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02.04.2013

15:25 Uhr

Korea-Konflikt

Nordkorea provoziert nun auch China

Nordkorea will seine Atomanlage in Yongbyon zur Herstellung von Plutonium wieder hochfahren. Damit brüskiert Kim Jong-Un seinen letzten Verbündeten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon fordert internationale Verhandlungen.

Nordkorea nimmt Atomreaktor wieder in Betrieb

Video: Nordkorea nimmt Atomreaktor wieder in Betrieb

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SeoulUN-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht Nordkorea auf einem „Kollisionskurs mit der internationalen Gemeinschaft“. Die aktuelle Krise sei „bereits zu weit gegangen“, sagte Ban am Dienstag mit Blick auf die eskalierenden Spannungen angesichts der fast täglichen Kriegsdrohungen Pjöngjangs gegen Südkorea und die USA. Der UN-Chef sprach sich für unverzügliche internationale Verhandlungen aus. Er sei aber „überzeugt, dass keiner vorhat, Nordkorea anzugreifen.“

Vor Bans Äußerungen hatte Nordkorea den Konflikt um sein Atomwaffenprogramm weiter angeheizt. Das kommunistische Land kündigte am Dienstag an, seinen abgeschalteten Fünf-Megawatt-Reaktor im Nuklearzentrum Yongbyon wieder in Betrieb nehmen zu wollen. Sämtliche Anlagen in Yongbyon, eingeschlossen des Reaktors und einer Anlage zur Urananreicherung, sollen „angepasst und neugestartet“ werden, zitierten die Staatsmedien die Generalabteilung für Atomenergie. Die Atomstreitmacht solle „in Qualität und Quantität“ verstärkt werden, zugleich solle die akute Stromknappheit behoben werden.

Größere Militärpräsenz: USA demonstrieren Stärke gegenüber Nordkorea

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Die USA reagieren auf die Drohungen aus Nordkorea. Neben neuen Kampfflugzeugen schickt Washington auch einen mit Raketen bestückten Zerstörer in die Krisenregion. Einen unmittelbaren Angriff fürchtet es aber nicht.

In dem Reaktor in Yongbyon hatte Nordkorea waffentaugliches Plutonium hergestellt. Im Rahmen einer Vereinbarung von 2007 zwischen Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland wurden wesentliche Teile der Atomanlagen unbrauchbar gemacht. Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA bestätigten nach einer Besichtigung im Juli 2007, dass der Reaktor abgeschaltet wurde. Als sichtbares Zeichen für den Abbau seines Atomprogramms sprengte Nordkorea im Juni 2008 den Kühlturm des Reaktors. Im Gegenzug für den Ausstieg aus dem Atomprogramm sollte das ostasiatische Land ausländische Hilfen und Sicherheitsgarantien erhalten.

Nach Angaben der Internetseite Globalsecurity.org besteht der Komplex rund hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor sowie Zentren zur Aufbereitung von Plutonium und Brennstäben. Der Ausbau der Anlage mit einem weiteren 50-Megawatt-Reaktor wurde bis heute nicht vollendet.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.


Dass Nordkorea seine umstrittene Atomanlage in Yongbyon wieder hochfahren will, ist für China ein Schlag ins Gesicht: Eigentlich hatte die Regierung in Peking angekündigt, die Gespräche über eine atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel wieder in Gang bringen zu wollen. Die Entscheidung sei bedauerlich, erklärte am Dienstag der Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Der neue Vorfall verdeutlicht einmal mehr, was sich seit Monaten abzeichnet: Der früher so enge Verbündete Nordkorea zerrt immer mehr an Chinas Nerven.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Kommentare (5)

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Wolfsfreund

02.04.2013, 16:25 Uhr

"Die Atomstreitmacht solle „in Qualität und Quantität“ verstärkt werden, zugleich solle die akute Stromknappheit behoben werden."
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Stromknappheit? Was für eine hanebüchene, billige Ausrede. 5 Megawatt (Mega-, nicht Gigawatt!), das ist ein mickriges Forschungsreaktörchen, daß nur dem Zweck dient, an Plutonium zu kommen! Nicht einmal der geplante, aber nie gebaute 50 MW-"Reaktor" taugt zur Stromversorgung. Lächerlich! Das ist gerade mal das Äquivalent von 10 Windrädern bei Vollast! Ein einziger, ausgewachsener Kraftwerksblock hat normalerweise runde 1000-1500 MW, netto, wohlgemerkt.
Stromknappheit beheben, also wirklich. Für wie dumm hält Klein-Kim eigentlich die Weltgemeinschaft?

Zwahlen

02.04.2013, 17:25 Uhr

Na ja so kann man dies auch sehen.
Nordkorea und Südkorea würden gerne wieder zu einem Land verschmelzen wie die Deutschen. Bei den Deutschen war die Gegenleistung die Eiführung des Euro. So konnten die Mächtigen verhindern, dass Deutschland wieder zu einer Weltmacht aufsteigen kann.
In Korea will die USA den Zusammenschluss aus strategischen Gründen verhindern, da Sie ansonsten Ihre wichtigen militärischen Stützpunkte verlieren würde. Dazu dienen wie immer die Falsch-Meldungen über Atomanreicherungen ... Erkennen Sie die Muster?

pool

02.04.2013, 18:30 Uhr

@Zwahlen

Das Muster ist ok, aber das andere stimmt so nicht. Anfang der 80er Jahren haben sich 3 Industriekapitäne in einem Geheimtreffen zusammengesetzt und ein politisches Manifest entwickelt, wie Europa umgestaltet werden sollte. Danach kam's zu einem Treffen von 45 Konzernchefs und die unterstützten das Manifest.
Das Manifest wanderte in die Hände des Komissionspräsidenten Jaques Delore und der gab den Plan auf einer Rede 1985 als seinen eigenen aus. (letzteres kann man nachlesen auf Wikipedia)

The Brussels Business DOKU 2013 - Wer regiert die EU wirklich? - YouTube

http://www.youtube.com/watch?v=9B5RP2N_Fto

Brüssel wird regiert von einer Mafia - einem Kartellregime, welches die europäischen Politiker erst erpresst und dann gekauft hat.

1986 ratifizierte Helmut Kohl das Schengener Abkommen, 1990 brach die Sowjetunion - perfekt vorbereitet - zusammen, 1991 ratifizierte Helmut Kohl den Maastricht Vertrag und das Parlament ermächtigte sich selber mit Art. 23 Grundgesetz.
Helmut Kohl war nicht nur in etliche Korruptionsskandale verwickelt, das ist sprichwörtlich. Weniger bekannt ist, dass er sein politisches Leben im Dienste der Pharma-Industrie gestanden hat.

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