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09.04.2014

19:06 Uhr

Korruption

Chinas gierige Generäle

VonFinn Mayer-Kuckuk

Ein Waschbecken und eine Mao-Statue aus purem Gold fanden Ermittler bei „General Goldfinger“ Gu Junshan. Nun muss er vor Gericht. Chinas Präsident bekämpft die Korruption in der Armee – und fördert skurrile Dinge zutage.

Korruption ist in China üblich – aber wo die Generäle überall das Gold verstecken, ist bizarr. Getty Images

Korruption ist in China üblich – aber wo die Generäle überall das Gold verstecken, ist bizarr.

PekingMan stelle sich vor, ein Top-General der Bundeswehr hätte Beförderungen für Beträge von mehreren Hunderttausend Euro verkauft. Er wäre zudem für Liegenschaften der Armee zuständig gewesen und hätte bei jedem Geschäft eine dicke Provision behalten. Die Beschaffung von Gütern wie Uniformen oder Lebensmitteln wäre ebenfalls in seinen Bereich gefallen, und er hätte bei den Lieferanten ebenfalls seinen Schnitt gemacht.

In China absolut möglich. Denn so lauten die Vorwürfe gegen General Gu Junshan von der Volksbefreiungsarmee. Wo schon im Falle der kleinen deutschen Bundeswehr ein Vermögen zustande gekommen wäre, war in China ein kleines Königreich drin. Schließlich leistet sich das fernöstliche Land die größte Armee der Welt: Mehr als zwei Millionen Männer und Frauen dienen unter dem roten Stern.

Als die Ermittler in Gus palastartigen Residenz anrückten, brauchten sie vier Lastwagen, um allein die wertvollen Kunstgegenstände aus dessen Besitz abzutransportieren. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Preziosen aus purem Gold, darunter eine kleine Statue des früheren Machthabers Mao Zedong, ebenso ein massivgoldenes Modellboot und ein Waschbecken. Der größte Teil des Vermögens lagerte jedoch in Form von Goldbarren und Bargeld in Tresoren.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.


Wegen seiner Gier nach Reichtümern kommt „General Goldfinger“ Gu Junshan nun vors Kriegsgericht – die amtliche Nachrichtenagentur „Xinhua” hat in diesen Tagen das Verfahren gegen ihn angekündigt. Eine harte Strafe ist ihm sicher. Denn in China ist nicht nur ein verblüffendes Ausmaß an Korruption möglich. Der politische Wind kann sich ebenso verblüffend schnell drehen. Seit Gründung der Volksrepublik vor 65 Jahren hat das Land immer wieder steile Karrieren und ebenso steile Abstürze erlebt.

Über Gu hatte ein zweiter, noch höherrangiger General jahrelang eine schützende Hand gehalten. Xu Caihou war stellvertretender Vorsitzender der Militärkommission der Partei – jener Institution, die das hochgerüstete Millionenheer letztlich kontrolliert, oder zumindest kontrollieren sollte. Xu wurde jedoch 2012 pensioniert. Und in der Militärkommission weht nach einem kompletten Führungswechsel ein komplett anderer Wind.

Seitdem ist Präsident Xi Jinping der Vorsitzende der Kommission – und räumt dort kräftig auf. Nachdem die Ermittler bei Gu überreichliche Beweise für Bestechlichkeit und Vorteilsnahme hatten, ließ Xi auch dessen Patron Xu zum Verhör zerren – ohne jede Rücksicht darauf, dass Xu sich krebskrank im Militärkrankenhaus Nummer 301 in Peking in Behandlung befand. Zur Verhaftung des kranken alten Mannes waren Dutzende bewaffneter Polizisten dort eingerückt.

Kommentare (5)

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09.04.2014, 20:59 Uhr

@ Pro-D: So weit braucht man gar nicht zu gehen. Es ist in meinen Augen ebenso unanständig als ein Warren Buffet der Bill Gates vergleichbare Summen zu erwerben. Ich sage explizit erwerben, weil von "verdienen" keine Rede mehr sein kann. Erwirtschaftet, im eigentlichen Sinn, wird das Geld doch ohnehin an ganz anderen Stellen und auf ganz anderer Leute kosten.

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10.04.2014, 08:12 Uhr

"Es kamen nicht die fähigsten Offiziere in hohe Positionen, sondern die mit den reichsten Eltern."

Das läuft hier ähnlich ab.
Buchtipp: Mathew D.Rose- "Korrupt?"

Account gelöscht!

10.04.2014, 08:16 Uhr

Kommunismus gibt es nur für die Parteikader, so war es schon immer in der dieser Gesellschaftordnung.

Korruption, ist ein großes Übel was nicht ausrottbar ist, auch nicht in Deutschland. Möchte nicht wissen wie tief mache Politikertaschen hier zu Lande sind.

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