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26.04.2011

10:59 Uhr

Korruptionsskandal in Indien

Indische Regierung wackelt

Der milliardenschwere Telekom-Korruptionsskandal im Boomland Indien zieht immer weitere Kreise: Die Regierung von Präsident Manmohan Singh gerät in Bedrängnis - denn nun nimmt die Justiz auch ihre Abgeordnete ins Visier.

Indiens Premierminister Manmohan Singh während einer Rede. Quelle: Reuters

Indiens Premierminister Manmohan Singh während einer Rede.

Neu DelhiUnter dem Vorwurf der Vorteilsnahme wurde am Montag die Tochter eines wichtigen Verbündeten der regierenden Kongresspartei angeklagt, wie die Polizei mitteilte. Damit wächst der Druck auf Ministerpräsident Manmohan Singh, dessen Koalition für ihre hauchdünne Parlamentsmehrheit auf die DMK-Partei angewiesen ist. Die angeklagte Kanimozhi ist selbst Abgeordnete sowie Tochter des DMK-Chefs Muthuvel Karunanidhi.

Die Ermittlungen drehen sich um eine Schmiergeldaffäre bei der umstrittenen Vergabe von Telekom-Lizenzen. Dem Rechnungshof zufolge entgingen Indien dabei bis zu 39 Milliarden Dollar. Bei dem Skandal handelt es sich nach Einschätzung der Zeitung "The Hindu" um den größten Betrug in der Geschichte Indiens nach der Unabhängigkeit. Die Polizei hat bereits Anklage gegen drei Telekomm-Firmen, den für die Branche zuständigen Ex-Minister und sechs Manager erhoben. Am Montag wurden zwei weitere Manager angeklagt. Die Affäre wirft ein Schlaglicht auf die in Indien weit verbreitete Korruption und bringt Regierung wie Wirtschaftsmagnaten in Bedrängnis.

Der Telekom-Skandal ist nur einer von mehreren, der Indien seit Monaten erschüttert. Ähnliche Affären gibt es auch in der Bankenbranche sowie bei den Commonwealth-Spielen, die im Oktober eigentlich zum sportlichen Aushängeschild für das aufstrebende Schwellenland werden sollten. Am Montag nahm die Polizei den ehemaligen Chef-Organisator der Commonwealth-Spiele fest. Suresh Kalmadi, Abgeordneter der regierenden Kongresspartei, wurde nur wenige Stunden später aus der Partei ausgeschlossen. Im November hatte er seinen Posten an der Spitze der sechs Milliarden Dollar teuren Sportveranstaltung aufgeben müssen, nachdem Vorwürfe über manipulierte Verträge und aufgeblähte Rechnungen laut geworden waren.

Von

rtr

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