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20.04.2013

19:01 Uhr

Korea-Konflikt

Nordkoreas Härte in Kaesong bedroht Investoren

Seit zwei Wochen ist der Industriepark Kaesong, der von Nord- und Südkorea gemeinsam betrieben wird, geschlossen. Vielen südkoreanischen Firmen droht nun der Bankrott. Doch die Wiederöffnung ist äußerst fraglich.

Den Managern aus Südkorea wird die Einreise in die Sonderwirtschaftszone verweigert. Reuters

Den Managern aus Südkorea wird die Einreise in die Sonderwirtschaftszone verweigert.

SeoulDie südkoreanischen Unternehmer scharren mit den Füßen, aber es ist ihnen kaum mehr geblieben als die vage Hoffnung auf die baldige Wiedereröffnung des Industrieparks Kaesong – einem Gemeinschaftsprojekt von Nord- und Südkorea, dem der Norden Anfang April ein abruptes vorläufiges Ende gemacht hat. Seit dem 3. April ist für Südkoreaner die Grenze wieder dicht, und eine Woche später hörten die nordkoreanischen Arbeiter auf, zur Arbeit zu kommen. Die Bänder stehen still und immer mehr südkoreanische Investoren sind von der Pleite bedroht.

Dabei galt der Industriekomplex als das Vorzeigeprojekt einer Annäherung des marktwirtschaftlich geprägten Süden Koreas und des kommunistischen Nordens. Dem bitter armen Nordkorea sollte die Sonderwirtschaftszone heiß ersehnte Devisen ins Land bringen, und südkoreanische Firmen profitierten von den geringen Löhnen für die rund 53 000 nordkoreanischen Arbeitskräfte. Seit 2003 investierten südkoreanische Firmen Millionen in den Komplex, der auf nordkoreanischem Territorium, unmittelbar hinter der innerkoreanischen Grenze und nur 70 Kilometer von der südkoreanischen Hauptstadt Seoul liegt.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Die Wege sind auch für die nordkoreanischen Arbeiter kurz: Der Industriepark liegt vor den Toren der drittgrößten nordkoreanischen Stadt Kaesong.

Rund 120 südkoreanische Firmen siedelten sich hier an, vor allem aus der Bekleidungsindustrie und dem Elektronikbereich. Das Investitionskapital und die Rohstoffe kamen aus dem Süden über die Grenze, die Arbeitskraft an den Bändern aus dem Norden. Anfang April schaukelten sich jedoch die Spannungen zwischen den Koreas so sehr auf, dass Nordkorea den Stecker zog und den Südkoreanern den Zugang zum Park verwehrte. Jetzt, in der dritten Woche nach der Schließung, werden die Manager der Firmen aus dem Süden langsam ungeduldig.

„Wir haben den Industriekomplex Kaesong im Schweiße unseres Angesichts aufgebaut“, sagt Han Jae Kwon, Chef des Verbandes, der die Firmen im Park vertritt. Man habe auf die Zusagen vertraut, frei arbeiten zu können. „Richtig tragisch und traurig ist es, dass uns jetzt der Zugang zu unseren eigenen Fabriken verwehrt wird“, beschwert sich Han.

Kommentare (2)

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Steinweg

20.04.2013, 19:48 Uhr

Es kann doch nicht sein, dass Nord-Korea seine Buerger wie Tiere haelt. Es muss doch auch von den Nordkoreanischen Arbeitnehmern, die durch den Kontakt mit Sued-Koreas ja profitiert haben muessen, eine zitierbare Stellungnahme geben.

GruntMaster3000

21.04.2013, 09:12 Uhr

@Steinweg

Ihre hasserfullte Stellungsnahme konnen Sie gern fur sich behalten. (...)

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