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05.04.2012

17:12 Uhr

Korruption

Griechen sparen beim Schmiergeld

VonGerd Höhler

Die Korruption ist eine der Ursachen für das griechische Schuldendesaster. Doch laut einer Studie fließt das Schmiergeld dort weiter in großen Mengen. Nur bei den Summen werden die Griechen geiziger.

Polizeibeamte in Athen. Staatsdiener nehmen weiterhin Geld der Bürger an oder verlangen es für bestimmte Tätigkeiten. AFP

Polizeibeamte in Athen. Staatsdiener nehmen weiterhin Geld der Bürger an oder verlangen es für bestimmte Tätigkeiten.

AthenElf von hundert Griechen haben im vergangenen Jahr ein „Fakelaki“ übergeben – so heißen die mit Geldscheinen gefüllten Umschläge, die bei den Behörden Anliegen fördern und Wartezeiten verkürzen. Eine jetzt veröffentlichte Untersuchung zeigt: Trotz Krise wird zwar in Griechenland geschmiert wie eh und je. Aber immer mehr Bürger finden den Mut, Bestechungsgelder zu verweigern.

Die Korruption gilt als eine der Ursachen des griechischen Schuldendesasters: Sie vertreibt Investoren, schmälert die Steuereinnahmen und kostet den Staat Hunderte Millionen durch erschwindelte Sozialleistungen.

Das Meinungsforschungsinstitut Public Issue präsentierte gestern die Ergebnisse einer Befragung von 12.000 Bürgern, die es jährlich im Auftrag von Transparency International durchführt. Darin gaben 10,8 Prozent der Befragten zu, im vergangenen Jahr geschmiert zu haben, das sind nur 0,4 Prozent weniger als 2010. Deutlicher ist allerdings der Rückgang bei den gezahlten Summen: Der Studie zufolge fiel der durchschnittliche Schmiergeldbetrag von 1492 auf 1400 Euro. Der Rückgang sei ein Ergebnis der Krise, sagte Kostas Bakouris, Präsident der griechischen Sektion von Transparency International: Angesichts sinkender Einkommen müssten die Griechen auch bei der Bestechung sparen.

Krankenhäuser, Finanzämter und die Baubehörden gelten als Brennpunkte der Korruption. Und so sieht die von den Meinungsforschern ermittelte „Preisliste“ aus: Für eine OP verlangen die Chirurgen in staatlichen Kliniken je nach Schwierigkeitsgrad des Eingriffs ein Fakelaki von 100 bis 30.000 Euro. Wer auf der Warteliste vorrücken will, muss zwischen 30 und 20.000 Euro zahlen – die Griechen sprechen vom „Grigorosimo“, was so viel wie „Beschleuniger“ bedeutet. Wer einen Steuerprüfer milde stimmen will, muss 100 bis 20.000 Euro anlegen. Eine Baugenehmigung kostet bis zu 8000 Euro, die Genehmigung eines Schwarzbaus schlägt mit bis zu 5000 Euro zu Buche.

In jüngster Zeit machten mehrere spektakuläre Korruptionsfälle im Land Schlagzeilen. So flog ein Arzt auf der Insel Zakynthos auf, der Patienten gegen ein Honorar von 5000 Euro Blindheit bescheinigte, damit sie Invalidenrenten kassieren konnten. Unter den „Blinden“ war ein Taxifahrer. Aufsehen erregte kürzlich auch das Treiben mehrerer Beschäftigter der Sozialversicherungsanstalt IKA, die gegen „Provisionen“ Versicherten Sozialleistungen in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro zuschanzten.

Vielleicht sind es solche Enthüllungen, die immer mehr Griechen Mut machen, sich zu wehren. Immerhin jeder Vierte gab in der Untersuchung an, er habe im vergangenen Jahr geforderte Schmiergelder verweigert. „Das ist sehr ermutigend“, sagt Transparency-Chef Bakouris. „Die Menschen zeigen weniger Toleranz gegenüber der Korruption.“

Kommentare (8)

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kopfschuettler

05.04.2012, 18:59 Uhr

Weshalb unterstützen wir so korrupte Sauställe? Das habe ich bis heute nicht verstanden - denn neu ist das keineswegs...

Mazi

05.04.2012, 19:01 Uhr

Damit das wie geschmiert weiter gehen kann, dazu gibt es im ESM-Vertrag den Artikel 35
(http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_1270/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Europa/Der__Euro/Stabilitaet/Stabilisierung-des-Euro/20120202-ESM-Vertrag,templateId=raw,property=publicationFile.pdf)

Das BMF veröffentlicht dazu:
"ARTIKEL 35
Persönliche Immunitäten
(1) Im Interesse des ESM genießen der Vorsitzende des Gouverneursrats, die Mitglieder des Gouverneursrats, die stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, die Mitglieder des Direktoriums, die stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie der Geschäftsführende Direktor und die anderen Bediensteten des ESM Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer in amtlicher
Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit hinsichtlich ihrer amtlichen Schriftstücke und Unterlagen."

Das ist eher die Einladung zur Korruption als deren Bekämpfung.

Baier

05.04.2012, 19:04 Uhr

das ist ja wie in der DDR! Dort konnte man den Bonzen per Gericht auch nicht beikommen. Was sagt denn unsere Kanzlerin dazu?

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