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06.06.2013

08:15 Uhr

Korea-Konflikt

Nordkorea sendet Entspannungssignale

Zwei Monate ist der gemeinsame Industriekomplex von Nord- und Südkorea geschlossen. Überraschend bietet der Norden nun Verhandlungen über die Wiedereröffnung an. Und das ist nicht das einzige Entgegenkommen.

Der Grenzübergang zum Industriegebiet Kaesong: Eine zeitnahe Wiedereröffnung scheint möglich. ap

Der Grenzübergang zum Industriegebiet Kaesong: Eine zeitnahe Wiedereröffnung scheint möglich.

SeoulNach monatelanger Eskalation sendet Nordkorea deutliche Signale der Entspannung an Südkorea: Pjöngjang bot seinem Nachbarn am Donnerstag überraschend Gespräche über eine Wiedereröffnung des seit zwei Monaten geschlossenen gemeinsamen Industriekomplexes Kaesong sowie die Wiederaufnahme grenzüberschreitender Familientreffen an. Die südkoreanische Regierung begrüßte das Angebot.

Es stehe dem Süden frei, über Ort und Zeit des Treffens zu entscheiden, erklärte das für das Beziehungen zum Süden zuständige nordkoreanische Komitee für eine friedliche Wiedervereinigung Koreas am Donnerstag.

Thema der Gespräche solle eine Wiedereröffnung des Industriekomplexes Kaesong sowie die Wiederaufnahme grenzüberschreitender Reisen ins nordkoreanische Mount Kumgang sein. „Humanitäre Themen wie die Wiedervereinigung getrennter Familien und deren Angehöriger können bei den Gesprächen behandelt werden, wenn notwendig“, hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Erklärung des Komitees.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Sollte Südkorea positiv auf den Vorschlag reagieren, werde Pjöngjang die Rücknahme einer Reihe von Maßnahmen erwägen, erklärte das Wiedervereinigungskomitee weiter. Dazu gehöre auch die Wiederherstellung einer im März gekappten direkten Telefonverbindung für Krisenfälle. „Wenn die südkoreanischen Behörden wirklich Vertrauensbildung und eine Verbesserung der Beziehungen wollen, sollten sie diese Gelegenheit nicht verpassen“, hieß es in der Erklärung.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.06.2013, 10:14 Uhr

Kim Jong Un benimmt sich wie ein trotziges Kind und handelt weder klug noch besonnen.

Account gelöscht!

06.06.2013, 10:47 Uhr

An Südkoreas Stelle würde ich überhaupt keine Reaktion zeigen, sozusagen passiver Widerstand. Wenn ich so einen großen Freund habe muss ich nicht beim Feind betteln gehen, was es ja im Grunde ist.

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