rücksichtslosen Versuche“ zu tolerieren, Nordkorea „mit Waffengewalt zu ersticken“.

Januar 2010:

Auf einen mutmaßlichen Katastrophenplan der südkoreanischen Regierung gegen mögliche Unruhen im Norden reagiert Nordkorea mit der Drohung eines „Heiligen Kriegs der Vergeltung“.

Mai 2010:

Die Fronten verhärten sich. Südkorea wirft dem Norden vor, mit einem Torpedo ein Kriegsschiff des Südens versenkt zu haben. 46 Seeleute sterben. Nordkorea reagiert gereizt und warnt vor einem „umgehenden Schlag“. Im November greifen nordkoreanische Truppen eine Insel an und töten vier Südkoreaner.

November 2011:

Nordkorea will ein Manöver des Südens nicht hinnehmen und nimmt den Präsidentenpalast in Seoul verbal ins Visier. Er soll erneut in ein „Meer aus Feuer“ getaucht werden.

April 2012:

Südkoreas konservativer Präsident Lee Myung Bak wird als „Ratte“ bezeichnet, die von einem „Blitz der Vergeltung“ erschlagen werden sollte.

Juni 2012:

Nordkoreas Artillerie zielt angeblich auf südkoreanische Medien und will damit kritische Berichterstattung aus dem Süden eindämmen. Ein „gnadenloser Heiliger Krieg“ steht im Raum.

Oktober 2012:

Die Angst vor einer Invasion aus dem Süden geht angesichts eines Raketenabkommens zwischen Washington und Seoul um. Die USA befänden sich in der Reichweite nordkoreanischer Raketen, warnt ein nicht identifizierter Sprecher des Nordens.

Die Spannung in der Region hatte zuletzt zugenommen. Nachdem die Uno als Reaktion auf den jüngsten Atomtest Nordkoreas neue Sanktionen verhängt hatte, verkündete Pjöngjang einen Ausbau seines Atom- und Raketenprogramms, kündigte den Nichtangriffspakt mit Südkorea von 1953 auf und drohte mit einem atomaren Erstschlag gegen die USA und andere „Aggressoren“. Derzeit finden auf beiden Seiten der Grenze Militärübungen statt, in Südkorea gemeinsam mit den USA.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Das Ministerium für die Streitkräfte in Pjöngjang warnte, das Militär und die Bevölkerung der Volksrepublik warteten nur noch darauf, eine „Aktion der Gerechtigkeit und erbarmungslosen Vergeltung“ zu unternehmen. Das kommunistische Regime hatte zuletzt fast täglich vor einem Krieg gewarnt.

Auch attackierte das Regime in Pjöngjang jetzt indirekt die neue südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye. „Die Raserei der südkoreanischen Kriegshetzer“ hänge mit der Frauenherrschaft im Präsidentenpalast (Chongwadae) in Seoul zusammen. Das Ministerium sprach von einem „giftigen Schlag des Kleides durch die Besitzerin von Chongwadae.“ In Korea ist der Begriff als abfällige Beschreibung von Frauen bekannt, die sich in alle Aktivitäten ihrer Kinder einmischen.

Von

afp

Kommentare (10)

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Thomas-Melber-Stuttgart

14.03.2013, 08:02 Uhr

Ah, jetzt ist schon der Präsident Südkoreas ein "Machthaber".

Account gelöscht!

14.03.2013, 08:19 Uhr

Ja, wir wissen jetzt alle das Nord- und Südkorea bis an die Zähne bewaffnet sind und keiner von Beiden einen Krieg verlieren wird. Können die Beiden Länder sich nun wieder um relevante Dinge kümmern, wie INNENpolitik.

politisch_Unbedarfter

14.03.2013, 10:10 Uhr

Nord- und Sükorea unterscheiden sich in einem ganz wesentlichen Punkt: Ein Korea wird von den USA gestützt und gefördert und ein anderes Korea nicht.
Im Grunde genommen spielen die beiden Koreas, nur so gesehen, lediglich die Situation Nachkriegsdeutschlands nach. Es wird sich zeigen, ob die beiden Machthaber der beiden Koreas über ausreichend politische Reife verfügen, einen Bruderkrieg zu vermeiden: denn darunter leiden werden am meisten die beiden Völker.

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